Stuck übersteht Not-OP gut
zuletzt aktualisiert: 09.08.2010 - 02:30Nürburg (sid) Wenige Stunden nach der Notoperation war Hans-Joachim Stuck schon wieder zum Scherzen zumute. "Das war eine Sekunde vor zwölf", sagte der 59-Jährige und ergänzte mit Blick auf die Drainage: "Ich habe jetzt zwei Löcher im Kopf. Das sind offenbar gute Antennen nach oben." Der frühere Formel-1-Pilot (74 Rennen von 1974 bis 1979/zweimal Platz drei) war am Samstag in Neuwied operiert worden, da die Ärzte ein Hämatom am Kopf festgestellt hatten.
Weil er laut Ehefrau Sylvia seit ein paar Tagen über Kopfschmerzen und am Freitag nach dem Training zudem über Übelkeit und Schwindelgefühle geklagt hatte, war Stuck im Medical-Center am Nürburgring untersucht worden. Dort riet ihm ein Arzt zu weiteren medizinischen Checks in Neuwied, wo die Ärzte nach seinem Crash bei der Deutschen Langstrecken-Meisterschaft am 3. Juli eine schwere Gehirnerschütterung und Rippenprellung diagnostiziert hatten. "Wir haben Strietzel nach dem Training geraten, einen Arzt zu konsultieren, denn er klagte plötzlich über Gleichgewichtsstörungen", sagte VW-Motorsportdirektor Kris Nissen. Bei dem Unfall Anfang Juli war Stuck in einem Audi bei plötzlich einsetzendem Regen rückwärts und mit hoher Geschwindigkeit in einen Reifenstapel geprallt.
Ob Stuck weiter Rennen fahren wird, erscheint fraglich. Dabei hatte er ein Karriereende nach dem Unfall ausgeschlossen. "Mein großes Ziel ist es, einmal mit meinen Söhnen Ferdinand und Johannes ein 24-Stunden-Rennen zu fahren", hatte der VW-Motorsportberater gesagt. Gestern atmete die Familie Stuck erst mal auf. Auch für Johannes (23), der wie der Vater am Wochenende im VW-Scirocco-Cup im Rahmenprogramm der Deutschen Tourenwagen-Masters (DTM) fahren wollte, war der Sport zweitrangig; er verzichtete auf den Start und fuhr zum Vater ins Krankenhaus.
Schon 14 Tage nach dem Juli-Crash startete Stuck ("Als ich angefangen habe, waren Rennen tödlich und Sex gesund, heute sind Rennen gesund und Sex gefährlich") in der Deutschen Langstrecken-Meisterschaft erneut auf dem Nürburgring und belegte im Audi R8 den zweiten Rang unter 148 Teilnehmern.
Der Unfall am 3. Juli war bereits Stucks dritter schwerer Crash auf seiner geliebten Nordschleife innerhalb von fünf Jahren. Beim 24-Stunden-Rennen 2006 war er in einen Massenunfall verwickelt, nachdem mehrere Fahrzeuge auf einer Ölspur ins Schleudern gekommen und zusammengeprallt waren. "Ich habe erstmals in meiner 37-jährigen Rennfahrerkarriere dem Tod in die Augen gesehen", sagte Stuck damals. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt.
Am 28. April 2007 erwischte es "Striezel" bei der Langstreckenmeisterschaft ganz böse. Er musste per Hubschrauber in die Klinik geflogen werden, wo ein Bruch des zweiten Lendenwirbels, zahlreiche schwere Prellungen, unter anderem des Brustbeins, sowie eine Herzquetschung festgestellt wurden. Beim seinem schwersten Unfall habe er großes Glück gehabt, räumte er ein.
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