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Gladbach trifft Angstgegner

VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 17.05.2011 - 02:30

Gegen Bochum, am Donnerstag Borussias Kontrahent in der Relegation, gab es seit 15 Pflichtspielen keinen Sieg. VfL-Trainer Friedhelm Funkel misst dem aber keine Bedeutung bei.

Mönchenglabdach Lucien Favre ist ein akribischer Mensch. Am Sonntag beobachtete er das 3:1 des VfL Bochum gegen den MSV Duisburg. Danach verschaffte sich Borussias Trainer in seinem Hotelzimmer per DVD weitere Eindrücke vom Gegner seines Teams in den Relegationsspielen um den Platz in der Bundesliga. Gestern bat Favre seine Fußballer zur Videoanalyse. Gut eine Stunde dauerte die Theorie-Einheit des Schweizers, bevor die Praxis auf dem Trainingsplatz begann. "Wir haben den Gegner ganz genau angeschaut. Der Trainer hat uns alles erklärt. Viel Zeit zur Vorbereitung haben wir ja nicht", sagte der Brasilianer Dante.

Favre wird sich möglicherweise auch mit der Vergangenheit des Duells der Borussen mit dem Dritten der Zweiten Liga beschäftigt, die Ergebnisse den Spielern aber wohl lieber vorenthalten haben. Denn die Statistik spricht nicht für die Borussen. Seit 15 Pflichtspielen gelang es keiner Gladbacher Mannschaft, Bochum zu besiegen. Der letzte Erfolg an der Castroper Straße liegt 16 Jahre zurück, der letzte im eigenen Stadion 14. Die letzten drei Heimspiele gingen verloren. Zuvor gab es viermal ein 2:2, wobei das letzte Tor jeweils in der Schlussminute fiel.

Gegentore im ersten Spiel der Relegation, das am Donnerstag um 20.30 Uhr im Borussia-Park angepfiffen wird, könnten folgenschwer sein. Denn abgerechnet wird nach der Europapokal-Arithmetik, und da zählen Auswärtstore sozusagen doppelt. Mit der Frage, ob es ein Vorteil sei, zunächst daheim anzutreten, wollte sich Favre nicht beschäftigen. "Es ist so, wir können es sowieso nicht ändern", sagte der 53-Jährige.

Favre hat es sich zur Maxime gemacht, nur nach vorn zu schauen. Und da sind die beiden Endspiele gegen den VfL Bochum, der für die Mönchengladbacher in die Kategorie "Angstgegner" eingeordnet werden kann. Favre sieht die Kräfteverhältnisse gleich verteilt. "Die Chancen stehen 50:50", sagte er. Sein Bochumer Kollege Friedhelm Funkel mag diese Einschätzung nicht teilen. "40:60" stünden die Chancen aus Sicht seines Teams, sagte er. Funkel will die Vergangenheit nicht bemühen, um Prognosen für die nahe Zukunft abzuleiten. "So etwas ist schön zu lesen, bringt uns aber nichts. Es sind die aktuellen Teams, die gegeneinander spielen. Die haben mit dem, was früher war, nichts zu tun", sagte der Neusser.

Auf gewisse Weise gleicht die schlechte Serie Borussias Vorteil aus, als Erstligist in die Relegation zu gehen – auf dem Papier zumindest. Denn irgendwie schafft es der Fußball immer wieder, solche Geschichten fortzuschreiben. "Es gibt da sowieso keinen Favoriten", sagte Sportdirektor Max Eberl. Er selbst spielte früher für Bochum. Das ist jedoch 14 Jahre her, von daher "hält sich die emotionale Bindung in Grenzen". Dass die wenig erbauliche Statistik vor den Finalspielen zum Thema werde, sei normal, aber nicht von Belang.

"Wir wollen beide Spiele gewinnen. Wir müssen rausgehen und möglichst viele Tore schießen", sagte Gladbachs Havard Nordtveit. Der Hurra-Stil, der aus diesem Ansinnen abzuleiten wäre, dürfte allerdings nicht einhergehen mit dem Plan seines Trainers. Die Bochumer wollen "aus einer kompakten Abwehr heraus Nadelstiche setzen", kündigt Friedhelm Funkel an. Das ist der Ansatz, den auch Lucien Favre bevorzugt. Er tüftelt an der Taktik gegen Bochum. Die Negativserie der letzten 15 Jahre muss durchbrochen werden, wenn Gladbach weiterhin in der Bundesliga spielen will. "Es wird Zeit, dass wir die Serie beenden. Für uns zählt am Donnerstag nur der Sieg", sagt Stürmer Mo Idrissou.

Quelle: RP


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