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Reus-Millionen schaffen Zuversicht

VON ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 06.01.2012 - 02:30

17,5 Millionen Euro wird Borussia Mönchengladbach durch den Wechsel des besten Spielers zu Borussia Dortmund im Sommer einnehmen. Sportdirektor Eberl will das Geld in einen starken Ersatzmann für den Angreifer investieren.

Belek Max Eberl musste, wie er selbst sagte, "erst einmal ein paar Schritte gehen". Er brauchte einen Beweis, dass sich die Welt noch dreht. Denn nach allem, was am Mittwoch auf Borussia Mönchengladbach einprasselte, hätte man, so der Sportdirektor, "leicht den Eindruck haben können, dass sie stehengeblieben ist". Die Nachricht, dass Marco Reus im kommenden Sommer den Klub in Richtung Dortmund verlassen wird, hat in Mönchengladbach für ein mittelschweres Beben gesorgt. Und weil ein zweiter Eckpfeiler der Mannschaft, Roman Neustädter, ebenfalls geht, wird schon das Schlimmste befürchtet.

Die Entwarnung vorweg: Weitere hochkarätige Abgänge sind in naher Zukunft nicht zu erwarten. Dennoch sorgte die Erkenntnis, dass die Gladbacher Überraschungsmannschaft zwar sportlich zum Spitzenfeld der Bundesliga gehört, man finanziell jedoch noch in einer ganz anderen Liga spielt, im euphorisierten Umfeld des Klubs für eine recht unsanfte Erdung. Sportdirektor Eberl konnte sich letztlich strecken, so viel er wollte – gegen die finanzkräftigeren Tabellennachbarn hatte er im Ringen um seine Schützlinge keine Chance. "Wir sind nicht der erste Verein, dem das passiert", sagt Eberl. "Und wir werden auch nicht der letzte sein."

Von Resignation jedoch kaum eine Spur. Im Gegenteil. "Für uns ist das doch eine Riesenchance", betont der ehemalige Profi. Eberl spricht es zwar nicht offen aus – doch insgeheim ist klar, was er meint. 18 Millionen Euro verdient der Verein allein durch den Reus-Transfer. Hinzu kommen deutlich gestiegene Einnahmen im Fernseh- und Zuschauerbereich. Im DFB-Pokal steht Gladbach im Viertelfinale (bei Hertha BSC Berlin). Der Vorsprung auf einen Tabellenplatz, der nicht zur Teilnahme an der halbwegs lukrativen Europa League berechtigt, beträgt komfortable zehn Punkte.

Zusammengerechnet sind das mindestens 25 Millionen, die der Verein in dieser Spielzeit außerplanmäßig einnehmen wird. Viel Geld, um den Kader grundlegend zu stärken. Doch um einen Alleinunterhalter wie Reus zu ersetzen, reicht es nicht mehr, Perspektivspieler wie Tolga Cigerci oder Alexander Ring, der gestern Abend noch ins Trainingslager nachreiste, zu verpflichten. Gladbach braucht einen neuen Star. Mindestens.

Gerade in diesem Bereich hatte der Sportdirektor nicht immer ein glückliches Händchen. Juan Arango kostete über drei Millionen und hat sich erst mit anderthalbjähriger Verspätung zum Leistungsträger gemausert. Andere teure Verpflichtungen wie Raul Bobadilla oder Igor de Camargo bringen zu selten das, was von ihnen erhofft wurde – aus verschiedensten Gründen.

Ungewiss ist auch, wie die Mannschaft mit der neuen Situation umgeht. Kann das Team alle äußeren Einflüsse abschütteln und weiter so auftrumpfen wie in der Hinrunde? Oder bricht die Mannschaft – oder Teile – nun auseinander? Hier ist Lucien Favre gefragt. Der Cheftrainer hat schon in einer weitaus kritischeren Phase bewiesen, das Team zu einer verschworenen Einheit zusammenschweißen zu können.

Doch es geht jetzt nicht mehr ums nackte sportliche Überleben. Es gilt nun, Borussia dauerhaft als Spitzenmannschaft zu etablieren.

Quelle: RP


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