Mönchengladbach: Mönchengladbach bangt um Reus
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 28.11.2011 - 02:30Mönchengladbach (RP). Der in den vergangenen Wochen überragende Spieler der Borussia hat sich beim 3:0-Erfolg im Derby den kleinen Zeh des linken Fußes gebrochen. Bayerns Präsident Hoeneß glaubt, "dass Gladbach so eine Überraschungsmannschaft sein könnte wie Wolfsburg vor zwei Jahren".
Zumindest einmal hat Mike Hanke an diesem für Borussia Mönchengladbach so herrlichen Abend verloren. Gegen Marco Reus, den eigenen Kollegen. Es gab einen Freistoß an der Strafraumgrenze, beide wollten schießen. "Da haben wir Schnick-Schnack-Schnuck gespielt", erzählten sie. Reus gewann und setzte den Ball in die Mauer. Es stand schon 3:0. Viele Kölner Fans hatten das Stadion verlassen. Hanke hatte zweimal getroffen. 1036 Minuten musste Hanke warten auf ein Tor, nun schoss er zwei im Derby. Zwischenzeitlich hatte Juan Arango einen Freistoß ins Tor gestreichelt.
Borussia erteilte dem Erzrivalen eine Lektion, sie dominierte die Partie nach Belieben. Es war eine Demonstration der neuen Macht am Rhein. "Gladbach ist momentan vielleicht die beste Mannschaft der Liga", sagte Stale Solbakken, Kölns Trainer. Die Statistik belegt die These: Vier Siege in Folge, zuletzt 8:0 Tore gegen Bremen und Köln, Platz drei mit 29 Punkten. "Ich habe das Gefühl, dass Borussia sich sehr stabilisiert hat. Das könnte eine Überraschungsmannschaft sein. Lucien Favre und Max Eberl machen einen sehr guten Job", sagte Bayern-Präsident Uli Hoeneß und räumt den Borussen damit den Status eines Vielleicht-Bayern-Jägers ein.
Doch der Derby-Sieg wurde getrübt. Denn sie müssen um Marco Reus bangen. Fast 80 Minuten spielte der Star mit gebrochenem Zeh, nachdem die Kölner in den ersten Minuten offenbar die Taktik hatten, Reus aus dem Spiel zu treten. Der Zeh ist gerichtet, doch Reus fürchtet, dass er nicht mitwirken kann im Topspiel gegen Borussia Dortmund am Samstag.
Somit war er dann doch Gesprächsthema, obwohl dieses Mal andere die Hauptdarsteller waren. Allen voran Mike Hanke. Dass er ein fleißiger Arbeiter und geschickter Vorbereiter ist, "ein Spielgestalter", hat er bewiesen. Die Minuten, die er torlos war, hat er nicht gezählt. Doch hat Hanke nun gezeigt, dass er noch immer Torjäger sein kann. "Ich wusste, dass es irgendwann wieder geht." Nun muss Hanke vielleicht gegen Dortmund mit einem anderen Mann an seiner Seite arbeiten. Es wäre der Ernstfall: Gladbach ohne Reus, das gab es zuletzt am 12. Februar beim 1:3 beim FC St. Pauli. Seither war der 22-Jährige erst die Lebensversicherung im Abstiegskampf und ist nun ein wesentlicher Garant für den atemberaubenden Höhenflug.
Doch zeigte sich in Köln, "dass auch andere Tore schießen können", wie Trainer Lucien Favre sagte. Ein wichtige Erkenntnis, denn Favre muss, zumindest vorsorglich, einen Plan ohne Reus entwickeln. Weswegen die Rückkehr Igor de Camargos eine schöne Randerscheinung des Derbys war. Er könnte Reus ersetzen. Zuletzt zeigte auch der starke Patrick Herrmann Torjägerqualitäten. Dass Borussia ohne einen überragenden Reus erfolgreich sein kann, deutete sie in Köln an. Ein Spiel ohne ihn wäre vielleicht die Gelegenheit für das Team, sich von der Reduzierung auf Reus zu emanzipieren – auch im Blick auf einen möglichen Wechsel. Ob der unbedingt am Ende der Saison erfolgen soll, ist allerdings offen. Uli Hoeneß hat nämlich das Interesse der Bayern an Reus und dem Dortmunder Mario Götze relativiert. "Wenn ich sage, dass Mario Götze ein guter Spieler ist, heißt das doch nicht, dass er nächstes Jahr bei Bayern München spielt. Das gilt auch für den jungen Burschen vom Niederrhein, den Herrn Reus", sagte der Bayern-Präsident im "Sportstudio", "ich glaube nicht, dass einer von den beiden am Ende der Saison nicht mehr bei seinem derzeitigen Klub spielt."
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