Belgrad: Tristesse bei den Handballern
zuletzt aktualisiert: 27.01.2012 - 02:30Belgrad (RP). Die Enttäuschung sitzt nach dem Aus bei der Europameisterschaft in Serbien tief. Bundestrainer Heuberger bekommt trotz des Scheiterns Rückendeckung aus dem Verband und der Liga. Zwischen Torhüter Heinevetter und Präsident Strombach brach Streit aus.
Silvio Heinevetter gehörte zu den ersten, bei denen die Lähmung nach dem EM-Aus nachließ. Als das Halbfinale und die Chance zur Teilnahme an einem Qualifikationsturnier für die Olympischen Spielen dahin war, giftete der Torhüter der Handball-Nationalmannschaft. Er nahm sich den Präsidenten des Deutschen Handball-Bundes, den Gummersbacher Ulrich Strombach vor. "Ahnung vom Handball hat der nicht, wenn wir ganz ehrlich sind", sagte der für seine Ehrlichkeit bekannte Berliner im Interview mit "Sport1". "Wenn man nicht ein einziges Hallo zur Mannschaft sagt und in den Medien erzählt, wir kommen ins Halbfinale, dann muss man sich überlegen, ob man nicht zu Hause bleibt als Präsident."
Strombach konterte in der Tageszeitung "Die Welt": "Ich glaube nicht, dass ein Silvio Heinevetter beurteilen kann, ob ich Ahnung vom Handball habe. Ich bin jetzt schon seit 15 Jahren dabei, und in dieser Zeit hat sich nie jemand über mein Verhalten zur Mannschaft beschwert."
Mit müden Augen und hängenden Köpfen verließ das Team Belgrad. Gezeichnet von der 32:33-Niederlage gegen Polen und mit tiefen Augenrändern schlich Bundestrainer Martin Heuberger über den Flughafen. "Am Schluss zählt das Ergebnis. Daran müssen wir uns messen lassen", sagte der 47-Jährige, der das Amt im Juli 2011 von Weltmeister-Trainer Heiner Brand übernommen hatte. Nach Platz sieben bei der EM und der verpassten Olympia-Qualifikation erteilte er den Gerüchten um einen möglichen Rücktritt vor dem Heimflug eine klare Absage. "Ich werde nicht aufgeben. Ich mache weiter, sofern man mich lässt", sagte Heuberger.
Bis dahin wird es nach den jüngsten Eindrücken von der EM in Serbien allerdings noch einige Zeit dauern. Zwar zeigte das Team vor allem bei seinen beherzten Auftritten in der Vorrunde reichlich Moral, doch in den entscheidenden Momenten fehlte nicht nur der Killerinstinkt. Es fehlte an Qualität. Zwei Matchbälle hatte die Mannschaft in der Hauptrunde serviert bekommen, um sich für das Halbfinale zu qualifizieren – doch sowohl gegen Dänemark als auch gegen Polen wurden sie vergeben. Am Ende fehlte ein Punkt. Das Ziel "Olympia-Qualifikation" wurde verpasst.
Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, fordert einen entschlossenen Neubeginn. "Das Ergebnis ist enttäuschend, kommt aber nicht vollkommen überraschend", sagte Bach: "Die Entwicklung hat sich in den vergangenen Monaten abgezeichnet."
Bundestrainer Heuberger bekam Unterstützung. "Für mich hat er weiter das Vertrauen. Die Mannschaft hat Fortschritte gezeigt, sie ist als Team aufgetreten. Er hat einen Dreijahresvertrag und ich gehe davon aus, dass er den erfüllt", sagte DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier. Bob Hanning, der für sein offenes Wort geliebte und gefürchtete Manager der Füchse Berlin, sagte: "Ich hatte es mir viel schlimmer vorgestellt. Martin Heuberger hat es geschafft, eine Einheit zu formen."
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