Mönchengladbach: Machtkampf spaltet Borussia
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 03.05.2011 - 02:30Mönchengladbach (RP). Heute Abend stellt die Opposition in Mönchengladbach ihr Personal vor. Die Gräben zwischen früheren Profis könnten dadurch noch tiefer werden. Aus Freunden werden erbitterte Widersacher.
Borussia-Fans werden am Samstag, bevor die Gladbacher Profis gegen den SC Freiburg das vorletzte Endspiel gegen den Abstieg haben, demonstrieren. "Demo zum Erhalt des Mythos Borussia" haben sie die Aktion genannt, die dort beginnen wird, wo der Klub seine Wurzeln hat: im Stadtteil Eicken. "Dieser Mythos ist der Gral, den wir hüten", sagt Thomas Ludwig, der Vorsitzende des Fanprojekts. Und genau dieser Mythos nimmt in den Machtkämpfen um den Verein Schaden.
Rainer Bonhof, Günter Netzer, Berti Vogts, Jupp Heynckes und Horst Köppel waren in den 1970er Jahren als Fußballer ein Teil der berühmten Fohlenelf, die mit wunderbarem Konterfußball Titel holten und so den Mythos begründete. Nun sind aus früheren Teamkameraden Gegner geworden: Bonhof ist Vize-Präsident Borussias, Netzer und Vogts haben die Arbeit des Klubs scharf in der Öffentlichkeit kritisiert. Netzer und Bonhof stritten im Dezember live in einer Sendung des Bezahl-Senders Sky. Köppel hat sich nun zur Initiative Borussia bekannt, die die aktuelle Führungsriege stürzen und den Verein reformieren will – womit es auch um Bonhofs Posten geht. Heynckes hat sich zurückgehalten mit offizieller Kritik, hat aber stets die Arbeit von Ex-Trainer Michael Frontzeck wohlwollend bewertet – und somit die Entscheidung der Borussen, Frontzeck trotz der schlechten Hinrunden-Bilanz im Amt zu halten. Effenberg, der Max Eberl als Sportdirektor ablösen will, hat nun bei "Sky 90" Frontzeck für den sportlichen Niedergang verantwortlich gemacht. Beide spielten in den 1990er Jahren zusammen in Gladbach.
Eine Gemeinsamkeit wie einst auf dem Rasen scheint unter den Ex-Borussen unmöglich. Effenberg kann nicht mit Präsident Rolf Königs. Bonhof ist enttäuscht, dass Netzer und Vogts den Weg über die Öffentlichkeit wählten und sich nicht direkt bei ihm informierten. Seine Einladung, die er via Fernsehen an Netzer aussprach, tat der frühere "King vom Bökelberg" ab: "Wenn du Hilfe brauchst, kannst du zu mir kommen." Köppels Entscheidung, sich der Opposition um Effenberg anzuschließen, dürfte die Beziehung zu Bonhof belasten. "Ich habe mir die Entscheidung nicht leichtgemacht, auch weil Rainer ein Freund ist", sagte Köppel. "Es ist wie im Leben: In schwierigen Zeiten zeigt sich, wer wirklich ein Freund ist", sagte Bonhof.
Möglicherweise werden heute um 18 Uhr, wenn die Initiative Borussia ihr Personal-Konzept vorstellt, weitere Ex-Borussen dabei sein. Auch die Fan-Szene des Klubs ist gespalten. Die einen wünschen den totalen Umbruch. Andere reiben sich an der Person Königs, wollen aber keine Revolution, weil sie befürchten, dass Effenbergs Initiative "die Seele des Vereins" verkauft. Dem widerspricht "Effe" mit Nachdruck: "Ich stehe persönlich dafür ein, dass das nicht passiert." Ein klares Konzept jenseits der Kritik an den amtierenden Bossen, hat die Initiative bislang nicht geliefert. Gleichwohl stellte Effenberg in Aussicht, Netzer und Vogts als Ratgeber in einen Beirat einzubauen – was die Fronten unter den alten Fohlen-Freunden weiter verhärten würde.
Die, die aktuell den Mythos pflegen, sind die Spieler: Sie konterten Hannover aus. Lucien Favre, der sich aus den Scharmützeln heraushält, hat dem Team sein Konzept vermittelt, das nun fruchtet. Der Mann, als Schweizer geübt in Neutralität, ist darum der wahre Hoffnungsträger in Gladbach – und würde, so Borussia erstklassig bleibt, selbst ein Teil des Mythos werden: als Konstrukteur der Rettung.
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