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  Gast

Bochum: Reus hält Gladbach in der 1. Liga

VON KARSTEN KELLERMANN UND ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 26.05.2011 - 02:30

Bochum (RP). Der Offensivspieler gleicht die Bochumer Führung im Relegations-Rückspiel zum 1:1-Endstand aus und sorgt dafür, dass die Borussia ein weiteres Jahr in der Bundesliga planen darf. Der Gast tat sich lange sehr schwer gegen kämpferisch überzeugende Gastgeber.

Als alles vorbei war, gab es kein Halten mehr. Borussias Fans brüllten sich die Freude aus dem Leib, und der Mann des Abends verschwand unter einem Menschenhaufen: Marco Reus ist seit gestern Abend der Held der jüngsten Gladbacher Vereinsgeschichte. Mit seinem Tor zum 1:1 im zweiten Relegationsspiel beim VfL Bochum machte er die Rettung perfekt. Dabei war er gerade noch rechtzeitig zum Spiel fit geworden. Sein von den Fans besonders gefeierter Trainer Lucien Favre konnte seine Wunschelf aufbieten, die nach Anlaufschwierigkeiten im ersten Durchgang das Spiel bei zunehmender Dauer immer besser in den Griff bekam. "Es war wichtig, Spieler zu haben, die schnell verstanden, was ich wollte", betonte der Schweizer.

Sein Sportdirektor war erleichtert. "Wir haben etwas Großes geschafft nach dem Verlauf der Saison", sagte Sportdirektor Max Eberl. Und Bochums Trainer Friedhelm Funkel blieb der faire Mann, als der er bekannt ist. "Wir waren auf Augenhöhe, aber es kann nur eine Mannschaft gewinnen", erklärte der gebürtige Neusser, "ich gratuliere Mönchengladbach."

Zunächst war es der VfL Bochum, der die Initiative ergriff. In der dritten Minuten hatten die Freunde des Zweitligadritten den Torschrei auf den Lippen, doch der Kopfball von Marcel Maltritz klatschte an die Querlatte. Bochum zeigte, dass der Wille groß war, das 0:1 aus dem Hinspiel flott wettzumachen.

Das Team von Friedhelm Funkel brachte ein, was es hat: Energie und Kampfkraft – und erarbeitete sich damit Vorteile. Borussia wirkte beeindruckt, kam zunächst kaum zu einem ordentlichen Spielaufbau. Favre missfiel das, er gestikulierte an der Außenlinie.

Dann bebte das Stadion an der Castroper Straße. Und das, weil ein Borusse traf – ins eigene Tor. Christoph Dabrowski flankte und Havard Nordtveit stolperte den Ball zum 1:0 über die Linie. Die Nervenschlacht hatte nun eine ganz neue Qualität, beide Teams waren nur noch ein Gegentor vom Ende der Hoffnung entfernt. Die Gastgeber gingen die Geschichte nicht eben zimperlich an, vor allem Marco Reus bekam das zu spüren. Den beeindruckte das aber nicht.

Das zweite Endspiel wurde das Kampfspiel, das Bochum wollte. Dann hatte Borussia Pech, als ein Kopfball des fleißigen Mo Idrissou an die Latte flog. Es war nach 41 Minuten die erste echte Torgelegenheit der Borussen. Wochenlang waren die Gladbacher auf den Punkt da in ihren Endspielen. Nun, da es um alles ging, fehlte lange der Zugriff auf das Spiel. Auch, weil Funkels Team vieles richtig machte. Es ließ die individuellen Qualitäten des Gegners erst spät zur Entfaltung kommen. Nur mühsam rackerten sich Borussia ins Spiel. Bochums Fans reagierten ungehalten, als sie spürten, dass die Gäste aktiver wurden: Als Marco Reus eine Ecke ausführen wollte, flogen Bierbecher. Lucien Favre schaute mit besorgter Miene zu, brachte dann seinen Torschützen des Hinspiels, Igor de Camargo. Das schien seine Kollegen zu inspirieren, auch weil Bochum die Kräfte schwanden. Matthias Ostrolek klärte de Camargos Kopfball noch auf der Linie, dann aber legte er den Ball entscheidend vor: Marco Reus schoss das 1:1 – in der 72. Minute war alles vorher vergessen. Reus, der schmächtige Kerl mit der großen Geschwindigkeit, machte perfekt, was sich die zuvor von vielen schon abgeschriebenen Borussen erarbeitet haben: den Verbleib in der Bundesliga.

Quelle: RP


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