Mönchengladbach: Reus fehlt noch die Stammplatzreife für Bayern
VON ROBERT PETERS - zuletzt aktualisiert: 01.11.2011 - 02:30Mönchengladbach (RP). Borussia Mönchengladbach hat das Thema mit Nachdruck von der Tagesordnung genommen. "Wir reden nicht mehr über Marco Reus. Punkt", sagte Trainer Lucien Favre. Die Spekulationen um einen Wechsel seines besten Spielers zu Bayern München beendet der Schweizer mit diesem Machtwort natürlich nicht. Je lauter die Dementis aus München tönen, desto sicherer ist das Interesse des Rekordmeisters am Jung-Nationalspieler aus dem Westen. Für eine festgeschriebene Ablösesumme von 18 Millionen Euro könnte er im Sommer gehen.
Aber was erwartet ihn in München? Reus (22) hat in Mönchengladbach nachgewiesen, dass er jede der offensiven Rollen spielen kann und seine Stärken am besten im vorderen Mittelfeld zum Tragen bringt. Seine Konkurrenten bei den Bayern wären folglich die Kollegen auf den drei offensiven Mittelfeld-Positionen. Schon jetzt sind das vier Jungs, die sich um die drei Plätze balgen: der Dauerpatient Arjen Robben, den seine Verletzungsanfälligkeit zurzeit aus dem Stammplatzstreit befördert, Thomas Müller, Toni Kroos und Franck Ribéry. Selbst wenn der holländische Weltstar Robben fit ist und Kroos aus dem offensiven Trio dafür eine Station nach hinten neben Bastian Schweinsteiger wandern würde, scheint es keine freie Stelle für Reus zu geben. Er hat sich zwar längst zu einem hochklassigen Spieler entwickelt, für den sich auch mal der britische Topklub Arsenal London begeistert haben soll, aber Müller, Robben und Ribéry treten in einer anderen Liga an. Für Reus bliebe beim Rekordmeister nur die Rolle der Zweitbesetzung für die Stammkräfte, wenn er keine Umschulung zum rechten Verteidiger einplant.
Auch deshalb erklärte der ehemalige Mönchengladbacher Meisterspieler Günter Netzer: "Dass die Bayern ihn haben wollen, ist normal. Aber Reus ist noch in der Phase der Weiterentwicklung. Er ist in Gladbach besser aufgehoben."
Aufmerksame Fußball-Historiker warnen Reus vor dem Schicksal, das einst den Mönchengladbacher Stürmer Karl Del'Haye ereilte. Die Bayern kauften ihn 1980 dem Konkurrenten Gladbach für die damalige Rekordsumme von 1,3 Millionen Mark ab, schickten ihn allerdings in fünf Jahren meist nur von der Ersatzbank ins Bundesliga-Rennen. Dadurch endete Del'Hayes hoffnungsfrohe Karriere als Nationalspieler, ehe sie so recht begonnen hatte. Große Talente wie Alexander Baumjohann, Jan Schlaudraff und Marcell Jansen kamen durch ihre Gastspiele bei den Bayern zumindest vorübergehend schwer aus dem Tritt.
Reus wird also sehr genau überlegen müssen, ob er den Schritt aus der behüteten Provinz in die Fußball-Weltstadt wagen soll. Geld allein macht schließlich auch nicht glücklich.
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