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Tour: Tony Martin droht das Aus

VON CHRISTOPH LEUCHTENBERG UND EMANUEL REINKE - zuletzt aktualisiert: 02.07.2012 - 02:30

SERAING (sid) Pechvogel Tony Martin erlebte einen Seuchenstart, Fabian Cancellara sorgte für die große Show. Die Tour de France ist spektakulär in ihre 99. Auflage gestartet, brachte aber sogleich einen herben Rückschlag. Zeitfahr-Weltmeister Martin büßte zunächst durch einen Defekt beim Prolog die Chance auf das Gelbe Trikot ein, gestern ließen schmerzhafte Sturzverletzungen die ersten 204,4 von 3497 km nach Paris für den 27-Jährigen zum Fiasko werden. Das "maillot jaune" sicherte sich derweil beim 6,4 km langen Auftaktzeitfahren in Lüttich der Schweizer Zeitfahr-Olympiasieger Cancellara (RadioShack) und verteidigte es auch mit Platz zwei beim Sprint-Sieg des jungen Slowaken Peter Sagan (Liquigas) auf der ersten Etappe über 198 km nach Seraing erfolgreich.

"Ich bin sehr enttäuscht. Ich war gut drauf und hätte um den Sieg mitfahren können", sagte der mit großen Hoffnungen gestartete Martin nach dem verkorksten Auftakt, der sich gestern fortsetzte. Martin, der sich schon im April bei einem Trainingsunfall heftige Gesichtsverletzungen zugezogen hatte, war bereits kurz nach Etappenstart zu Fall gekommen und musste mehrmals behandelt werden.

Neben Prellungen und Schürfwunden erlitt Martin laut Tour-Chefärztin Florence Pommerie "vor allem eine Verletzung am Handgelenk, es ist recht schmerzhaft." Martin biss auf die Zähne und kämpfte sich ins Ziel, blieb ohne Zeitverlust und war als 33. bester Deutscher. Am Abend unterzog sich Martin im Krankenhaus einer Röntgen-Untersuchung.

"Das sieht nicht ganz so gut aus", sagte Teamarzt Helge Riepenhof. Erst heute will Martin entscheiden, ob er die Tour de France fortsetzen kann. Ob der 27 Jahre alte Zeitfahrweltmeister sich eine schwere Prellung oder einen Bruch zugezogen hat, konnte im Krankenhaus noch nicht eindeutig festgestellt werden. Kurz vor dem Start der zweiten Etappe wollen am Montagmorgen das Team und Martin das weitere Vorgehen abstimmen.

Beim Prolog hatte Martin zuvor eine Scherbe gestoppt, die kurz nach der Halbzeit für einen Plattfuß an seiner Zeitfahr-Maschine sorgte. Der folgende Radwechsel brachte Martin aus dem Rhythmus und kostete massig Zeit – Platz 45 wurde es letztlich für den 27-Jährigen, der bei der ersten Zwischenzeit noch eine Top-Platzierung im Blick gehabt hatte.

"Ich kämpfe jetzt weiter, die beiden langen Zeitfahren kommen ja noch", sagte Martin nach dem Prolog. Gelb hatte er da noch nicht abgeschrieben. Inwieweit ihn seine Blessuren in den kommenden Tagen behindern werden, muss sich zeigen. Der nächste Kampf gegen den Uhr steht auf der neunten Etappe an. Im Gesamtklassement liegt Martin als zweitbester Deutscher hinter Andreas Klöden (RadioShack/11.) auf Platz 18. Der Mann des ersten Wochenendes war Prologsieger Cancellara, der am Samstag den schwierigen Kurs in einem Höllentempo absolvierte. Mit einem Schnitt von 53,21 km/h raste der 31-Jährige ins Ziel, sieben Sekunden vor dem zweitplatzierten Bradley Wiggins (Sky).

Die deutschen Fahrer – neben tony Martin – präsentierten sich gerade beim Prolog auf winkligem Kurs in starker Verfassung. Patrick Gretsch (Argos) fuhr auf Platz sieben, verpasste das Weiße Trikot des besten Jungprofis nur um zwei Sekunden. "Schneller ging es beim besten Willen nicht", sagte der Erfurter. Routinier Jens Voigt (Grevesmühlen/RadioShack), der mit seinem 15. Tour-Start nun alleiniger deutscher Rekordhalter ist, wurde 18. und lag damit einen Platz vor Teamkollege Andreas Klöden (Mittweida).

Quelle: RP
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