Mönchengladbach: Reus ist Gladbachs Überflieger
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 31.10.2011 - 02:30Mönchengladbach (RP). Der Nationalspieler erzielt beide Tore beim 2:1-Erfolg der Borussia über Hannover 96. Damit nährt er Spekulationen über das Interesse des FC Bayern München. Sein Arbeitgeber will davon nichts wissen.
Nein, Marco Reus wollte nicht der alleinverantwortliche Held sein. "Das war Mönchengladbach gegen Hannover", sagte der 22-Jährige trotzig, als er gefragt wurde, ob das Bundesligaspiel zwischen den Borussen und den Niedersachsen auf "Reus gegen Hannover" zu reduzieren sei. Sicherlich: Reus bekommt Unterstützung von seinen Kollegen, siehe beim 2:1 die Vorlagen von Mike Hanke und Juan Arango. Doch scheint es zuweilen, als sei der Überflieger im Team Gladbachs Lebensversicherung für alles.
Im Abstiegskampf der vergangenen Saison führten seine Tore zur sensationellen Rettung. Nun war es Reus, der den Sieg per Doppelpack möglich machte. Womit er nebenbei die These, er habe ein Problem vor dem Tor, entkräftet hat. Fünf Saisontore hat Reus nun beisammen, und hätte er in den Spielen zuvor mit eben jener Konsequenz wie gegen Hannover vor dem Tor gearbeitet, hätten es leicht doppelt so viele sein können.
Lucien Favre, Borussias Trainer, setzt stets ein Genießer-Lächeln auf, wenn er über Reus spricht. "Er spielt unglaublich gut", hat der Schweizer schon oft festgestellt. Nun, nach getaner Arbeit – und es war wirklich harte Arbeit gegen Hannover – herzte er Reus besonders innig, fast so als wolle er seinen Musterschüler festhalten. Denn einer wie Reus "ist für viele Vereine interessant", weiß Sportdirektor Max Eberl. Dass dem FC Bayern trotz eines Dementi ein recht offensives Werben um den größten Star der Borussen nachgesagt werden darf, ärgert Eberl. "Die Bayern wollen 2012 in München im Champions-League-Finale stehen, da sollten sie sich nicht auf Spieler konzentrieren, die ihnen dabei nicht helfen können", sagte er.
Vergangene Saison hat er den Vertrag von Reus bis 2015 verlängert, im neuen Kontrakt soll eine fixe Ablöseregelung installiert sein: 2012 soll Reus 18 Millionen Euro kosten. Es ist zu vermuten, dass es im nächsten Sommer einige Bieter geben wird, die sich davon nicht abschrecken lassen. Vergangene Saison waren Meister Dortmund und ausländische Top-Vereine wie Arsenal London in der Verlosung. Und nun sind es die Bayern. Max Eberl würde das Thema Reus und dessen Zukunft gern abhaken. Doch das wird schwerlich gelingen. Mit jedem Tor und jeder guten Leistung wird das Interesse an dem Geschwindigkeitsfußballer wachsen. Dass er Borussia irgendwann verlassen wird, darf angenommen werden. Die Frage ist: Wann? "Ich hoffe, er spielt noch lange für uns", sagte Favre und erklärte danach die Debatte um Reus von seiner Seite für beendet: "Wir reden nicht mehr über Marco Reus. Marco ist ein Teil der Mannschaft. Punkt."
Reus selbst fühlt sich geschmeichelt, will sich aber auf Borussia und deren Fortkommen konzentrieren. Das Gladbacher Team ist noch in der Mache, hat aber im Jahr 2011 bislang beachtlich gepunktet: 26 Punkte gab es in der Rückrunde der abgelaufenen Saison, nun sind es 20 nach elf Partien. "Das ist solide, aber auch ein Wunder", sagte Favre und verwies darauf, dass "es dasselbe Team ist, das letzte Saison 16. wurde". Aktuell sind die Borussen Fünfter und gehören zu den positiven Erscheinungen der Saison.
Dass Favre gleichwohl noch viel Arbeit hat, um das gesamte Potenzial aus dem Team herauszufiltern, das weiß er. Das gilt sogar für Marco Reus. "Er hat mit rechts getroffen und mit links. Das freut mich. Aber er macht keine Tore mit dem Kopf. Daran müssen wir arbeiten", sagte Favre – mit einem Grinsen.
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