Mönchengladbach: Reus verlässt Borussia
VON ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 05.01.2012 - 02:30Mönchengladbach (RP). Der Angreifer hat sich entschieden – allerdings für einen Ortswechsel von Mönchengladbach nach Dortmund im Sommer. Seinem aktuellen Arbeitgeber beschert das eine Ablöse von 17,5 Millionen Euro. Roman Neustädter wechselt wohl nach Leverkusen.
Es ist kalt am Borussia-Park. Marco Reus spurtet vom Trainingsplatz, die Mütze tief ins Gesicht gezogen. "Alles ist gesagt", ruft der 22-Jährige. Die Stimmung ist frostig, vor allem bei den rund hundert Fans, die Borussias Stürmer erwarten. Reus, Gladbachs Hoffnung auf einen langfristigen Höhenflug, wird nach dieser Saison gehen. Er hat sich für Borussia Dortmund entschieden, erhält dort einen Vertrag bis 2017. Und Gladbach bekommt 17,5 Millionen Euro. Diese Summe war in der Ausstiegsklausel des bis 2015 datierten Vertrags festgelegt.
Zum Wechsel in seine Heimat hatte sich Reus nach eigenem Bekunden im Winterurlaub in Dubai entschlossen. "Dies ist keine Entscheidung gegen Gladbach", betonte der Nationalspieler, der auch vom FC Bayern München umworben wurde. "Ich möchte in der kommenden Saison den nächsten Schritt machen und bei einem Verein spielen, der um die Meisterschaft mitspielt und mir die Garantie gibt, in der Champions League zu spielen. Diese Chance gibt mir Dortmund."
Dabei hatte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl bis zuletzt alles dafür getan, sein Kronjuwel am Niederrhein behalten zu dürfen. Kurz vor Weihnachten erhielt Reus ein stark verbessertes Vertragsangebot bis 2016. "Dabei ist der Verein über seine Schmerzgrenze gegangen", sagte Eberl, dem Reus seine Wechselabsicht am Dienstag mitgeteilt hatte. "Aber er hat mir seine Gründe genannt – und ich kann die bei aller Enttäuschung nachvollziehen."
In Dortmund knallen derweil die Sektkorken. Zuerst verkündete der BVB, Superstar Mario Götze bis mindestens 2013 zu halten, nun kommt auch noch Marco Reus dazu. Es ist der zweitgrößte Transfer der Dortmunder Vereinsgeschichte – Marcio Amoroso hatte der Bundesligist im Sommer 2001 für 25 Millionen Euro vom AC Parma geholt. "Wir werden uns daran aber nicht verheben", betonte Geschäftsführer Joachim Watzke. "Man muss sich nur die Zahlen der vergangenen fünf Jahre anschauen – das wird solide finanziert. Marco ist ein Dortmunder Junge. Und wir holen ihn zurück an den Borsigplatz." Damit korrigiert Dortmund eine fünf Jahre alte, im Nachhinein sehr teure Fehleinschätzung. 2006 jagte Dortmund den Nachwuchsspieler nämlich noch vom Hof: zu klein, zu schmächtig. Über Ahlen und Mönchengladbach wurde der Flügelflitzer dann mit Verspätung zum "offensiven Wunschspieler" (Sportdirektor Michael Zorc).
Während Gladbachs Internetseite unter dem Ansturm der Fans zusammenbrach, ging eine andere Personalie fast unter: auch Roman Neustädter verlässt die Borussia. Der 23-Jährige verlängert seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag nicht und wechselt angeblich nach Leverkusen. Neustädter spricht von einer "neuen Herausforderung", ohne seinen künftigen Verein zu nennen, während Bayers sportliche Führungsetage noch eindeutig dementierte.
Borussia verliert ihren Star und einen Schlüsselspieler. Dementsprechend dünnhäutig reagierte Trainer Lucien Favre, einen Tag vor der Abreise der Mannschaft heute ins türkische Trainingslager auf Nachfragen. In einer Erklärung des Vereins hatte er zuvor betont, "kein Geheimnis aus meiner Enttäuschung" machen zu können: "Es wird schwer, vielleicht sogar unmöglich, die beiden zu ersetzen." Vor allem Neustädter, zuvor extrem wechselhaft in seinen Leistungen, war unter dem Schweizer Favre zum Leistungsträger bei den Gladbachern gereift. Dass er nun ablösefrei geht, ist schmerzhaft – zumal sich Borussia gute Chancen ausgerechnet hatte, den Vertrag verlängern zu können.
"Die beiden waren von Anfang an ehrlich zu mir", sagte Favre. "Das erlebt man im Profifußball selten." Und mehr als ein Schmerzensgeld sind die fast 18 Millionen, die Gladbach nun für den Reus-Transfer bekommt, allemal. Für Neustädter steht in Favres Wunschspieler Tolga Cigerci schon ein Nachfolger parat. Nun darf Eberl mit viel Geld auf die Suche nach einem neuen Marco Reus gehen.
Eine ambitionierte Aufgabe.
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