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50 Grad in ICE: Schüler in Klinik

VON HANNA KOCH - zuletzt aktualisiert: 12.07.2010 - 02:30

Weil in einem ICE der Deutschen Bahn die Klimaanlage ausfiel, erlitten 27 Schüler aus Willich und Remscheid auf der Strecke Hannover-Bielefeld einen Kreislaufkollaps. Auch in zwei weiteren ICE-Zügen streikte die Kühlung.

Zahlreiche Bahnreisende wurden nach dem Ausfall der Klimaanlage eines ICE auf der Strecke Hannover-Köln Opfer eines gefährlichen Hitzestaus. 44 Menschen mussten ärztlich behandelt werden, darunter 27 Schüler aus Willich und Remscheid. Neun Jugendliche kamen ins Krankenhaus.

Bereits zuvor waren zwei ICE-Züge auf der Strecke von Berlin nach Köln wegen defekter Klimaanlagen aus dem Verkehr gezogen worden. Die Reisenden mussten in Hannover auf einen dritten ICE ausweichen. In diesem Zug fiel die Klimatisierung ebenfalls aus. In den Abteilen herrschten nach Aussagen von Reisenden Temperaturen von über 50 Grad. Die Sauerstoffzufuhr war eingeschränkt. Im überfüllten Zug brach Panik aus, doch erst in Bielefeld, nach 50 Minuten Fahrt, wurde ein Nothalt eingelegt und der Zug evakuiert. Die Feuerwehr war mit 91 Rettungskräften im Einsatz.

Deutsche-Bahn-Chef Rüdiger Grube entschuldigte sich für den Vorfall. Die Fahrgäste sollen entschädigt werden. Es sei aber richtig gewesen, den Zug bis Bielefeld durchfahren zu lassen, sagte ein Bahn-Sprecher unserer Zeitung.

"Die Bahn hätte uns gar nicht erst in den Zug einsteigen lassen dürfen", sagte Dagmar Reichenberg-Arnoldy. Die Lehrerin des St. Bernhard Gymnasiums Willich war mit einer Gruppe Zehntklässler auf dem Weg nach Düsseldorf. "Es war einfach schrecklich", berichtete die Willicher Schülerin Michaela Brux. Der Zug sei überfüllt gewesen, schnell sei Panik ausgebrochen, insbesondere als eine schwangere Frau Angst um ihr ungeborenes Baby bekam.

Die Schülerin musste zudem mit ansehen, wie die verzweifelte Mutter eines bereits kollabierten Kindes vergeblich versuchte, eine Scheibe mit dem Nothammer einzuschlagen.

"Ich hatte Angst", sagt Lehrerin Reichenberg-Arnoldy . Eine ihrer Schülerinnen sei blau angelaufen, die Mitarbeiter der Bahn seien untätig gewesen. "Ich war es, die am leeren Bahnsteig in Bielefeld den Notarzt gerufen hat", sagt Reichenberg-Arnoldy. Vier ihrer Schüler wurden in ein Krankenhaus gebracht. Fünf weitere Jugendliche – Schülerinnen der Sophie-Scholl-Gesamtschule Remscheid – wurden außerdem im Hospital versorgt. Die Zwölftklässler waren ebenfalls von Berlin kommend in Hannover in den ICE zugestiegen. Für beide Schülergruppen wurden klimatisierte Busse für die Heimreise organisiert.

Gestern fiel in einem ICE auf der Strecke Berlin-Bonn erneut die Klimaanlage aus, wieder wurde der Zug in Hannover gestoppt. Ein Sprecher der Bahn kündigte "Ursachenforschung" an. Den Eltern der Willicher Schüler reicht das offenbar nicht: Sie wollen die Bahn wegen Körperverletzung verklagen. Die Bundespolizei ermittelt wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung

Quelle: Rheinische Post
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