Berlin: Polizei will Gewalttäter von EM fernhalten
VON GREGOR MAYNTZ - zuletzt aktualisiert: 08.02.2012 - 02:30Berlin (RP). Die Polizei spricht von einer "besorgniserregenden Entwicklung": Inzwischen halten 14 900 gewaltbereite "Problemfans" die Ordnungshüter in den Städten der Ersten und Zweiten Fußball-Liga in Atem, die Zahl der Verletzten hat sich im Zwölf-Jahres-Vergleich auf zuletzt 846 mehr als verdoppelt. Jetzt haben speziell geschulte Polizisten mit den Vorbereitungen begonnen, die gefährlichsten Gewalttäter wenigstens von der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine fernzuhalten.
Dass die Gewalt im Fußball immer mehr Verletzte fordert, führt Polizeioberrätin Katja Kruse auf eine "zunehmende Solidarisierung der Gruppen" zurück. Wenn Steine, Flaschen oder Feuerwerkskörper geworfen würden und die Polizei einzelne Tatverdächtige daraufhin herausgreifen wolle, umringe die Gruppe die betroffenen Personen und reagiere aggressiv auf die Festnahmeabsicht, berichtet Kruse. Sie ist Vizechefin der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) in Neuss und koordiniert Informationen wie Vorgehen der Polizei bundesweit, ebenfalls die internationale Absprache.
Bereits im Dezember haben die Polizeibehörden damit begonnen, diejenigen Fans zu identifizieren, die bei der EM Krawall im Sinn haben könnten. Bei jedem "Fan", dessen Reiseabsicht klar wird und der in der Vergangenheit schon einschlägig aufgefallen ist, wird die Polizei in den nächsten Wochen an der Haustür klingeln. "Gefährderansprache" heißt das.
Gewinnen die Experten den Eindruck, dass weder die persönliche noch eine zusätzliche schriftliche Ermahnung die gewünschte Wirkung zeigt, kommen sogenannte "Meldeauflagen" ins Spiel. Bei Verstößen drohen Geldstrafen zwischen 500 und 1000 Euro. Außerdem landet der Name in einer Datei, damit der potenzielle Randalierer an der Grenze bei stichprobenartigen Routinekontrollen herausgefiltert und an der Ausreise gehindert werden kann.
Pro Spiel können es 50 oder auch 500 gewaltbereite Fans sein, "um die wir uns kümmern müssen", weiß die Polizistin aus der Vergangenheit. Bei der letzten EM wurden jedenfalls 195 Meldeauflagen ausgesprochen und 170 Ausreiseverbote erwirkt. Hunderten von Hooligans drohen also auch dieses Mal faktische EM-Verbote. Außerdem führt Kruse ein SKB-Team mit "szenekundigen Beamten", die überall dort auftauchen, wo es Schwierigkeiten geben könnte.
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