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  Gast

Südafrika war ein hervorragender Gastgeber

zuletzt aktualisiert: 12.07.2010 - 02:30

Auch wenn die deutsche Nationalmannschaft "nur" Dritter wurde: Sie ist der große Gewinner dieser Weltmeisterschaft. Die deutschen Spieler haben absolute Hochschulreife im Fußball erreicht, sie haben uns taktisch, technisch und im Kombinationsspiel nicht nur überzeugt, sie haben uns verwöhnt. Wenn sich alles so weiterentwickelt, dann werden wir in Zukunft vielleicht den gewünschten Erfolg, den Titel feiern können, den wir uns wünschen.

Der überragende Mann war Bastian Schweinsteiger, er hat das deutsche Spiel geprägt und ist in seiner Rolle in die Weltklasse aufgestiegen. Bemerkenswert, weil er erst ein Jahr im zentralen Mittelfeld spielt. Sensationell ist die Entwicklung von Thomas Müller, der nun schon fünf Tore bei seiner ersten WM geschossen hat. Beide Innenverteidiger, besonders Arne Friedrich, haben ein tolles Turnier hinter sich gebracht, Lahm war ein starker Kapitän, und niemand hätte erwartet, dass Miroslav Klose so auftrumpfen würde. Weil alle anderen auch nicht abgefallen sind, hat es überhaupt keine Enttäuschung gegeben. Selbst die, die im Spiel um Platz drei auflaufen durften, weil einige Stammkräfte ausgefallen waren, haben ihre Chance genutzt und eine gute Vorstellung abgeliefert. Nicht zuletzt die Art und Weise, wie diese Mannschaft in der Begegnung mit Uruguay nach dem Rückstand zurückgekommen ist, wie sie Willen gezeigt hat, verdient großen Respekt. Die deutsche Elf hat den dritten Platz von vor vier Jahren verteidigt – mit einer Mannschaft, die wesentlich jünger ist und zu großen Hoffnungen Anlass gibt. Dafür verdienen das Team und vor allem das Team dahinter, all die Helfer aus der medizinischen und technischen Abteilung und die Trainer, höchste Anerkennung. Es wäre schön, wenn alle zusammenbleiben können unter dem Cheftrainer Joachim Löw. Ich sehe da gute Zeichen.

Die WM hat eher durchschnittlichen Fußball geboten. Dabei war Südafrika ein hervorragender Gastgeber, die Menschen waren freundlich, und die Organisation hat gestimmt. Von Sicherheitsprobleme ist nichts bekannt geworden. Ich hoffe, dass dieses wunderschöne Land den Schwung in den Alltag mitnehmen kann und von der Weltmeisterschaft auch auf lange Sicht profitiert.

Nervend fand ich wie wohl viele andere das Vuvuzela-Getröte. Man bekam die Stimmung in den Stadien gar nicht mit, die Spiele hatten dadurch wenig Atmosphäre. Die vielen Enttäuschungen der WM können aber natürlich nicht mit den Vuvuzelas erklärt werden. Brasilien hat als Rekordweltmeister eine ganz schwache Endrunde gespielt, Frankreich hat sich selbst zerstört, und die italienische Mannschaft war einfach überaltert. Die USA hatten sich sicher mehr vorgenommen, und es sah nach der Vorrunde auch so aus, als könnte das Team eine bessere Rolle spielen. Afrikas Vorstellung war fußballerisch ebenfalls nicht überzeugend, auf dem Platz hat sich der Kontinent nicht gut dargestellt. Nur Ghana hätte es noch retten können, aber die Mannschaft hatte am Ende ein bisschen Pech.

Europa hat dem Turnier den Stempel aufgedrückt, die ersten Drei kamen von unserem Kontinent. Die Vormachtstellung wurde behauptet, obwohl es zwischenzeitlich nach einer Südamerika-Meisterschaft aussah. Davon ist nur Uruguay übriggeblieben – neben unserer Mannschaft die positive Überraschung.

Unser Kolumnist wurde als Spieler 1974 Weltmeister und betreute als Trainer-Assistent von Berti Vogts die Nationalmannschaft. Bonhof (58) spielte in der Bundesliga für Borussia Mönchengladbach, den 1. FC Köln und für Hertha BSC Berlin, in Spanien für den FC Valencia. Rainer Bonhof gewann Deutsche Meistertitel, den DFB-Pokal, den spanischen Pokal und den Europapokal der Pokalsieger.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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