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Mönchengladbach: Gladbachs wichtigste Woche

VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 24.05.2011 - 02:30

Mönchengladbach (RP). Borussias Zukunft entscheidet sich auf der Mitgliederversammlung am Sonntag und im Rückspiel der Relegation morgen in Bochum. Ob der am Oberschenkel verletzte Marco Reus dann mitspielen kann, steht noch nicht fest.

Fußball ist eine Frage der Bilanzen. Diese sind auch der Grund für die Schieflage bei Borussia Mönchengladbach. Wirtschaftlich steht der Bundesligist bestens da, das Geschäftsjahr 2010 schloss das Unternehmen mit "einer schwarzen Null ab, wie immer seit 2002", sagt Stephan Schippers. Der Geschäftsführer erzählt gern, dass er jeden Cent dreimal herumdreht und auch noch "röntgt". Er meint damit, dass Borussia gut aufgestellt ist, aber durchaus darauf achten muss, wie viel Geld ausgegeben wird.

Borussia hat das positive Jahresergebnis, das Schippers gestern präsentierte, ohne nennenswerte Transfer-Erträge erwirtschaftet, anders als im Jahr zuvor, als Marko Marin für 8,5 Millionen Euro verkauft wurde. Der Gesamtetat von 70 Millionen Euro ist aktuell das oberste Limit, "Quantensprünge sind nicht möglich", sagt Schippers. Es bleibt bei der Philosophie der kleinen Schritte, "wir werden keine Anteile und Rechte verkaufen, Borussia bleibt Borussia", sagt Schippers. "Wir haben gut gewirtschaftet."

Sportlich schaut es nicht so gut aus, auch wenn der Verbleib in der Bundesliga nach dem 1:0 im ersten Relegationsspiel gegen den Zweitliga-Dritten VfL Bochum wahrscheinlich erscheint. "Es ist noch alles möglich", warnt aber Trainer Lucien Favre. Der Schweizer, der bis gestern noch keine abschließenden Erkenntnisse hatte, ob sein Jungstar Marco Reus (muskuläre Probleme im Oberschenkel) morgen beim Rückspiel in Bochum mitwirken kann, spielt mit seinen Fußballern auch um die Zukunft des Vereins. Der sportliche Erfolg hat eine politische Dimension.

Denn nach dem "Spiel, nach dessen Abpfiff nichts mehr zu revidieren ist" (Sportdirektor Max Eberl), steht am Sonntag die politische Zukunft des Klubs zur Wahl. Bei der Mitgliederversammlung ist über Satzungsänderungs-Anträge abzustimmen, die im Klub eine fast kopernikanische Wende einleiten könnten. Die Initiative Borussia, eine Oppositionsgruppe um Stefan Effenberg, will die Struktur des Klubs ändern – und das Führungspersonal durch die eigenen Protagonisten ersetzen. Effenberg soll Sportdirektor anstelle Max Eberls werden, Horst Köppel will Präsident Rolf Königs beerben.

Die Opposition will den Klub professioneller und erfolgreicher machen, hat aber noch kein ausführliches Konzept präsentiert, wie das passieren soll. Effenberg, der nicht nur sportlicher Manager, sondern auch Vorstand der Geschäftsführung werden will, definiert sein Engagement als letzte Chance des Klubs, wieder nach oben zu kommen. "Jetzt oder nie", sagt der stets von sich überzeugte "Tiger". Die aktuelle Führungscrew spricht von einem "Putsch" und einer "feindlichen Übernahme", die dem Verein nachhaltig schaden würde. Es ist also eine Woche, die eine der wichtigsten der Vereinsgeschichte ist. Borussia kann revolutioniert werden oder eben nicht, sie kann zum dritten Mal absteigen oder das Rettungswunder vollenden.

Das wäre dann eng mit dem Namen Lucien Favre verbunden. Der Schweizer hat Borussia aufgepäppelt, er hat dem zeitweise siechenden Team neues Leben eingehaucht und ganz viel Selbstvertrauen gegeben. So wurde die Relegation mit zehn Punkten aus den letzten vier Spielen gleichsam erzwungen. "Es ist ein Wunder, dass sich das Team von der Schlammschlacht im Hintergrund nicht hat beeinflussen lassen", sagt Rolf Königs. Für ihn ist vor allem der Mittwoch wichtig. Was den Sonntag angeht, ist er "gelassen", dass Effenberg und die Seinen nicht das Votum der Mitglieder bekommen.

Lucien Favre hat sich bislang nicht um die Wahlkampf-Debatten geschert, und auch seine Spieler nicht. "Wir müssen unseren Job auf dem Platz machen", sagt Kapitän Filip Daems. Gelingt das auch morgen in Bochum, wäre die wichtigste Bilanz einigermaßen im Lot. Denn dass Borussia erstklassig bleiben soll, darüber sind sich offiziell sogar die politischen Gegner einig.

Quelle: RP


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