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70 Prozent lehnen Wulffs Rücktritt ab

VON MICHAEL BRÖCKER - zuletzt aktualisiert: 21.12.2011 - 02:30

berlin Die Nähe zu niedersächsischen Unternehmern bringt Bundespräsident Christian Wulff erneut in Bedrängnis. Nach dem Wirbel um den 500 000-Euro-Privatkredit einer Unternehmerfrau an den früheren Ministerpräsidenten berichtet die "Bild"-Zeitung nun, dass der Gründer des Hannoveraner Finanzdienstleisters AWD, Carsten Maschmeyer, im Landtagswahlkampf 2007 Anzeigen für ein Porträtbuch über Wulff finanziert hat. Wulff hat nach Angaben seines Anwalts Gernot Lehr von den Zahlungen nichts gewusst.

Im Buch beschreibt der damalige CDU-Ministerpräsident im Gespräch mit "Bild"-Kolumnist Hugo Müller-Vogg sein Leben. Ein Sprecher Maschmeyers bestätigte gestern, dass der Unternehmer, der mit der Schauspielerin Veronica Ferres liiert ist, für Werbung zugunsten des Buchs rund 42 700 Euro aus seinem Privatvermögen ausgegeben habe. Die Annoncen wurde im Herbst 2007 in verschiedenen Regionalzeitungen geschaltet. Maschmeyer betonte, dass er die Anzeigen "privat bezahlt", mit Wulff darüber aber nicht gesprochen hat. Das Interview-Buch war ein Instrument im CDU-Landtagswahlkampf 2008 und wurde von der Partei als Wahlwerbung verschenkt.

Der designierte Generalsekretär der FDP, Patrick Döring, bewertet den Vorgang als harmlos. "Nach der jetzigen Faktenlage kann ich nicht sehen, wie die Person von Christian Wulff durch dieses Geschäft des Verlages belastet sein könnte", sagte Döring unserer Zeitung. "Nur weil jemand ,Feuer' ruft, heißt das nicht, dass es wirklich brennt. Im vorliegenden Fall scheint sich die Frage eher an den Verlag zu richten, der ein vergleichbares Arrangement wohl nicht zum ersten Mal eingegangen ist." Vertreter des Verlages Hoffmann und Campe erklärten, eine solche Finanzierung von Werbung sei in der Branche üblich.

Derweil beschäftigte der 500 000-Euro-Kredit der Unternehmerfrau Edith Geerkens an Wulff gestern den Ältestenrat des niedersächsischen Landtags. Union und FDP beendeten die Sondersitzung schon nach wenigen Minuten per Mehrheitsbeschluss. Der Anwalt des Bundespräsidenten bestätigte gestern, dass Unternehmer Egon Geerkens an den Verhandlungen über den Kredit beteiligt war: "Die Modalitäten wurden gemeinsam besprochen, das Darlehen von Frau Edith Geerkens gewährt", zitiert "Die Welt" aus einer Stellungnahme von Rechtsanwalt Gernot Lehr. Wulff hatte bislang erklärt, dass Edith Geerkens die Kreditgeberin war, sich aber nicht dazu geäußert, inwieweit ihr Ehemann in die Verhandlungen eingebunden war. Vielmehr hatte Wulff auf eine Anfrage der Grünen im niedersächsischen Landtag gesagt, es gebe keine Geschäftsbeziehung zu Egon Geerkens.

Die Mehrheit der Deutschen lehnt einer Umfrage der ARD zufolge einen Rücktritt des Staatsoberhaupts ab. 70 Prozent sprechen sich dafür aus, dass Wulff im Amt bleiben soll. Eine knappe Mehrheit von 51 Prozent hält ihn für glaubwürdig. 44 Prozent geben dagegen an, der Bundespräsident sei nicht mehr glaubwürdig. Mit seiner politischen Arbeit sind 60 Prozent zufrieden, 31 Prozent zeigen sich unzufrieden.

Quelle: RP


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