Weltmeister Eckel wird heute 80
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 08.02.2012 - 02:30KAISERSLAUTERN/düsseldorf Er war mit 22 Jahren jüngster der elf Helden von Bern, die am 4. Juli 1954 in der Schweizer Stadt überraschend das Endspiel der Weltmeisterschaft gegen die scheinbar unschlagbaren Ungarn 3:2 gewannen und damit Legenden des deutschen Fußballs wurden. Er war der "Bewacher" des großen ungarischen Mittelstürmers Nandor Hidegkuti. Heute feiert Horst Eckel seinen 80. Geburtstag. Zur Feier des Ehrentags im Fritz-Walter-Stadion auf Kaiserslauterns Betzenberg werden rund 200 Gäste erwartet, unter ihnen DFB-Präsident Theo Zwanziger und sein designierter Nachfolger Wolfgang Niersbach.
Horst Eckel, der 32 Mal das Trikot der Nationalelf trug und bei der Endrunde in der Schweiz als einziger neben Fritz Walter in allen sechs Begegnungen der DFB-Auswahl zum Einsatz kam, ist neben seinem Lauterer Klubkameraden Ottmar Walter (87) und dem Kölner Hans Schäfer (84) einziger noch lebender Spieler der großen Mannschaft. "Früher bin ich als Jüngster hinter den anderen hergelaufen und war im Kader eher ein Mitläufer", sagt er. "Heute bin ich der einzige noch Aktive, und da kommt jetzt viel Verantwortung auf mich zu." Im Gegensatz zu Ottmar Walter und Schäfer sieht man den rüstigen Pfälzer nach wie vor häufig in der Öffentlichkeit. Von Trainer Sepp Herbergers berühmter WM-Elf ist er deshalb auch der Zeitzeuge, der immer noch sehr viel erzählen kann von dem, was alles geschah im Sommer '54 bis zur Sternstunde im Wankdorf-Stadion und zur Rückkehr in die Heimat. So war er auch fachlicher Berater von Regisseur Sönke Wortmann für dessen Spielfilm "Das Wunder von Bern".
Da er der Jüngste im Kreis der Walters, Rahns und Tureks war, nannte man ihn "Benjamin". Und weil der rechte Außenläufer, vom Stürmer auf diese Position "umgeschult", so schlank und schnell war, gab man ihm auch den Beinamen "Windhund". Geboren wurde er in Vogelbach (Westpfalz), beim dortigen Sport-Club spielte er schon mit 15 Jahren in der ersten Mannschaft. In dem Ortsteil von Bruchmühlbach-Miesau lebt er heute noch mit seiner Frau Hannelore. Er war Feinmechaniker und später Realschullehrer für Kunst, Sport und Werken. Die pädagogische Erfahrung hilft ihm bei seiner Arbeit als Botschafter der Sepp-Herberger-Stiftung. Seit 1997 engagiert er sich als Nachfolger seines einstigen Kapitäns und Vorbilds Fritz Walter für die älteste DFB-Stiftung. Er besucht Justizvollzugsanstalten, um "mit einzelnen Gefangenen zu sprechen, damit ich ihnen Werte vermittle".
"Du musst für jeden Tag danken, der dir an Zufriedenheit und Glück geschenkt worden ist." Das ist ein Lebensmotto von Horst Eckel, der vor sieben Jahren mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. Beim FCK ("Da steckt mein Herzblut drin"), mit dem er 1951 und 1953 deutscher Meister wurde, hat er natürlich einen Ehrenplatz auf der Tribüne, und wenn er zu Hause ist, fährt er möglichst zu jedem Heimspiel der "Roten Teufel". Selbst kicken wie bei Prominentenspielen wird er wohl nicht mehr, denn er hat sich einer Knieoperation unterziehen müssen. Aber zum Tennis- und Tischtennisschläger kann er für das eine oder andere Match immer noch greifen. Alle vier, fünf Wochen besucht er seinen Freund Ottmar Walter. Nicht immer wird er von dem ehemaligen Mittelstürmer noch erkannt.
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