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Raubüberfall sorgt für neue Sicherheits-Debatte

VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 10.06.2010 - 02:30

PRETORIA Für eine Reihe deutscher Journalisten ist eines der großen Hotels in Pretoria bis zu fünf Wochen lang das Zuhause, eine halbe Stunde Autofahrt entfernt vom Velmore Grande, dem WM-Quartier der Mannschaft. Der Sicherheitsdienst des Hauses ist sehr präsent. Er überwacht die beiden Eingangsbereiche, damit keine Unbefugten das Foyer betreten. Anders als etwa an der weltbekannten Kapstädter Waterfront sind die Straßen rund um das Hotel kein Areal, in dem man am Abend unbeschwert bummeln könnte. Wenn es dunkel wird, und das wird es ziemlich früh im Winter, bereits gegen 18 Uhr, sollte man die Straßen am Hotel vorsichtshalber meiden. Vor allem, wenn man einmal allein ist. Denn Dunkelheit bedeutet Unsicherheit.

In der Nacht zu gestern haben mehrere Bewaffnete ein Hotel 120 Kilometer von Johannesburg entfernt überfallen, in dem vorwiegend portugiesische Journalisten untergebracht sind. Ein Fotograf soll eine halbe Stunde lang mit einer Pistole bedroht worden sein. Portugiesischen und spanischen Medien zufolge entwendeten die Täter Bargeld, Arbeitsausrüstung und Koffer. Die Täter flohen, bevor 40 Polizisten anrückten.

Das Thema Sicherheit ist allgegenwärtig in diesem Land, das von hoher Kriminalität gezeichnet ist. Natürlich muss man unterscheiden: Wer Südafrika als Tourist besucht, und das sind mehr als acht Millionen Menschen im Jahr, unter ihnen rund 220 000 Deutsche, kann dies, wenn er ein wenig Vorsicht walten lässt, ohne ein mulmiges Gefühl tun, vor allem, wenn er eine seriös geführte Gruppenreise gebucht hat. In Städten wie Pretoria, Johannesburg und Durban, auch in der City von Kapstadt ist freilich Vorsicht geboten, insbesondere nach Anbruch der Dunkelheit.

Viele Journalisten haben sich darauf eingestellt, dass sie das Hotel und die angrenzende Shopping Mall, ihre kleine Welt in Südafrika, lediglich zu Fahrten mit dem Kleinbus verlassen und meist zur täglichen Pressekonferenz neben dem Mannschaftshotel. Man darf sich ja damit trösten, dass auch die Spieler der DFB-Auswahl auf spontane Freizeitaktivitäten auf eigene Faust verzichten müssen. Das Autokennzeichen GP für die dichtbevölkerte Provinz Gauteng, in der Pretoria und Johannesburg liegen, wird nicht von ungefähr auch als "Gangsters Paradise" umgedeutet.

Im Jahr 2007 gab es in Südafrika im Schnitt 50 Morde am Tag, hunderte Vergewaltigungen, tausende Einbrüche, Überfälle, Diebstähle. Im vergangenen Jahr sollen 600 Menschen von der Polizei erschossen worden sein. Vor diesem Hintergrund verbieten sich riskante Touren. Fahrten mit dem Mietwagen sollten gut geplant sein und nicht nachts stattfinden. Man sollte gefahrenträchtige und unbekannte Gegenden meiden, keine spontane Townshiptouren starten und natürlich keine wertvollen Gegenstände sichtbar ins Auto legen. Außerdem ist man gut beraten, wachsam zu sein an einer roten Ampel, in den Rückspiegel nach verdächtigen Personen zu schauen. Fährt man an eine Kreuzung, sollte man einen Abstand von fünf Metern zum Auto davor halten, damit man im Fall des Überfalles rasch wegfahren kann.

Auch an den Linksverkehr muss man sich gewöhnen. Im Vergleich zu Deutschland hat Südafrika zwar nur 20 Prozent Fahrzeuge, in krassem Kontrast dazu aber das Fünffache von Verkehrstoten – jedes Jahr bis etwa 15 000. In der Bundesrepublik gibt es weniger als ein Drittel Tote. Ursachen für die zahlreichen schweren Unfälle sind oft Drogen und Alkohol, teils schlechte Straßenverhältnisse, viele nicht verkehrstüchtige Fahrzeuge und ein kulturell anderes Verhältnis der Bevölkerung zu Lebensrisiken.

Quelle: Rheinische Post

 
 
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