Stuttgart: Gladbach tanzt auch in Stuttgart
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 30.01.2012 - 02:30Stuttgart (RP). Die Überraschungsmannschaft vom Niederrhein setzt sich auch beim vorläufig einstigen Angstgegner VfB Stuttgart mit 3:0 durch. Die Borussia hat schon jetzt drei Punkte mehr auf dem Konto als zum Ende der vergangenen Saison. Hanke, Reus und de Camargo schossen die Tore.
Vor dem Spiel war erst mal die Horrorshow. In der Mercedes-Benz-Arena flimmerten die Bilder der letzten Dienstreise von Borussia Mönchengladbach nach Stuttgart über die Bildschirme. Sieben Tore des VfB gab es damals, es war eine Demontage. Doch die Borussen schoben vor dem gestrigen Spiel in Stuttgart die schlimmen Erinnerungen beiseite – und traten mit einem ganz anderen Selbstverständnis an: Als Tabellenvierter und mit dem 3:1 gegen den FC Bayern München im Rücken wollten sie die seit 1994 währende Sieglosigkeit beim VfB beenden. Das gelang. Mit einem souverän herausgespielten 3:0-Erfolg hält das Überraschungsteam der Liga Anschluss zu den Spitzenplätzen. Der Kampf um die Meisterschaft bleibt ein Vierkampf.
Mike Hanke brachte seine Mannschaft mit einem Kopfballtreffer nach einer halben Stunde auf Kurs. Bis dahin hatte Mönchengladbach die nervös agierenden Stuttgarter in deren Angriffsbemühungen kontrolliert, aber nach vorn selbst wenig zustandegebracht. Durch die Führung der Gäste verstärkte sich der Druck auf den VfB, der inzwischen in einer ausgewachsenen Krise steckt. Stuttgart richtete sein Spiel offensiver aus und gab den Gladbachern die Räume, die das Team zum Kontern braucht.
Mit seinen Gelegenheiten ging Mönchengladbach allerdings lange Zeit fahrlässig um. Trainer Lucien Favre fuchtelte bereits aufgeregt am Spielfeldrand, als seine Elf in der Schlussphase dann doch für klare Verhältnisse sorgte. Der erneut sehr starke Marco Reus schloss einen schnellen Gegenstoß auf Zuspiel von Juan Arango mit dem 2:0 ab. Und als die Stuttgarter vollständig resignierten, traf der für den angeschlagenen Hanke eingewechselte Igor de Camargo nach einer schönen Kombination ganz leicht zum 3:0. Das Stuttgarter Publikum, gewöhnlich sehr kritisch, war geschockt. Es pfiff sich nicht einmal mehr den Unmut vom Leib. Und Gladbach feierte im zweiten Rückrundenspiel den zweiten Sieg.
Zu lauten Tönen fühlen sich die Borussen jedoch immer noch nicht berufen. Hanke sagte, was die Kollegen sein Wochen sagen. "Wir sind noch keine Spitzenmannschaft. Dazu muss man ein paar Jahre oben dabei sein. Aber wir wollen dazulernen und uns weiterentwickeln. Da sind wir auf einem guten Weg", erklärte der Mann, den Favre zu einer Art Spielmacher umfunktioniert hat. Natürlich, das ließ er sich immerhin entlocken, "bin ich stolz darauf, dass wir hier gewonnen haben. Aber wir hatten nicht die Souveränität, die wir zu Hause haben".
Auch Abwehrchef Dante ließ sich nicht locken. "Wir haben gewonnen, weil wir hart gearbeitet haben. Es gibt keinen Grund zu träumen", stellte er fest, "die Punkte, die wir haben, nimmt uns keiner mehr." Und Favre klang, als habe jemand die Wiederholungstaste gedrückt. "Wir denken weiter von Spiel zu Spiel", sagte er, "damit sind wir gut gefahren. Jetzt müssen wir in Wolfsburg antreten. Das ist eine sehr gefährliche Mannschaft zu Hause." In Stuttgart verkraftete seine Mannschaft auch den Ausfall des grippekranken Kapitäns Filip Daems. Er wurde vom Schweden Oscar Wendt vertreten.
Bei seinem dritten Einsatz in der Startelf verbesserte Wendt seine private Statistik. Zuvor war er bei den 0:1-Niederlagen in Freiburg und Hoffenheim dabei. Und nun durfte er mit den Kollegen am Ende des Arbeitstages ein flottes Tänzchen auf den Rasen legen.
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