Mikitenko will Marathon-Gold
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 30.06.2009 - 02:30Bochum. Wer am 23. August die Mobilfunknummer von Irina Mikitenko wählt, der wartet vergeblich auf ein Freizeichen. 37 Jahre alt wird die Athletin an diesem Tag, aber Glückwünsche müssen auf spätere Stunden verschoben werden. "Schon am 22. schalte ich nachmittags das Handy aus", sagt sie. Denn sie hat am Geburtstag ein großes Ziel vor Augen und will bei der Weltmeisterschaft in Berlin Gold im Marathon gewinnen – oder wenigstens ein anderes Edelmetall. Bis zum Start um 11.15 Uhr möchte sie deshalb ungestört sein, damit sie sich optimal aufs Rennen konzentrieren kann.
Gestern absolvierte Irina Mikitenko eine 20 Minuten lange Trainingseinheit mit den Fußballprofis des VfL Bochum. Ihr Klub, der TV Wattenscheid, hatte den ungewöhnlichen Termin mit dem Bundesligisten vereinbart. Sie weiß Bescheid über den Volkssport Nummer eins, dafür sorgt schon Sohn Alexander (15). "Er spielt gern Fußball, da muss ich mithalten", verrät sie, "und wenn er mit mir spielt, bin ich oft im Tor. Aber ernst geht es dann nicht zu." Am Bildschirm sitzen sie oft nebeneinander. "Dann möchte er gern mit mir reden. Er ist ganz interessiert und erzählt alles, was er über Fußball weiß."
Erst vier Marathonläufe hat Irina Mikitenko bestritten. Drei davon gewann sie, einmal wurde sie Zweite. Weil sie zweimal in London siegte, 2008 sowie 2009, und die viertschnellste Läuferin aller Zeiten ist, gilt sie als WM-Favoritin. Der Druck ist groß, sie scheint ihn jedoch gut ertragen zu können. "Ich bin in London ja als Titelverteidigerin gelaufen und habe den Druck überstanden", sagt die gebürtige Kasachin. "Klar, eine Heim-WM ist schon etwas Besonderes, aber ich mache mir da keinen Kopf ."
Nur eins hofft sie inständig: An ihrem großen WM-Tag sollte es nicht so heiß sein wie bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland: "Ich wünsche sehr, dass es regnet." Die Strecke kommt ihr vielleicht entgegen. "Sie ist ein Rundkurs, schnell und hat keine Höhen, das liegt mir ganz gut." Ihre größte Rivalin könnte Paula Radcliffe sein, die Weltrekordlerin. Liegt die Spitzenzeit der Britin von 2:15:25 Stunden auch für die beste Deutsche (Bestmarke 2:19:19) im Bereich des Möglichen? "Wer hatte gedacht, dass ich bei meinem dritten Marathon 2:19 laufen kann?", sagt Irina Mikitenko. "Unrealistisch ist der Rekord also nicht."
Etwa 32 bis 40 Kilometer läuft "Miki" täglich, um topfit an den Start gehen zu können. Hinter ihr liegen 18 Tage harte Arbeit im Höhentrainingslager St. Moritz, vor der WM wird sie noch einmal drei Wochen lang im Schweizer Kurort trainieren. Der eine oder andere Profi des VfL Bochum möchte gern mal länger als nur 20 Minuten mit ihr laufen. "Aber dann müssen es mindestens zehn Kilometer sein", sagt sie schmunzelnd, "weniger als zehn kann ich nicht laufen." Besonders angeregt hat sich Christoph Dabrowski bei der kurzen Übungseinheit mit ihr unterhalten. Er 1,95 Meter lang, sie nur 1,58 groß. "Viel Erfolg", sagt der Mittelfeldmann, als er sich von dem Besuch aus der Leichtathletik verabschiedet, und er fügt hinzu: "Fit bleiben! Gesund bleiben!"
Schließlich will sich Irina in Berlin selbst das schönste Geburtstagsgeschenk machen.
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