Düsseldorf: CDU zerstritten über Schulpolitik in NRW
VON DETLEV HÜWEL - zuletzt aktualisiert: 27.06.2011 - 02:30Düsseldorf (RP). Die NRW-CDU lehnt die von Rot-Grün geforderte neue Schulform Gemeinschaftsschule ab. "Sie ist für uns auch nicht Teil des integrativen Schulsystems, sondern das ist ganz allein die eingeführte Gesamtschule", sagte der CDU-Schulexperte Thomas Sternberg gestern unserer Zeitung. Demgegenüber hatte CDU-Generalsekretär Oliver Wittke Mitte des Monats vor Journalisten erklärt, die Union sei bereit, Rot-Grün das integrative Schulsystem mit Gesamt- und Gemeinschaftsschulen zuzugestehen und die entsprechende Änderung des Schulgesetzes mitzutragen. Im Gegenzug müsse die Landesregierung Realschule und Gymnasium in der Verfassung absichern.
Sternberg geht auf Distanz zu diesem Vorstoß: "Wittke ist kein Schulpolitiker." Dessen Äußerungen im Journalistenkreis seien "etwas ungenau" gewesen. Laut Sternberg hat die CDU auf ihrem Siegener Parteitag im März Frieden mit der Gesamtschule geschlossen. Die Gemeinschaftsschule sei hingegen die "falsche Antwort auf richtige Fragen". Vor allem die Regelung, dass in den Klassen fünf und sechs gymnasiale Standards mit der zweiten Fremdsprache herrschen, sei verfehlt. Gleichwohl sei die CDU nach wie vor zu Gesprächen über einen Schulkonsens bereit. Sie habe Rot-Grün ja selbst dazu eingeladen, aber keine Antwort erhalten. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) hatten alle im Landtag vertretenen Parteien zu einem Schulgespräch am vergangenen Freitag eingeladen. Aus Protest dagegen, dass auch die Linkspartei am Tisch saß, war die CDU dem Treffen ferngeblieben. Die FDP lehnte ebenfalls gymnasiale Standards an den Gemeinschaftsschulen ab.
Der CDU-Bundesvorstand will heute über ein zweigliedriges Schulsystem beraten, das aus dem Gymnasium und einer "Oberschule" bestehen soll, die aus der Fusion von Haupt- und Realschule hervorgehen würde. In dem Entwurf für den Bundesparteitag im November heißt es, in Deutschland gebe es zu viele Schulformen. Allerdings erhebt sich bereits Widerspruch. In Bayern werde es weiterhin Haupt- und Realschulen geben, sagte die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, zur "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".
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