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Vor 40 Jahren starb Jochen Rindt

VON ECKHARD CZEKALLA - zuletzt aktualisiert: 04.09.2010 - 02:30

Am 5. September 1970 verunglückte der Lotus-Fahrer in Monza tödlich. Am Ende der Formel-1-Saison wurde er posthum zum Weltmeister erklärt. Er war der erste deutschsprachige Champion in der Königsklasse.

"Heute", sagt Bernie Ecclestone und blickt ernst in die Fernsehkamera, "heute würde er noch leben." Aber Jochen Rindt, dessen Freund und Manager der spätere Chef der Formel 1 war, verunglückte vor 40 Jahren, am 5. September 1970 beim Abschlusstraining (nun Qualifying) zum Großen Preis von Italien in Monza. Damals waren die Rennwagen noch "rollende Särge" aus dünnen Rohrrahmen, mit einer Aluminiumhaut verkleidet. Als am Lotus eine Bremswelle brach, prallte der 28-Jährige bei der Anfahrt auf die Parabolica-Kurve mit Tempo 220 frontal in die Leitplanken – dort, wo am 10. September 1961 der deutsche Pilot Wolfgang Graf Berghe von Trips tödlich verunglückt war.

Ein wilder Bursche

Aus Furcht, bei einem Unfall im Auto zu verbrennen wie sein britischer Freund Piers Courage gut zehn Wochen zuvor in Zandvoort (Niederlande), legte Rindt den neuen Sicherheitsgurt nie korrekt an, verzichtete auf die Oberschenkelgurte. In Monza wurde er beim Aufprall aus den Brustgurten gerissen, knallte auf Lenkrad und Armaturen, erlitt schwere Verletzungen und verblutete im Krankenwagen. Rindt, der fünf der neun Rennen gewonnen hatte, wurde in den restlichen vier WM-Läufen nicht mehr von Platz eins verdrängt. Posthum wurde der Rennfahrer, bei dessen Beerdigung rund 30 000 Menschen auf dem Grazer Zentralfriedhof waren, zum Weltmeister erklärt.

Rindt, am 18. April 1942 im Mainz geboren, bezeichnete sich stets als Europäer, lebte am Genfer See in der Schweiz mit seiner finnischen Frau Nina Lincoln und Tochter Natascha. Er war 15 Monate alt, als sein Vater und seine österreichische Mutter bei einem Bombenangriff in Hamburg starben. Der Kleine, dessen Eltern eine gut gehende Gewürzmühle (Klein&Rindt) besaßen, kam zu den Großeltern nach Graz. Als er aufs Gymnasium wechselte, wurde aus dem introvertierten Buben ein wilder Bursche, der keiner Konfrontation aus dem Weg ging, der mit seinen Kumpels auf Mopeds und Autos die Gegend rund um das Wohnhaus am Rucklerberggürtel 16 unsicher machte, der bei der Polizei bekannt war, der die Schule verlassen musste und der im Internat in Bad Aussee sein Abitur machte – mit Helmut Marko. Der heutige Berater des Red-Bull-Rennstalls absolvierte auch einige Formel-1-Rennen.

1964 saß Rindt, der die deutsche Staatsbürgerschaft behielt, aber mit einer österreichischen Lizenz fuhr, erstmals im Formel-1-Auto. Sein Ziel, Weltmeister zu werden, glaubte er nur bei Lotus verwirklichen zu können. Dessen Teamchef Colin Chapman war bekannt dafür, schnelle Autos bauen zu lassen, die aber auch anfällig waren. "Wenn mich mein Hinterrad überholt, weiß ich, dass ich in einem Lotus sitze", sagte Teamkollege Graham Hill. Der Engländer holte 1968 im Lotus den Titel und brach sich beim Saisonfinale 1969, als Rindt in den USA den ersten seiner sechs Siege feierte, bei einem Unfall beide Beine. Rindt war sich des Risikos bewusst. "Bei Lotus kann ich Weltmeister werden oder sterben", sagte er. Beides wurde wahr.

Wie Michael Schumacher gut zwei Jahrzehnte später in Deutschland, so hat Rindt die Formel 1, aber auch sich selbst in Österreich populär gemacht. Er war Wegbereiter für Fahrer wie Niki Lauda und Gerhard Berger. Er setzte sich für die Verbesserung der Sicherheit ein, und er galt als erster Popstar der Königsklasse. "Er war schon ein cooler Typ", sagte Sebastian Vettel, nachdem er die TV-Dokumentation über den ersten deutschsprachigen Weltmeister gesehen hatte, und ergänzte voller Respekt: "Ein Wahnsinn, wie die Fahrer damals mit der Ungewissheit, ob die Technik hält, leben mussten."

Quelle: Rheinische Post

 
 
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