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Tennis – Kühnen gibt frustriert auf

VON GIANNI COSTA - zuletzt aktualisiert: 01.11.2012 - 02:30

Der 46-Jährige zieht zermürbt von den Machtkämpfen mit seinen Spielern und wegen mangelnder Unterstützung des Deutschen Tennis Bundes die Konsequenzen. Der Verband will bis Weihnachten einen Nachfolger als Teamchef der Davis-Cup-Auswahl präsentieren.

Hamburg/Düsseldorf Vor ein paar Tagen haben alle Beteiligten noch einmal öffentlich deutlich gemacht, wie zerrüttet diese Beziehung nach neun Jahren mittlerweile gewesen ist. In einer nicht ganz so geheimen Runde machten sich die sogenannten Spitzenkräfte im Herrentennis hierzulande ihre Gedanken über die sportliche Führung des Deutschen Tennis Bundes (DTB). Das Ergebnis ihrer Überlegungen lancierte die Truppe, angeblich angeführt von Philipp Kohlschreiber, dann an die Öffentlichkeit: Patrik Kühnen soll als Teamchef der Davis-Cup-Auswahl abgelöst werden. Gestern erfüllte sich dieser Wunsch dann.

Der DTB überließ Kühnen die Bühne, um seinen Rückzug zu verkünden. "In den vergangenen Wochen habe ich den Eindruck gewonnen, dass mir die nötige Unterstützung und Rückendeckung des Deutschen Tennis Bundes fehlt. Ich sehe deshalb keine Vertrauensbasis für eine weitere Zusammenarbeit und beende an dieser Stelle die Gespräche über die Fortsetzung meiner Tätigkeit mit dem DTB", teilte der 46-Jährige in einer per Mail versandten Presseerklärung mit. "Dem gesamten Team, meinem Nachfolger und dem Deutschen Tennis Bund wünsche ich für die Zukunft alles Gute." Er kam damit einer weiteren Demontage zuvor. Aus der Hamburger Verbandszentrale wurden sehr deutliche Signale ausgesendet, den Ende des Jahres auslaufenden Vertrag mit Kühnen definitiv nicht zu verlängern.

Noch vor ein paar Monaten sah das ganz anders aus. Carl-Uwe Steeb, ein langjähriger Vertrauter von Kühnen und im DTB für den Sport zuständiger Vize-Präsident, hatte alles schon ausgearbeitet. Der Vertrag lag unterschriftsreif bereit – doch ausgerechnet der Präsident, Karl Altenburg, legte im letzten Moment sein Veto ein. Altenburg hoffte auf eine Aussprache zwischen Kühnen und den Spielern. Doch das Verhältnis ist derart belastet gewesen, dass von Miteinander schon lange keine Rede war. Also wurde der Trainer geopfert.

"Ich kann die Entscheidung von Patrik nachvollziehen und verstehen", sagte Kohlschreiber. "Jetzt hoffe ich, dass schnell ein Nachfolger gefunden wird." Kohlschreiber hatte gar seine Teilnahme am Davis-Cup-Auftakt 2013 (1. bis 3. Februar) in Argentinien vom Abschied Kühnens abhängig gemacht.

Natürlich haben sich die ersten Kandidaten bereits positioniert. Der ehemalige Davis-Cup-Spieler Alexander Waske hat besonders laut seine Bewerbung abgegeben – ist aber nach eigenem Bekunden bislang noch nicht zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden. Mögliche Namen sind außerdem Michael Kohlmann und Carsten Arriens.

Barbara Rittner, die erfolgreiche Verantwortliche der Damenabteilung des DTB, hat sich über den Kurznachrichtendienst "Twitter" einen kleinen Spaß erlaubt und an die Adresse von Boris Becker gesendet: "Was ist mit Dir? Dann ist Ruhe ;-)))" Eine erneute Trainertätigkeit von Becker ist allerdings derzeit überhaupt kein Thema – für Becker selbst nicht, für alle anderen aber auch nicht. Der dreimalige Wimbledonsieger, von 1997 bis 1999 Teamchef, wollte die Situation nicht kommentieren: "Ich möchte mich erst mit Patrik besprechen, bevor ich mich dazu konkret äußere." Gemeinsam mit Kühnen ist er 1988 und 1989 Davis-Cup-Sieger geworden.

Dem Verband droht weiterer Ärger. Der bisherige Hauptsponsor, Lebensversicherer Atlanticlux, will die Kündigung seines Engagement nicht zurücknehmen. Das Unternehmen ist auch Sponsor von Kühnen. Firmenchef Manfred Dirrheimer polterte: "Professionelle Strukturen kann ich beim DTB mit diesem Präsidium nicht erkennen."

Quelle: RP
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