Mönchengladbach: Torwart Leno rettet Leverkusen
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 17.10.2011 - 02:30Mönchengladbach (RP). Borussia Mönchengladbach spielt im Derby stark auf, scheitert aber häufig am überragenden Torhüter von Bayer. Ein paar Minuten vor Schluss schafft Schürrle mit seinem ersten Bundesliga-Tor für Leverkusen den schmeichelhaften 2:2-Endstand.
Als die Arbeit getan war, war wieder Zeit für Freundschaft. Marco Reus und André Schürrle klatschten sich ab und tauschten ihre Dienstkleidung aus. So kam es, dass später beide im Trikot des anderen Interviews gaben. Dass sie maßgeblich zum 2:2 zwischen Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen beigetragen hatten, die Zimmergenossen aus dem DFB-Team, war eine der vielen Randgeschichten eines Fußballspiels, an dessen Ende nur Reus hätte lächeln dürfen.
Gladbach dominierte so sehr, dass Bayers Trainer Robin Dutt später davon sprach, der Gegner habe sich "in einen Rausch gespielt". Allein Reus hätte einen haushohen Sieg herausschießen können. Doch nur einmal bezwang er den überragenden Bernd Leno im Bayer-Tor. Das war in der 65. Minute, aber schon der dritte, vierte, fünfte Teil des Privatduells zwischen Reus und Leno. Acht Torschüsse hatte Reus, einmal traf er.
Wertet man diese Statistik brutal aus und addiert dazu seinen Ballverlust, der Schürrles Traum-Tor zum 2:2 möglich machte, könnte man meinen, Reus sei der Nicht-Gewinner des Tages. Schürrle hingegen zeigte erstmals bei Bayer seine gnadenlose Effektivität. So wie Reus' 1:1 – ein flottes Solo nach perfektem Pass Juan Arangos – typisch war, war auch Schürrles Einschuss typisch: Von links zog er in die Mitte, und dann platzierte er die Kugel in den obersten Winkel der langen Ecke.
Marc-André ter Stegen, der angesichts der starken Leno-Leistung etwas im Schatten des ungeliebten Konkurrenten stand, war machtlos. "In dem Moment ist eine Riesenlast von mir gefallen", sagte Schürrle. Wenige Minuten und eine letzte Mega-Chance von Reus später, nach dessen Schuss Leno kurzzeitig k.o. ging, kamen die beiden blonden Stürmer zusammen. Es wurde getuschelt und gegrinst. Gab es im neutralen Raum des Nationalteams etwa eine Abmachung, nach der beide ihr Törchen machen und das Ganze ausgeht wie das Hornberger Schießen? "Nein, es gab keine Absprache", versicherte Reus. Ohne Grinsen, Augenzwinkern oder Emotion, wie immer.
Was das angeht, ist Schürrle eher der Typ Sonnyboy. Der Kerl schaut aus wie der beste Schwiegersohn aller Zeiten, während Reus mit seinem Irokesen-Punk-Haarschnitt verwegener wirkt. Doch sind beide Twens Trainer-Lieblinge. "Marco ist unfassbar gut", sagt Gladbachs Lucien Favre. Nur vor dem Tor ist Reus derzeit nicht auf 100 Prozent programmiert. So kam Reus zu dem Schluss, dass Inhalt und Ergebnis nicht passten: "Wenn wir gewonnen hätten, würde ich sagen, wir haben überragend gespielt, durch das Unentschieden wird unsere Leistung ein wenig zur Seite geschoben."
Stefan Reinartz, der das 1:0 für Leverkusen erzielte, weil Borussias Defensive nach einer Ecke und einer Kopfballverlängerung Michael Ballacks ungeordnet war, gab zu, dass "eine Niederlage verdient gewesen wäre". Borussia spielte famos, nur gab es zwei Mankos: "Wir haben am Ende nicht mehr 100 Prozent konzentriert verteidigt", kritisierte Favre. Und beim Abschluss fehlte die Effektivität – wie häufig zuletzt. 23 Schüsse flogen auf Leverkusens Tor, aber nur zwei hinein. Leverkusen spielte nach einer halben Stunde schlecht, hatte nur zwei positive Erscheinungen: Leno und Schürrle. In der Summe ergab das ein 2:2. Gladbach ist damit Erster vom Rest hinter dem FC Bayern, Leverkusen Mittelmaß. Das war nach neun Spieltagen so weniger zu erwarten. Dass Reus und Schürrle aber im Derby zu den Hauptfiguren gehören würden, schon.
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