Berlin: Reus trifft nun auch auswärts
VON ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 07.11.2011 - 02:30Berlin (RP). Der Fußball--Nationalspieler erzielt beide Mönchengladbacher Tore beim 2:1-Sieg in Berlin. Und mit jedem Treffer spielt sich Borussias Juwel weiter in den Fokus zahlungskräftiger Konkurrenten.
Es gab ein paar Pfiffe. Und fast hätte sich Lucien Favre bei der Pressekonferenz nach dem Spiel auf den falschen Platz gesetzt – den des Heimtrainers. Doch mehr Brisanz war wahrlich nicht auszumachen bei der Rückkehr des Schweizers nach Berlin. Bei seinem ersten Auftritt im Olympiastadion, nachdem er gut zwei Jahre zuvor einen unrühmlichen Abgang bei Hertha BSC hatte. Daran, dass die Angelegenheit für Favre so entspannt wurde, hatte Marco Reus einen großen Anteil. Borussias Kronjuwel erzielte schon wieder einen Doppelpack und führte Gladbach zum 2:1-Sieg. "Marco ist ein Top-Spieler", sagte der Trainer nach der Partie über seinen Schützling. Und Reus entgegnete: "Es macht Spaß, unter Favre zu arbeiten."
Dabei hatte Favres ehemaliger Assistent in Berlin, Harald Gämperle, vor dem Spiel in einem Interview behauptet, Hertha wäre sich mit Reus 2009 fast einig gewesen, aber Favre habe ihn nicht gewollt. Deshalb würde der 22-Jährige heute in Gladbach spielen. Und nicht in Berlin. Wie so oft liegt die Wahrheit in der Mitte: Hertha hatte zu diesem Zeitpunkt einfach nicht die Mittel, um eine Million Euro in eine Perspektiv-Verpflichtung zu stecken. Borussias Manager Max Eberl verfügte über die Rücklagen. Der Rest der Geschichte ist nach über zwei Jahren, 77 Bundesligaspielen und 25 Toren bekannt.
Dabei war der Nationalspieler in Berlin über 90 Minuten gar nicht so dominant wie zuletzt. Wie die gesamte Mannschaft brauchte auch Reus rund eine halbe Stunde, um Fahrt aufzunehmen. Borussia hatte sich von offensiv ausgerichteten Berlinern überraschen lassen. " Wir haben uns zu oft zurückgezogen", befand Reus. Die Folge: Das frühe 0:1 durch Raffael.
Borussia wankte. "Wenn wir jetzt das zweite Tor gekriegt hätten", sagte Trainer Favre, "dann wären wir tot." Doch Reus, dem noch vor ein paar Wochen mangelhafte Chancenverwertung vorgeworfen wurde, nutzte die erstbeste Gelegenheit zum Ausgleich. Von Patrick Herrmann in den Strafraum geschickt, legte der Stürmer den Ball gefühlvoll an Hertha-Keeper Thomas Kraft vorbei. "Ich habe nicht zum Torwart geschaut", sagte Reus. "Aber ich wusste, dass er in der kurzen Ecke steht." Intuition.
Dass er kurz danach von Maik Franz rüde umgetreten wurde, zeigt auch seinen Status: Die Gegner haben Angst vor ihm. "Der Franz soll ja eigentlich ganz cool sein", erklärte Marco Reus nur. "Aber auf dem Platz schaltet er irgendwie ab. Ich hoffe, dass ich jetzt nicht zum Freiwild werde." Franz sagte nur, er müsse sich "das Spiel und die Szene noch einmal angucken".
Was er gesehen haben dürfte, war eine Borussia, die nach dem Seitenwechsel eindrucksvoll demonstrierte, warum sie aktuell im oberen Tabellenviertel steht. Gladbach übernahm die Initiative, setzte Berlin unter Druck. Und Reus erzielte das 2:1, als er den Ball nach einem Abpraller von Juan Arango mit einem Volleyschuss ins obere linke Toreck hämmerte. Saisontreffer Nummer sieben für den 22-Jährigen. Favre wird es mit gemischten Gefühlen beobachtet haben: Mit jedem Tor spielt sich sein Juwel weiter in den Fokus der betuchteren Konkurrenz. Auch wenn schon wild über seinen Abgang spekuliert wird – Favre macht sich keine Sorgen. "Marco", so sagte er entschlossen, "wird auch in Zukunft noch Spieler bei uns sein."
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