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Mönchengladbach: "Otto" Kleff wird heute 65

VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 16.11.2011 - 02:30

Mönchengladbach (RP). Mit Borussia Mönchengladbach gewann der Fußball-Torhüter fünf Meistertitel, den Uefa-Cup und den DFB-Pokal. Verblüffend ist die Ähnlichkeit mit Komiker Waalkes. Er spielte auch in dem Kinofilm "Otto – der Film".

Es gibt diesen Witz, der irgendwie typisch ist für einen wie Wolfgang Kleff. Der geht so: Sepp Maier hat seinen Hund abgeschafft, weil er immer, wenn er fragte, wer der beste Torwart im Lande sei, kläff, kläff machte. Wolfgang Kleff schmunzelt. Hunderte Mal hat er diesen Gag schon gehört oder erzählt. Schade für ihn war jedoch, dass Bundestrainer Helmut Schön, als Kleff einer der besten Torleute Deutschlands war, Sepp Maier besser fand als ihn. "Es war eben so. Ich hatte mehr Talent, er die bessere Lobby. Nein, Sepp Maier war richtig gut. Das habe ich immer akzeptiert", sagt Kleff. Heute wird er 65 Jahre alt.

Trotzdem fühlt er sich als Weltmeister 1974, auch wenn er nur stimmgewaltig mitgemacht hat, als das deutsche Team die WM-Hymne "Fußball ist unser Leben" einspielte. Wieder typisch Kleff. "Humor ist mein Lebenselixier", sagt der gebürtige Westfale. Weswegen es auch passt, dass er wegen seiner Ähnlichkeit zum Blödelbarden Otto Waalkes "Otto" gerufen wird. "Das ist ein Kompliment. Otto ist zugleich witzig und intelligent", sagt Kleff. 1985 spielte er sogar im Kinofilm "Otto – der Film" mit.

Kleff hat seinen Humor auch nicht verloren, als er fast gestorben wäre. Das war 2009. Erst hatte er einen Schlaganfall, dann machte das Herz schlapp. "Ich hatte schon während meiner Karriere immer wieder Herzrhythmusstörungen. Aber plötzlich wurde es immer schlimmer", erinnert sich Kleff. Vier Tage Intensivstation, eine Herzoperation – dann ging es aufwärts. "Ich habe mir gesagt: Der liebe Gott will dich noch nicht. Seither genieße ich jeden Tag", sagt Kleff.

Was ihn anwidert, ist Neid. Darum war er auch nie neidisch auf das, was andere erreicht haben, nicht bei Sepp Maier, und auch nicht bei anderen. Kleff freut sich über das, was er geschafft hat. Als Knirps hat er in seiner Heimatstadt Schwerte ab und an den Bus der Dortmunder Borussen vorbeifahren sehen. "Da will ich auch mal mitfahren", dachte er. Jahre später saß Kleff tatsächlich im Borussen-Bus – aber in dem der Mönchengladbacher Borussia.

321 Spiele machte er für den Klub, fünfmal wurde er Meister mit Gladbach, gewann den Uefa-Cup und den DFB-Pokal. Das war 1973, und dieses grandiose Finale zwischen Borussia und dem 1. FC Köln im Düsseldorfer Rheinstadion (2:1 nach Verlängerung) war eines der besten Spiele, die Kleff je machte. "Ja, da habe ich toll gehalten. Aber kein bestes Spiel für Borussias war das in Everton im Europapokal. Das 0:1 war ein blödes Tor, danach war es sensationell", erzählt Kleff. Dass Borussia im Elfmeterschießen scheiterte, ist zu einem Teil des Mythos Borussia geworden.

Ein anderer, wesentlicher Teil dieses Mythos ist das Dosenwurfspiel gegen Inter Mailand, das sich 1971 ereignete. Kleff hatte wenig zu tun nach dem Ausgleich der Italiener und staunte zusammen mit den Zuschauern im Bökelbergstadion über das unfassbare 7:1 der Borussen. "Dann fiel der Boninsegna um, als hätte ihn der Blitz getroffen. Dass es eine Dose war, habe ich gar nicht mitgekriegt", erzählt Kleff. Das Spiel wurde annulliert, Borussia schied aus. "Es war unsere größte Niederlage", sagt Kleff.

Vom 19. April 1969 bis zum 12. Juni 1976 stand Wolfgang Kleff in 244 Spielen ununterbrochen im Gladbacher Tor. Durch eine Verletzung verlor er seinen Stammplatz an Wolfgang Kneib. Als er in Mönchengladbach keine Perspektive mehr sah, ging er zu Hertha BSC Berlin. Später spielte er unter anderem noch in Bochum, Düsseldorf, kam aber auch noch mal zurück nach Gladbach. Mit 61 Jahren half er für 35 Minuten beim Landesligisten Rheinbach aus.

"Der Fußball ist mein Leben geblieben. Er hat mir Erlebnisse und Erfahrungen geschenkt, die mir keiner nehmen kann", sagt Kleff. Dass jenseits des Fußballs nicht immer alles glatt gelaufen ist, "weiß ich". Doch mit Humor und Optimismus hat Wolfgang Kleff sein Leben gemeistert. "Ich lebe noch", sagt er.

Quelle: RP


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