"Ich bin gerne Spielverderber"
zuletzt aktualisiert: 22.10.2011 - 02:30Borussia Mönchengladbachs Schlussmann Marc-André ter Stegen (19) vor dem Auswärtsspiel in Hoffenheim über den Aufschwung des Klubs, seine Rolle im Team und die Besonderheit des Torwartspiels.
Herr ter Stegen, Sie sind mit 19 Jahren Stammtorwart bei Borussia. Wie fühlt man sich als einer der neuen Helden in Mönchengladbach?
Marc-André ter Stegen Das Wort "Held" ist vielleicht ein bisschen weit hergeholt. Man wird ein wenig häufiger angesprochen oder erkannt. Es macht mich stolz, dass wir uns die Position erarbeitet haben, das genießen zu dürfen.
Mit einem Punkt aus zwei Spielen erhielt der Höhenflug zuletzt aber einen leichten Knacks. Und nun geht's nach Hoffenheim.
ter Stegen Gegen Freiburg hatten wir viele Chancen, die wir nicht genutzt haben. Und wenn man gegen Leverkusen das 2:2 kurz vor dem Ende kassiert, obwohl man die deutlich bessere Mannschaft ist, ist das sehr bitter.
Wie meinen Sie das?
ter Stegen Wir waren hinten zu offen, weil wir unbedingt das dritte Tor erzielen wollten. Und Schürrle macht das Tor mit seiner Klasse natürlich sehr stark. Aber wir wollen das gegen Hoffenheim wieder ausbügeln, und letztlich können wir uns nicht beklagen: Das eine oder andere Mal hatten wir auch Glück.
Borussia belegt mit 17 Punkten Platz zwei. Wie erklären Sie sich den Entwicklungssprung?
ter Stegen Das begann ja schon in der Schlussphase der vergangenen Saison mit den letzten sieben, acht Spielen. Dazu haben viele beigetragen, auch ich, als ich meine Chance im Tor bekam. Jetzt ist es gut, dass wir diesen Endspurt mit in die neue Saison nehmen und mit dem "Erfolgsdreier" in München richtig Euphorie tanken konnten. Da war viel Glück dabei.
Ist Platz zwei Borussias tatsächlicher Leistungsstand?
ter Stegen Wir haben viele unserer Spiele dominiert, da kann man nicht davon reden, dass wir über unserem Maximum spielen. Solange wir konzentriert spielen, haben wir immer unsere Chancen. Am Ende reicht, wie bei den Bayern, vielleicht auch eine Gelegenheit.
Was ist mit Borussia noch möglich?
ter Stegen Wir dürfen nicht aufhören zu arbeiten. Es ist schön, dass wir oben mit dabei sind, wichtig ist aber die langfristige Entwicklung: Wir wollen im einstelligen Tabellenbereich mitspielen. Das ist unser Ziel.
Wie hat Lucien Favre die Mannschaft verändert?
ter Stegen Er erwartet, dass wir jeden Tag hochkonzentriert sind. Auch im Training. Er bereitet uns auf alles vor, auf jede Kleinigkeit. Aber dazu gehört viel mehr. Wir sind eine Einheit: Die Mannschaft, das Trainerteam, letztlich der ganze Verein und die Fans. Letztlich hat uns dieser Zusammenhalt in der Bundesliga gehalten.
Trotz Ihres jungen Alters sagt man über Sie, dass Sie mental sehr weit seien. Man vergleicht Sie mit Kahn.
ter Stegen Es ist mir relativ egal. Natürlich ist es eine Ehre, mit einem solchen Torhüter verglichen zu werden. Letztlich sagt das aber wenig aus. Ich muss mich auf mich und mein Spiel konzentrieren.
Stichwort Konzentration – Borussia lässt aktuell kaum Chancen zu. Wie geht man damit um?
ter Stegen Wenn ein Ball kommt, ist es meine Pflicht, ihn zu halten. Die Mannschaft muss wissen, da steht einer, auf den sie sich verlassen kann. Natürlich können Spiele mit nur einem richtigen Torschuss des Gegners undankbar sein. Aber den muss ich halten. Wenn einem die Bälle aber nur so um die Ohren fliegen, ist das ja auch nichts.
Was ist das Besondere am Torwart?
ter Stegen Ich bin der letzte Mann. Wenn ich gefordert werde, dann so richtig. Das macht mir Spaß. Ich könnte den ganzen Tag auf dem Platz stehen und Bällen hinterherhechten.
Sie vereiteln Tore.
ter Stegen Ich bin gerne ein Spielverderber.
Haben Sie ein Vorbild?
ter Stegen Auf der Welt gibt es gute Torhüter. Zum Beispiel Iker Casillas. Bei solchen Leuten kann man sich etwas abschauen.
Torwarttrainer Uwe Kamps ist seit 20 Jahren im Verein. Können Sie sich so eine Karriere auch vorstellen?
ter Stegen Ich habe meine Ziele. Zwei davon habe ich abgehakt: mein Bundesliga-Debüt. Und das Ziel "konstante Leistung bringen". Mehr gibt es noch nicht. Ich verschwende keinen Gedanken daran, aus Gladbach wegzugehen.
Es gibt viele Rollen in der Mannschaft, die den Zusammenhalt fördern. Was ist Ihre Aufgabe?
ter Stegen Ich halte einfach das Tor sauber. Dafür bin ich da.
Das Gespräch führten Karsten Kellermann, Robert Peters und André Schahidi
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