Schalke steckt im Abstiegskampf
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 18.10.2010 - 02:30Beim 2:2 gegen Stuttgart hat der Vizemeister sogar noch Glück, weil der Schiedsrichter einem Gäste-Tor die Anerkennung verweigert. Angst macht sich breit, dass der Klub so tief stürzt wie Berlin in der vergangenen Saison.
GELSENKIRCHEN November 2010. Der FC Schalke verliert in Wolfsburg. Fazit: Das Team spielt besser als in den Wochen zuvor, rutscht aber auf den vorletzten Platz ab.
Dezember 2010. Im Kellerderby zu Hause gegen Köln reicht es am letzten Spieltag der Hinrunde nur zu einer Nullnummer. Dennoch glaubt jeder: Irgendwann muss der Knoten doch einmal platzen.
März 2011. Trotz der Niederlage am 25. Spieltag in Stuttgart hält sich immer noch hartnäckig die Überzeugung: Diese Schalker Mannschaft kann doch nicht absteigen!
Mai 2011. Beim Saisonfinale in Köln reicht es wieder nicht zum Sieg. Jetzt ist der Abstieg des Revierklubs tatsächlich besiegelt.
Wie bei diesem Albtraum muss es für den FC Schalke nicht kommen – aber so ähnlich kann es dem Vizemeister ergehen, wird die Mannschaft von einem Sog in die Tiefe gerissen wie Hertha BSC in der vergangenen Saison, als die Berliner von einem Titelanwärter zum Absteiger mutierten. Die Dynamik des Misserfolgs. Zwar kletterten die Gelsenkirchener nun trotz des 2:2 im Kellerduell gegen den VfB Stuttgart am 1. FC Köln vorbei auf Rang 16, doch sie treten – sportlich – auf der Stelle. Die Befreiungsschläge lassen weiter auf sich warten.
Was wäre passiert, hätte Schiedsrichter Florian Meyer nach einem Hinweis seines Assistenten nicht einem regulären Tor der Gäste durch Cacau die Anerkennung verweigert? So hatten die Gastgeber, die zweimal in Rückstand gerieten, weil die Schwaben unter ihrem neuen Cheftrainer Jens Keller ("Ich habe sie heißgemacht") auch mit neuem Schwung agierten, sogar noch viel Glück. Christoph Metzelder versuchte erst gar nicht, die dramatische Situation zu beschönigen. "Stand heute stecken wir natürlich im Abstiegskampf", sagte der Abwehrchef und unterstrich in Anspielung auf den sportlichen Niedergang der Berliner: "Das zeigt, wie Mannschaften unter ihrer Qualität spielen und dann in einen Abwärtsstrudel geraten. Dann wird es Woche für Woche prekärer."
Felix Magath räumte ebenfalls ein: "Momentan spielen wir so wie jemand, der gegen den Abstieg kämpft." Beim Fernsehsender Sport1 verteidigte der Schalker Trainer und Manager erneut den radikalen personellen Umbruch, den er vorgenommen hat, und erklärte: "Wenn ich das Ziel habe, Meister zu werden, muss ich ein Risiko eingehen." Auf die Frage, ob er daran denke, bei einem weiteren Misserfolg aufzugeben, sagte er: "Ich bleibe bis zur Meisterschaft."
Manuel Neuer erlebt derzeit zwei total verschiedene Fußballwelten. Bei seinen letzten zehn Einsätzen in der Nationalelf, die Begegnungen bei der WM in Südafrika eingeschlossen, musste der Schalker Schlussmann insgesamt nur viermal hinter sich greifen. In den ersten acht Bundesligaspielen dieser Saison dagegen kassierte er statistisch jedes Mal zwei Treffer. Die Abwehr bleibt die größte Baustelle. Im Offensivspiel hakt es jedoch ebenfalls, zumal José Manuel Jurado in seinem Spiel neben starken Ansätzen auch immer noch sehr viele Schwächen hat und Superstar Raúl im Abschluss das Glück fehlt, um wie zu seinen Glanzzeiten bei Real Madrid ein erstklassiger Torjäger sein zu können. "Er hat wieder viel gearbeitet und war auch gefährlich", sagte Magath über die Leistung des Spaniers. "Schade, dass ihm kein Tor gelungen ist. Ich bin sicher, dass er wieder mehr trifft, wenn er mehr Sicherheit hat."
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