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Mönchengladbach: Gladbacher Glücksmomente

VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 07.03.2011 - 02:30

Mönchengladbach (RP). Im neunten Pflichtspiel gegen 1899 Hoffenheim gelang der Borussia mit dem 2:0 der erste Erfolg. Im Kampf um den Klassenerhalt schöpft man beim Schlusslicht der Fußball-Bundesliga neue Hoffnung.

Igor de Camargo wunderte sich. So viel Freiheit gibt es im Abstiegskampf selten. Die Ecke von Juan Arango flog in den Hoffenheimer Strafraum, de Camargo stand ganz allein da, sprang in die Luft und beförderte den Ball per Kopf ins Tor zum 2:0. Borussia hat erstmals gegen das Fußballprojekt aus dem Kraichgau gesiegt und die Hoffnung, sich retten zu können, reanimiert. "Es ist schwer, aber es ist möglich", sagte Trainer Lucien Favre, gefragt nach den Chancen, dass sein Team, das ständiger Letzter ist in der Tabelle, vielleicht doch nicht absteigen muss. "Man darf die Sache mit den zwei Gesichtern nicht übertreiben. Aber ich arbeite daran, dass wir nur noch ein gutes Gesicht haben", sagte Favre.

Gegen Hoffenheim zeigten die Borussen dieses gute Gesicht, doch wie wankelmütig alles in Mönchengladbach ist, das illustriert die Geschichte des Hauptdarstellers des Tages: Igor de Camargo. Drei Wochen zuvor hatte er sich beim FC St. Pauli ebenfalls mit einem Kopfstoß ins Gerede gebracht, nur, dass dieser nicht dem Ball, sondern dem Hamburger Matthias Lehmann galt. So jedenfalls sah es der Schiedsrichter und zeigte Rot. Nun beendete de Camargos Kopfstoß die Zweifel, dass Gladbach Hoffenheim besiegen würde. Zuvor hatte er den Elfmeter erarbeitet, den Filip Daems zum 1:0 verwandelte.

Vier Tore hat Igor de Camargo in der Rückrunde erzielt, sieben insgesamt. Hätte der Vier-Millionen-Euro-Zukauf nach seinem Wechsel von Lüttich zu Gladbach im Sommer 2010 nicht dreieinhalb Monate verletzungsbedingt gefehlt, wären es vermutlich weit mehr Treffer – und vielleicht wären die Borussen zu diesem Zeitpunkt nicht erster Kandidat für den Abstieg. Aber das ist Spekulation. "Wir schauen nur nach vorn", sagte Abwehrmann Dante. Neun Spiele stehen noch auf dem Programm und die Konkurrenten sind wieder in Reichweite. Nun stehen die Kellerduelle in Bremen und gegen Kaiserslautern an. "Es werden entscheidende Wochen", sagt Daems.

Igor de Camargo hat dazu beigetragen, dass die Borussen wieder guter Dinge. "Ich bin froh, wenn ich dem Team helfen kann mit Toren oder Vorlagen", sagte der 27-Jährige. Dass im Abstiegsgerangel die richtige Mischung aus Kunst und Kampf hilfreich ist, untermalt die Spielstatistik de Camargos: Er gab die meisten Schüsse aufs Tor ab, produzierte aber auch die meisten Fouls. "Igor war sehr präsent, er ist wichtig für uns", sagte Favre.

Dass die Borussen gegen Hoffenheim eine Führung durchbrachten, hat fast historischen Wert, denn mehrfach reichten gegen die Kraichgauer sogar ein 2:0 nicht zum Sieg. "Wir haben die Ruhe bewahrt", sagte Lucien Favre. Diese Eigenschaft lobte er auch bei de Camargo. Vor der Pause hatte er zwei gute Chancen ausgelassen, "aber da musst den Kopf oben behalten und weitermachen", sagte Mönchengladbachs nun bester Torschütze. "Alleine die Tatsache, dass ein Stürmer seine Chancen bekommt, ist doch schon positiv. Dann ist er im Spiel, und daran muss er dann anknüpfen", sagte der Trainer. Das tat de Camargo, der unter Favre erstmals von Beginn an spielte: Erst war er die einzige Spitze, dann stellte Favre ihm Marco Reus an die Seite, der mit einem herrlichen Pass schließlich die Situation einleitete, die zum Elfmeter führte.

"Es war ein guter Tag für mich", sagte de Camargo – aber nicht nur für ihn.

Quelle: RP


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