Mönchengladbach: Machtkampf vor dem Endspiel
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 29.04.2011 - 02:30Mönchengladbach (RP). Borussia Mönchengladbach muss morgen in Hannover punkten. Die Diskussionen um Stefan Effenberg, den eine Vereinsopposition an die Spitze des Klubs bringen will, sorgen im Umfeld für Unruhe.
Lucien Favre hebt abwehrend die Hände. Nein, mit diesem Thema habe er nichts zu tun. "Ich konzentriere mich nur auf das Spiel in Hannover. Wir müssen gewinnen", sagt der Trainer von Borussia Mönchengladbach. Im Umfeld des Klubs tobt ein offener Machtkampf. Die "Initiative Borussia" will den ehemaligen Profi Stefan Effenberg zum starken Mann im Verein machen. Die amtierende Führung unter Präsident Rolf Königs verweist darauf, dass sie von den Mitgliedern bis 2013 gewählt ist. Lediglich eine Satzungsänderung könnte die "Initiative" an die Macht und damit Effenberg ins Amt des Sportdirektors mit Vorstandsposten bringen. Genau das will die Opposition bei der Mitgliederversammlung am 29. Mai bewirken.
Dass das Team von den Machtkämpfen gestört wird, befürchtet Vize-Präsident Rainer Bonhof nicht. "Wer zu diesem Zeitpunkt mit so etwas kommt, der handelt nicht zum Wohle des Vereins. Wir werden die Ruhe bewahren, solange die Mannschaft eine Chance hat in der Liga zu bleiben. Und in den Gesprächen mit den Spielern habe ich festgestellt, dass sie sich voll auf das Spiel konzentrieren", sagt er.
Durch Effenbergs Auftritt als Sportdirektor-Kandidat der Initiative Borussia ist Ruhe aber eine Utopie. Dass der "Tiger" so offensiv den Job von Max Eberl fordert, passt den Borussen nicht. Dass zudem der frühere Spieler und Trainer Horst Köppel als möglicher Präsidentschafts-Kandidat der Opposition im Gespräch ist, ebenso wenig. "Ich habe mit Stefan gesprochen. Ich überlege noch, ob ich da mitmache", sagt Köppel. Nächsten Dienstag wird die "Initiative Borussia" ihr Kabinett präsentieren.
Effenberg ist der starke Mann der Gegenbewegung zum aktuellen Präsidenten Königs und dessen Crew. Es gibt Anzeichen dafür, dass Effenberg eine weitere Oppositionsgruppe, die "Mitgliederoffensive", hinter sich zu bringen versuchte, die Politik gegen die "Initiative" macht. Deren Chef Michael Weigand bleibt aber bei seinem Standpunkt.
Das Gladbacher Fanprojekt, die Dachorganisation der Borussen-Fans, hat sich deutlich positioniert: gegen die Initiative. Am 7. Mai, vor dem letzten Heimspiel gegen Freiburg, ist eine Fan-Demonstration angesetzt – gegen die "Initiative", aber auch gegen Klubchef Rolf Königs. Kritiker werfen dem Fanprojekt indes zu große Nähe zur aktuellen Vereinsführung vor. Der Riss geht jedenfalls mitten durch den Anhang. Der Klub selbst hat die Argumente des "Tigers" analysiert und kontert. "Wenn ich höre, dass er die Jugend mehr fordern und fördern will, dann sollte er sich Borussia mal genau ansehen", sagt Bonhof, "wir sind von der DFL für unser Nachwuchs-Leistungszentrum mit drei Sternen ausgezeichnet worden und hatten gegen den BVB sechs Spieler unter 22 Jahren in der Startelf." Dass Effenberg Reus, Dante und ter Stegen halten wolle, spreche für die sportliche Kompetenz des Managers Max Eberl: "Die haben wir geholt." Wirtschaftlich stehe Borussia ausgezeichnet da, "wir haben die Lizenz wieder ohne Auflagen bekommen".
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