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Thema Doping überlagert Giro

VON MARTIN BEILS - zuletzt aktualisiert: 05.05.2010 - 02:30

Am Samstag beginnt in Amsterdam die zweitwichtigste Landesrundfahrt der Radprofis. Der Vorjahresdritte Franco Pelizotti wurde jetzt ausgeschlossen, zuvor war schon der Zweite von 2009, Danilo Di Lucca, aufgeflogen.

Interessante Fragen stellen sich vor dem Start des Giro d'Italia. Zum Beispiel: Gelingt es Milram-Kapitän Linus Gerdemann nach einem rabenschwarzen Jahr 2009 eine Etappe zu gewinnen? Oder: Wie schlägt sich Columbia-Sprinter Andre Greipel im Fernduell mit Mark Cavendish, seinem Rivalen im eigenen Team?

Doch es ist wie so oft im Radsport, punktgenau vor dem Beginn eines großen Rennens überlagert das Thema Doping das Geschehen auf den Landstraßen. Der Weltverband UCI suspendierte Franco Pelizotti wegen seiner seltsamen Blutwerte. Der Italiener schloss den Giro im vergangenen Jahr auf Rang drei ab, bei der Tour de France 2009 entschied er die Bergwertung für sich. Vor Pelizotti hatte das Olympische Komitee Italiens Danilo Di Lucca, den Vorjahreszweiten der dreiwöchigen Italien-Rundfahrt, wegen Dopings mit dem Ausdauerverbesserer Cera aus dem Verkehr gezogen.

Der Fall Pelizotti bietet Anlass für eine Fortsetzung eines Glaubenskriegs. Die Skeptiker sehen in der Angelegenheit einen Beleg dafür, dass es im Radsport weiterhin von Unverbesserlichen wimmelt. Die Branche selbst feiert hingegen die Enttarnung des Betrügers als Beleg für ihr gut funktionierendes Antidoping-Programm. Columbia-Manager Rolf Aldag sagte gerade in der "Frankfurter Allgemeinen": "Der Radsport – bei allen Problemen, die er hat – leistet im Vergleich mit fast allen anderen Sportarten am meisten im Kampf gegen Doping."

Pelizotti ist der biologische Pass (auch Blutpass genannt) zum Verhängnis geworden. Seit 2007 verlangt die UCI von den rund 700 Profis, dass sie regelmäßig ihr Blut untersuchen lassen und dem Verband die Werte zugänglich machen. In starken Abweichungen von den üblichen Resultaten sieht die UCI hinreichende Indizien für Doping.

Die Weltantidoping-Agentur (Wada) hat ein entsprechendes Blutpass-Programm erst am 1. Dezember vergangenen Jahres beschlossen. Eine Vereinheitlichung der Regeln für alle Nationalverbände und Sportorganisationen ist das Ziel. Nach Ansicht der Dopingfahnder gehört diesem indirekten Nachweis von Vergehen (also ohne den unmittelbaren Nachweis verbotener Substanzen im Athletenkörper) die Zukunft.

Der ehemalige T-Mobile-Profi und geständige Doper Aldag sagte: "Das Blutprofil ist im Moment die mit Abstand beste aller Möglichkeiten. Mit Hilfe von Blutprofilen kann man sagen, wir wissen gar nicht, mit was einer gedopt hat, aber wir sind sicher, dass er etwas gemacht hat." So müsse nicht für jedes einzelne Präparat, das direkt mit Blut- oder Urinproben nachweisbar ist, langwierig ein eigenes Testverfahren entwickelt werden.

Doch viele Betrüger nutzen weiterhin Schlupflöcher. Der Schweizer Thomas Frei (25/Team BMC) flog nach eigener Aussage im vergangenen Monat nur deshalb mit Epo auf, weil seine Dosierung nicht stimmte und er nicht genug getrunken hatte ("In sehr kleinen Dosen ist Epo nur sehr schwer zu sehen"). Nachdem Alexander Winokurow, für den er 2007 beim Team Astana fuhr, nach seiner zweijährigen Dopingsperre am letzten Aprilsonntag Lüttich-Bastogne-Lüttich gewonnen hatte, sagte Frei: "Die Verlogenheit des Radsports zieht weiter ihre Kreise."

Am Samstag startet Winokurow beim Giro d'Italia. Der Kasache gilt als einer der Favoriten.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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