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Haas will es noch mal wissen

VON GIANNI COSTA - zuletzt aktualisiert: 09.02.2012 - 02:30

Der Tennisprofi aus Hamburg war mal die Nummer zwei der Weltrangliste. Mittlerweile ist der 33-Jährige auf Position 166 abgerutscht. Für das deutsche Davis-Cup-Team ist er dennoch nominiert worden.

Bamberg/Düsseldorf Man sieht in diesen Tagen einen total entspannten Thomas, genannt Tommy, Haas. Er ist richtig nahbar geworden. Man spürt, dass die Arbeit für ihn keine Last bedeutet, sondern ihm vornehmlich Freude bereitet. Er musste 33 Jahre alt werden, um endlich den inneren Frieden zu finden. Sich nicht ständig für irgendetwas erklären zu müssen, die vermeintlichen Erwartungen einer ganzen Nation zu befriedigen. Er war der Anführer der Tennis-Generation nach Boris Becker und Michael Stich. Er hat sich achtbar geschlagen, war immerhin einmal die Nummer zwei der Weltrangliste. Die Wertschätzung für seine Leistungen hielt sich aber in engen Grenzen, auch weil er für viele hierzulande mit der Zeit ein Fremder geworden ist. Schließlich ist der gebürtige Hamburger mit 13 in die USA gezogen. Er sollte dort zum neuen Star der Branche geformt werden. Immerhin zum Sternchen hat es gereicht.

Nun also Bamberg. Auftaktpartie im Davis Cup gegen Argentinien an diesem Wochenende. Es ist die 17. Teilnahme für Haas an diesem Wettbewerb. Zuletzt hat er 2007 für Deutschland gespielt, beim verlorenen Halbfinale gegen Russland. War es eine große Überraschung für ihn, wieder dabei zu sein? "Gar nicht. Es gab schon letztes Jahr immer wieder Spieler, die zu mir kamen und gewitzelt haben: Wie sieht es aus? Kommst du nach Bamberg?", sagt er der "Süddeutschen Zeitung". "Ich habe eher nicht mit einem Einsatz gerechnet. Dann gab es ein paar intensivere Gespräche mit ein paar von den Jungs. Ich hatte dieses Thema eigentlich vor zwei, drei Jahren abgehakt. Jetzt sehe ich das als super Herausforderung."

Eingeplant war er zunächst maximal für das Doppel. Doch durch den Ausfall von Philipp Kohlschreiber (Magen-Darm-Infekt) könnte er durchaus auch für das Einzel von Teamchef Patrik Kühnen eingesetzt werden. "Es ist ziemlich egal, wer spielt", sagt er. "Es zählt nur, dass wir zusammenhalten und drei Punkte für Deutschland holen. So habe ich das immer gesehen. Ich glaube, Leute, die das nicht so sehen, hatten immer Schwierigkeiten, Davis Cup zu spielen."

Für ihn selbst darf es als der größte Triumph überhaupt gewertet werden, noch immer ein Teil des Spiels zu sein. Sein Körper hat sich oft Auszeiten genommen. Mal die Hüfte, mal die Schulter, mal der Rücken – die Krankenakte Haas hat in den vergangenen 15 Jahren ein stattliches Ausmaß angenommen. Jetzt, im absoluten Spätherbst der Karriere, hat er seine Träume noch nicht verloren. Er spricht vom Weitermachen, sogar von einem weiteren Titelgewinn, dem dann 13., vielleicht ist aber sein wichtigstes Ziel, seiner Tochter Valentina (14 Monate) zu zeigen, was "der Papa so den ganzen Tag eigentlich macht". Es wäre ein "allergrößter letzter Traum", wenn Valentina vielleicht in einem Jahr im Arm ihrer Mutter mal live in einem Stadion zusehen könnte. "Das wäre ein Highlight." Seit 2008 ist er mit der US-Schauspielerin Sara Foster verlobt.

Vielleicht schafft er noch ein Jahr auf der Tour, vielleicht sogar noch einen Titelgewinn.

Noch aber will Haas die Stunde des Abschieds möglichst lange hinauszögern. "Tennis ist mein Leben, Tennis ist mein Sport", sagt Haas. "Es wird irgendwann der Zeitpunkt kommen, dass ich mir eingestehen muss, es geht nicht mehr weiter. Aber noch habe ich verdammt viel Spaß."

Quelle: RP


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