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EHEC: Sprossen unter Verdacht

zuletzt aktualisiert: 06.06.2011 - 02:30

Der Auslöser der gefährlichen Darminfektion scheint gefunden zu sein: Sprossen aus einem niedersächsischen Betrieb. Gewissheit soll ein Labortest bringen, dessen Ergebnis heute erwartet wird. Die Zahl der Todesopfer stieg auf 21.

hannover/Hamburg (RP) Auf der Suche nach der Quelle für die lebensgefährlichen EHEC-Infektionen ist den niedersächsischen Behörden möglicherweise ein Durchbruch gelungen. Die Experten führten zahlreiche Infektionen auf einen Saatgutbetrieb in Bienenbüttel im Kreis Uelzen zurück und warnten Verbraucher vor dem Verzehr von Sprossen. Die Firma wurde gesperrt.

Die aus 18 verschiedenen Saatgutarten gezogenen Sprossen seien als Zutat zum Salat direkt oder über Zwischenhändler an gastronomische Einrichtungen in Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen und Niedersachsen geliefert worden, teilte der niedersächsische Agrarminister Gert Lindemann (CDU) mit.

Die Sprossen würden in dem Betrieb in 38 Grad heißem Wasserdampf erzeugt. Dies seien auch für die Vermehrung des EHEC-Erregers "optimale Bedingungen", sagte Lindemann. Der Erreger könne bereits mit dem Saatgut importiert worden sein, aus dem die Sprossen erzeugt würden. Labortechnisch ist der Erreger in den Sprossen noch nicht nachgewiesen, wie es hieß. Ein erstes Untersuchungsergebnis erwartet Lindemann für heute Vormittag. Bei einer Mitarbeiterin des Betriebes sei eine EHEC-Erkrankung nachgewiesen, sagte er. Eine weitere Mitarbeiterin sei ebenfalls an Durchfall erkrankt.

Das Bundesgesundheitsministerium will das Ergebnis der Labor-Untersuchung abwarten, bevor weitere Schritte ergriffen werden. Sprossen von Radieschen waren die Ursache einer schweren EHEC-Epidemie, bei der sich 1996 in Japan fast 13 000 Menschen mit dem gefährlichen Keim infizierten.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) besuchte gestern mit dem Präsidenten des Robert-Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger, und der Hamburger Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, das die größte Zahl von EHEC-Patienten behandelt.

Bahr erklärte, trotz der angespannten Lage gebe es keine dramatischen Versorgungsprobleme. Zwar seien in einigen Kliniken die Kapazitäten für die Behandlung der Ehec-Infizierten erschöpft. Dafür würden aber andere Krankenhäuser einspringen und die Patienten übernehmen.

Bahr sowie Minister aus den Ländern kommen voraussichtlich am Mittwoch zu einem EHEC-Krisentreffen zusammen.

Nach Angaben des RKI ist die Zahl der registrierten Todesopfer auf 21 gestiegen. Derzeit seien 1526 EHEC-Kranke registriert und 627 Patienten, die mit der Komplikation HUS besonders schwer erkrankt sind. Beim Hämolytisch-Urämischen Syndrom (HUS) kommt es zu Blutarmut, Nierenversagen und einem Mangel an Blutplättchen. Nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums ist die Zahl der EHEC-Infektionen im Land seit Freitag von 253 auf 278 gestiegen.

Nach der Aufdeckung der Indizien, die für Sprossen als Auslöser sprechen, treten andere Spuren in den Hintergrund – etwa die Tatsache, dass Mitglieder drei verschiedener Reisegruppen nach dem Besuch eines Lübecker Lokals erkrankten; eine Besucherin, eine 48-Jährige aus NRW, starb.

Quelle: RP


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