Spanien quält sich ins Halbfinale
VON TOM VAAGT UND ANTJE REHSE - zuletzt aktualisiert: 05.07.2010 - 02:30Erneut war es Torjäger David Villa, der dem Europameister mit einem Treffer den Sieg bescherte. Nach dem mühevollen 1:0 über Paraguay hält sich die Zuversicht für das Halbfinal-Duell mit Deutschland am Mittwoch in Durban jedoch in Grenzen.
Johannesburg (sid) Die Freude schien nur kurz zu währen – dabei war Spaniens Nationalmannschaft doch zum ersten Mal überhaupt in ein WM-Halbfinale eingezogen. "Wir müssen uns gegen die Deutschen die Seele aus dem Leib spielen. Sie sind momentan die beste Mannschaft der Welt", sagte Spaniens Nationaltrainer Vicente Del Bosque nach dem mühevollen 1:0 des Europameisters gegen Paraguay und blickte bereits auf das Vorschlussrunden-Duell am Mittwoch in Durban voraus: "Wir haben großen Respekt."
Deutschland versetzt "la furia roja" in Angst und Schrecken. Das 4:1 gegen England und vor allem das 4:0 gegen Argentinien haben Eindruck hinterlassen. Während die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw zuletzt durch das Turnier spazierte, quälen sich die als Topfavorit nach Südafrika gereisten Spanier von Spiel zu Spiel. Nach dem 0:1 gegen die Schweiz zum Auftakt gab es zwar vier Siege in Folge, großen Glanz versprühte die Selección jedoch nur selten.
"Spanien hat nur im Achtelfinale gegen Portugal wirklich überzeugt, zumindest in der zweiten Halbzeit. Uns fehlt einfach das Tempo, einen Gegner zu ermüden", mäkelte der nimmermüde Dauerkritiker Luis Aragones, der das Team 2008 als Trainer zum EM-Triumph geführt hatte. Damals hatten die Spanier Maßstäbe gesetzt: Schnelles Kurzpassspiel, atemberaubende Kombinationen. Alles, was sie damals zeigten, trug das Prädikat "technisch wertvoll". 1:0 hieß es im Endspiel – gegen Deutschland.
"Auch jetzt wird das Spiel ein vorweggenommenes Finale. Die Deutschen haben eine sehr beeindruckende Mannschaft. Ich war schon immer ein Fan ihres Fußballs", berichtete Stürmer Fernando Torres, der vor zwei Jahren das einzige Tor erzielte, seiner Topform momentan aber hinterherhinkt. "Nach dem bisherigen Verlauf des Turniers hätten sie den Titel vielleicht sogar mehr verdient als wir. Gegen eine so offensivstarke Mannschaft haben wir bei der WM noch nicht gespielt. Wir müssen verdammt gut vorbereitet sein."
Hoffnungsträger der Iberer ist auch am Mittwoch David Villa. Sechs Treffer erzielte Spanien in Südafrika, fünf davon gingen auf das Konto des EM-Torschützenkönigs – auch das 1:0 gegen Paraguay. Der Angreifer, der für 40 Millionen Euro aus Valencia zum FC Barcelona wechselt, träumt vom nächsten Torjäger-Titel. Doch zuvor kommt Deutschland. "Die Deutschen haben einen unglaublichen Lauf. Im Vergleich zu 2008 ist die Mannschaft jünger und beweglicher. Was sie hier in Südafrika gespielt hat, ist sensationell", sagte Villa. "Ich denke aber, dass Deutschland nicht glücklich darüber ist, gegen uns antreten zu müssen."
In der Heimat scheint man diese Einschätzung allerdings nicht zu teilen. "Dieses Deutschland macht uns Angst", schrieb die Tageszeitung El Mundo Deportivo. "Der Endspieleinzug wird schwierig. Wir werden auf eine völlig andere Mannschaft als 2008 treffen", meinte Torhüter Iker Casillas, der gegen Paraguay mit einem gehaltenen Foulelfmeter von Oscar Cardozo sogar den möglichen Rückstand verhindern musste. "Wir haben Glück gehabt. Wenn ich den Ball nicht abwehre, kann das Spiel ganz anders ausgehen." Ob die DFB-Elf spanische Aussetzer ähnlich ungestraft lässt, scheint fraglich. "Gegen Paraguay haben wir nicht gut gespielt", sagte Del Bosque. "Aber wir haben genug Qualität, um gegen jeden Gegner zu bestehen. Auch gegen Deutschland."
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