Top 12: Boll siegt in Düsseldorf
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 08.02.2010 - 02:30Der Weltranglistenvierte gewinnt schon zum fünften Mal das europäische Ranglistenturnier. Im Finale bezwingt der Lokalmatador wie im vergangenen Jahr seinen Dauerrivalen Vladimir Samsonov.
Timo Boll ist für den deutschen Tischtennissport ein Jahrhunderttalent. Ein Spieler, dessen Klasse hierzulande vielleicht über Jahrzehnte hinaus kein anderer erreichen wird. Beim kontinentalen Ranglistenturnier Europe Top 12 in Düsseldorf hat der Lokalmatador die Rolle eindrucksvoll bestätigt. In einer packenden Neuauflage des Vorjahresfinales siegte der 28 Jahre alte Düsseldorfer gegen seinen großen weißrussischen Dauerrivalen Vladimir Samsonov in 4:2 Sätzen. Er gewann das Turnier nach 2002, 2003, 2006 und 2009 zum fünften Mal und sicherte sich 9000 Euro Siegprämie. Im Halbfinale hatte er den lange wie entfesselt aufspielenden Griechen Kalinikos Kreanga mit 4:2 bezwungen.
Boll ist der führende Kopf einer Gruppe von Spielern, die mit Fug und Recht als goldene deutsche Tischtennisgeneration bezeichnet werden kann. Wenngleich zwischen dem in Erbach (Odenwald) geborenen Ausnahmekönner, der im Einzel, im Doppel und im Team schon zehn EM-Titel gewonnen hat, und allen anderen Akteuren des Nationalkaders ein Klassenunterschied besteht, sorgen auch jüngere Spieler dafür, dass die Mannschaft in Europa führend ist und in der Welt nur von der Tischtennis-Supermacht China klar übertroffen wird: Christian Süß (24), Dimitri Ovtcharov (21) und Patrick Baum (22). Dazu kommt der schon erfahrenere Bastian Steger (28). Die Altersstruktur des Teilnehmerfeldes beim Top-12-Turnier in Düsseldorf bestätigte eindrucksvoll die unterschiedlichen Ausgangspositionen auf dem Kontinent: Die fünf deutschen Spieler sind alle unter 30 Jahren, die sieben Ausländer schon über 30 wie Schwedens Altmeister Jörgen Persson (43) und der Kroate Zoran Primorac (40). Im schnellsten Rückschlagspiel der Welt hat Europa gegenüber der deutschen Auswahl den Anschluss verloren.
"Wir haben viele junge Spieler, und deshalb gehe ich davon aus, dass wir auch in den nächsten Jahren gut aufgestellt sein werden", erklärt Dirk Schimmelpfennig, Sportdirektor des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB). "Der Abstand der Europäer zu den Asiaten, insbesondere den Chinesen, ist im Moment sehr groß", schränkt er jedoch ein und nennt dafür einen wichtigen Grund: "Es wird aus meiner Sicht zu wenig trainiert. Insbesondere im Nachwuchsbereich trainieren die Chinesen deutlich besser." Mit Leistungszentren wie dem in Düsseldorf versucht der DTTB den Rückstand aufzuholen.
Jörg Roßkopf, künftiger Herren-Bundestrainer, betont, dass in China ein Trainingsumfang von sechs Stunden täglich üblich ist; so lange hat er früher selbst mit 15, 16 Jahren am Tisch gearbeitet. Auch der Europameister des Jahres 1992 sieht für das Herrenteam auf Sicht glänzende Perspektiven dank Boll, Süß, Ovtcharov und Baum. Dazu, glaubt Roßkopf, habe Deutschland in Patrick Franziska, seinem 17 Jahre alten Teamkollegen bei der TG Hanau, "den zurzeit besten Jugendlichen in Europa".
Franziska gewann im Dezember die Silbermedaille bei den Jugendweltmeisterschaften in Kolumbien und im Januar das Ranglistenturnier Europa Youth Top 10. Roßkopfs Urteil über den deutschen Nachwuchs ist äußerst positiv. "Wir haben eine willige junge Generation", sagt er. Der 40-Jährige fügt hinzu: "Und wir haben eine sehr gute Sichtung im DTTB."
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