Jetzt will Kubica den Weltmeistertitel
VON RALF LOWEG - zuletzt aktualisiert: 10.06.2008Montreal. Gold und Titelhoffnung für BMW, Schrott für die Silberpfeile: Als der neue WM-Spitzenreiter Robert Kubica (23) und der zweitplatzierte Nick Heidfeld (31) den historischen Doppelsieg in Montreal feierten, herrschte bei McLaren-Mercedes Trauerstimmung. Nach dem kuriosen Auffahrunfall von Vize-Weltmeister Lewis Hamilton an einer roten Ampel in der Boxengasse gab es Spott und eine Strafe. Der Mercedes-Pilot ebnete mit seinem Fehler dem deutschen Rivalen den endgültigen Einstieg in den WM-Kampf
„Ich hoffe, dass mich das Team hundertprozentig unterstützen wird, damit wir diese Führung bis zum Ende behalten können“, erklärte Kubica und gab damit endgültig die Devise WM-Titel aus: „Wenn du nach sieben Rennen die WM anführst, dann hast du ein Auto, mit dem du gewinnen kannst. Wenn ein Team ein Topauto bauen kann, dann ist es ein Topteam. Das ist doch ganz klar.“ Mit 42 Zählern liegt der erste Osteuropäer auf dem obersten Siegerpodest jetzt vier Zähler vor Hamilton und Ferrari-Mann Felipe Massa (Brasilien/je 38) an der WM-Spitze, in der Konstrukteurswertung jagt BMW (70) mit nur noch drei Punkten Rückstand Ferrari (73).
Mario Theissen versucht, die Euphorie zu bremsen. An den WM-Titel denke er überhaupt nicht, so der Motorsportdirektor: „Ziel ist das nächste Rennen.“ Doch auch Fahrerkollegen halten Kubica inzwischen für einen ganz heißen Tipp. „Die haben lange genug gewartet und konsequent darauf hingearbeitet. Es scheint alles drin zu sein in diesem Jahr“, sagte Toro-Rosso-Pilot Sebastian Vettel (Heppenheim), bis 2007 Test- und Ersatzfahrer bei den Münchnern.
Theissen kämpfte mit den Tränen, als bei der Siegerehrung erstmals für sein Team die deutsche Hymne gespielt wurde. „Ich bin überwältigt. Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden. Es hat alles gepasst, das war ein Meilenstein“, sagte der Vater des Erfolges. Er habe beim 42. Rennen seines Teams auf einen Platz auf dem Podium gehofft, „aber dass wir einen Doppelsieg einfahren würden, daran haben wir im Traum nicht gedacht.“
In den nächsten Wochen will sich BMW mit dem ein Jahr nach seinem Horrorunfall an gleicher Stelle ganz oben angekommenen Kubica zusammensetzen, um den 2009 auslaufenden Vertrag vorzeitig zu verlängert. Das Gehalt des Polen dürfte dann verdoppelt werden, von fünf auf zehn Millionen Euro.
Licht am Ende des Tunnels sieht der mit 28 Zählern auf WM-Platz fünf liegende Nick Heidfeld, der vom achten Startplatz fast zum Sieg gerast wäre – wenn sein Teamkollege nicht gewesen wäre. Der Mönchengladbacher freute sich für den Polen: „Glückwunsch an Robert, er hat den Sieg verdient. Bei mir geht es aufwärts, nachdem ich keine leichte Zeit hatte.“
Nichts zu lachen hat Lewis Hamilton (23). Wie ein Fahrschüler war der McLaren-Mercedes-Pilot ausgangs der Boxenstraße in den Ferrari von Kimi Räikkönen gerauscht, der vorschriftsmäßig an der roten Ampel angehalten hatte. Der „Iceman“ bezeichnete Hamiltons Aktion als „dumm“, und selbst die „Sun“ aus der Heimat spottete: „Dummer Junge Lew.“ „Sorry, Kimi, es tut mir leid, ich entschuldige mich“, sagte der Brite kleinlaut.
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