Italien scheitert als Gruppenletzter
VON ERIK ROOS UND ANTJE REHSE - zuletzt aktualisiert: 25.06.2010 - 02:30Der Weltmeister von 2006 wollte in Südafrika seinen Titel verteidigen – stattdessen fährt er nun nach der Vorrunde nach Hause. Die 2:3-Niederlage gegen den Debütanten Slowakei war der unrühmliche Abschluss einer rundum peinlichen WM-Darbietung der Azzurri.
Johannesburg (sid) Als das größte WM-Desaster in Italiens Fußball-Geschichte perfekt war, verschwand Trainer Marcello Lippi mit hängendem Kopf direkt in der Kabine, die Spieler versanken förmlich in einem Meer von Tränen. Die "Squadra Azzurra" schied bei der WM in Südafrika nach einem blamablen 2:3 gegen die Slowakei als dritter Titelverteidiger nach Brasilien 1966 und Frankreich 2002 bereits in der Gruppenphase aus und wurde damit nach Frankreich zur nächsten Lachnummer.
"Ich übernehme die volle Verantwortung. Offensichtlich habe ich die Mannschaft nicht gut genug trainiert", sagte Lippi nach seinem letzten Spiel als Trainer der Italiener. "Wir müssen nach Hause fahren. Ich hatte mit allem gerechnet, aber nicht damit. Das ist sehr traurig, sehr bitter. Aber wir müssen das vorzeitige Aus jetzt akzeptieren." Der viermalige Champion blieb bei der 17. WM-Teilnahme erstmals ohne Sieg und schied auch noch als Tabellenletzter der Gruppe F aus.
Auf Lippi-Nachfolger Cesare Prandelli wartet mit Blick auf die Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine nun reichlich Aufbauarbeit. Verzichten muss der neue Nationaltrainer dabei auf Kapitän Fabio Cannavaro und Gennaro Gattuso, die bereits vor dem WM-Aus ihren Rücktritt angekündigt hatten.
Die willensstarken Slowaken dagegen erreichten als WM-Debütant nach großem Kampf erstmals das Achtelfinale. "Nach der Geburt meines Sohnes ist das der beste Tag in meinem Leben. Das ist so unglaublich", sagte Slowakei-Trainer Vladimir Weiss. Der Ex-Nürnberger und Matchwinner Robert Vittek erklärte: "Das ist unfassbar für die Slowakei. Wir hatten unseren Rückflug von der WM eigentlich für Samstag gebucht. Jetzt müssen wir umbuchen." Der Angreifer von Ankaragücü brachte die Osteuropäer vor 53 412 Zuschauern im Ellis Park in Johannesburg mit einem Doppelpack auf die Siegerstraße, Kamil Kopunek erzielte acht Minuten nach dem zwischenzeitlichen 1:2-Anschlusstreffer durch Antonio Di Natale das 3:1. Der zweite Treffer der Italiener durch Fabio Quagliarella sorgte zwar noch einmal für Spannung, zum Ausgleich reichte es für die Azzurri aber nicht mehr.
Quagliarella weinte anschließend hemmungslos und musste von Cannavaro getröstet werden. In der hektischen Schlussphase der Partie hatten die Nerven bei beiden Teams aber bereits zuvor blank gelegen. Nach dem Anschlusstreffer durch Di Natale in der 81. Minute bekam Quagliarella beim – allerdings etwas rustikal angelegten – Versuch, den Ball aus dem Netz zu holen, die Faust von Slowakeis Keeper Jan Mucha ins Gesicht, der englische Referee Howard Webb zeigte jedoch nur Gelb. "Unglücksrabe" Quagliarella traf zudem in der 85. Minute zum vermeintlichen 2:2, Webb versagte dem Tor aber wegen vermeintlichen Abseits die Anerkennung.
Das Team des scheidenden Lippi wachte freilich viel zu spät, erst nach dem 0:2 durch Vittek, richtig auf. Zuvor hatten die Italiener nur fünf starke Minuten, ehe das Unheil bereits frühzeitig seinen Lauf nahm. Der Titelverteidiger agierte 75 Minuten lang genauso schlecht wie beim peinlichen 1:1 gegen Neuseeland. Dagegen leistete sich die Slowakei nur eine kurze schwache Anfangsphase, ehe Vittek mit einem trockenen Schuss für die Führung sorgte. Italien war geschockt und zeigte eklatante Schwächen im Spielaufbau – die logische Folge war das Aus. Kommentar
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