Podolski fällt wochenlang aus
VON MARTIN BEILS - zuletzt aktualisiert: 30.01.2012 - 02:30Beim Spiel, das der 1. FC Köln mit 1:4 gegen Schalke verlor, brach die Verletzung auf, die sich der Nationalspieler beim Freizeitkick zugezogen hatte. Er bekommt einen Gips. Der Klub steckt wieder in der Abstiegszone.
Köln Gestern Mittag verbreitete der 1. FC Köln die schlechte Kunde – man kann fast von einer Katastrophenmeldung sprechen: Lukas Podolski steht seinem Verein im wegweisenden Spiel am Samstag in Kaiserslautern und in zwei bis drei weiteren Bundesligapartien nicht zur Verfügung.
Eine Kernspintomographie hatte gezeigt, dass die alte Verletzung von Podolski, ein Teilanriss des Haltebands im linken Fuß, wieder aufgebrochen war. Der Fuß, mit dem er einen wuchtigen Distanzschuss losgelassen und seinen Verein beim 1:4 gegen den FC Schalke 04 in Führung gebracht hatte, muss ruhiggestellt werden. Der Besuch des siebenmaligen Formel-1-Weltmeisters Michael Schumacher bei "Poldi" in der FC-Kabine heiterte die Stimmung nicht auf.
Die verhängnisvolle Verletzung hatte sich Podolski während der Weihnachtsferien beim Hallenfußball mit Freunden zugezogen. Während des Trainingslagers in Portugal konnte er deshalb kaum mitmachen. Der Verein hatte ihn für das leichtsinnige Verhalten im Urlaub nicht zur Rechenschaft gezogen. Wegen der ungeklärten Zukunft des Angreifers – die Kölner würden seinen 2013 auslaufenden Vertrag gern verlängern – fasst die Geschäftsführung Podolski wohl mit Samthandschuhen an.
Nur eins der jüngsten acht Spiele hat der FC gewonnen. Nach dem 0:1 in Wolfsburg und dem 1:4 gegen Schalke zum Rückrundenstart kommen schwere Zeiten auf den Verein zu. Jetzt fällt der mit Abstand beste Spieler aus, der 15 der 28 Kölner Treffer erzielte und weitere fünf vorbereitete. Auch gegen Schalke war Podolski auffälligster und effektivster Mann in seinem Team. Sein einziges Manko: Er ließ die große Chance zum 2:0 aus, als er aus zehn Metern über das Schalker Tor schoss. Hätte er getroffen, wären die Schalker womöglich nicht in die Partie zurückgekommen. "Dann hätten wir gewonnen, denke ich", sagte Podolski. Doch nach einer ansehnlichen Stunde brachen die Kölner zusammen. Wie so oft.
Michael Rensing sprach nach vier Gegentreffern in 23 Minuten vom "typischen FC-Köln-Syndrom". "Wir brechen total auseinander", sagte der Torhüter, der häufig deutliche Worte findet: "Heute explodiere ich nicht, heute implodiere ich." Darauf angesprochen, ob der Verein bis zum Ende der Transferperiode morgen nicht besser nach Verstärkungen für die Defensive anstatt für den Angriff suchen soll, sagte er vielsagend: "Kein Kommentar." Angesichts von Podolskis Ausfall besteht aber großer Handlungsbedarf im Offensivbereich. Es heißt, der Portugiese Eder komme.
Rensing tat gut daran, sich nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Er hielt zwar, was zu halten war, doch seine Passquote fiel bemerkenswert schlecht aus: Lediglich acht Bälle erreichten den Mitspieler, zehn verbuchten die Statistiker als Fehlpässe. Die ersten Spiele in diesem Kalenderjahr bestätigten den Torhüter: "Ich hatte ja gesagt, dass es trotz der 21 Punkte eine harte Rückrunde für uns werden wird." Wenn es schlecht läuft, rutschen die Kölner am kommenden Wochenende auf dem Betzenberg auf den Relegationsplatz. "Das Heimspiel gegen Lautern war ja ein Endspiel für mich", erinnerte der damals scharf kritisierte Trainer Stale Solbakken. Viel komfortabler ist die Lage für den Norweger jetzt nicht.
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