Holland tritt als schlechter Verlierer auf
VON RALPH DURRY UND THOMAS HÄBERLEIN - zuletzt aktualisiert: 13.07.2010 - 02:30Johannesburg (sid) Dass die Niederlande nach dem mit 0:1 nach Verlängerung verlorenen WM-Finale den Schuldigen in Schiedsrichter Howard Webb zu finden versuchten, war angesichts ihrer brutalen Gangart in diesem Endspiel ein schlechter Witz. Denn der Unparteiische aus England hätte die "Elftal" schon nach einer knappen halben Stunde dezimieren müssen, ließ aber bei dem "Kung-Fu-Tritt" von Nigel de Jong gegen den Spanier Xabi Alonso Gnade vor Recht ergehen. Dabei war das Foul, bei dem der defensive Mittelfeldspieler der Holländer seinem Gegenüber mit den Stollen voraus in den Brustkorb sprang, fast schon der Körperverletzung verdächtig. Webb zeigte de Jong nur die Gelbe Karte.
Trotz dieser Milde lagen bei den Niederländern die Nerven blank, sie bestürmten direkt nach Schlusspfiff den Schiedsrichter. "Das ist eine Schande für den Sport", ätzte der diesmal wirkungslose Spielmacher Wesley Sneijder Und sein Kapitän Mark van Bommel erklärte: "Über Webb will ich nicht sprechen. Er hat sehr viele Fehler gemacht, die uns benachteiligt haben. Das hat jeder gesehen." Arjen Robben, sein Teamkollege bei Bayern München und in der "Elftal", sagte: "Der Schiri hat eine schlechte Rolle gespielt. Das war ein Weltklasse-Finale, da muss auch ein Weltklasse-Schiedsrichter pfeifen. Er hat einige befremdliche Entscheidungen getroffen. Das hat dem Spiel nicht gut getan." Bayern-Trainer Louis van Gaal fand: "Der Schiedsrichter hatte den meisten Einfluss auf den Spielverlauf."
Dabei hatte Webb erst in der 109. Minute einen längst überfälligen Platzverweis ausgesprochen und Johnny Heitinga wegen wiederholten Foulspiels mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen. Mit insgesamt 13 Gelben Karten, die Webb zeigte – neun davon für Spieler der Niederlande – wurde es das Finale mit den meisten Verwarnungen seit es die farbigen Karten gibt. Es hätten aber durchaus noch einige andere Akteure das Spielende nicht unbedingt auf dem Platz erleben müssen, neben dem bereits angesprochenen de Jong auch van Bommel: Der holländische Kapitän war von hinten in die Beine von Andrés Iniesta gerauscht und hatte damit eine Verletzung des Gegners riskiert – dafür hätte es ebenfalls einen Platzverweise geben dürfen. Ebenso für den späteren Siegtorschützen Iniesta, der eine weitere Attacke des Münchners auf seinen Fuß mit einem Revanche-Foul ahndete, obwohl der Ball da gar nicht mehr in van Bommels Nähe war. Das war aber nahezu die einzige Szene, in der sich die Niederländer von Webb massiv benachteiligt fühlen durften, stattdessen hatten sie noch Glück, dass der Engländer in der ersten Halbzeit der Verlängerung nach einem Foul von Heitinga an Xavi nicht auf Elfmeter für Spanien entschieden hatte.
So hätten sich eher die Spanier über Webbs Regelauslegung beschweren müssen, wie etwa bei de Jongs Attacke gegen Xabi Alonso. Da musste selbst der niederländische Bayern-Trainer van Gaal zugeben: "Von der VIP-Tribüne aus, aus 100 Metern Abstand habe ich die niederländischen Fouls noch gesehen." Die Kung-Fu-Einlage de Jongs war auch nicht zu übersehen.
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