Mönchengladbach: Gladbach setzt sich an die Spitze
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 22.08.2011 - 02:30Mönchengladbach (RP). Wie in allerbesten Zeiten – Borussia steht ganz vorn. Für Trainer Lucien Favre war der 4:1-Sieg gegen den VfL Wolfsburg der Höhepunkt seiner bisherigen Arbeit. Sein Blick rechtet sich jetzt auf das Spiel am kommenden Sonntag auf Schalke.
Morgen ist der Tag, an dem Lucien Favre die Tabellenführung, die seine Borussen durch das grandiose 4:1 gegen den VfL Wolfsburg erspielten, abhaken wird. Ab morgen geht der Blick des Trainers nach vorn, und vorn ist das Spiel beim FC Schalke 04 am Sonntag. Favre hat das Vergessen zum Prinzip erhoben in Mönchengladbach. So war es, als die Borussen in der vergangenen Saison gegen den Abstieg kämpften, und so ist es auch jetzt, da sie nach dem Ende des dritten Spieltages ganz oben logieren. In der Not hat er seinen Spielern klargemacht, dass es wichtig ist, die Traurigkeit zu vergessen, nun geht es darum, nicht in der Euphoriewelle zu ertrinken. "Es ist nur ein Spiel", sagt Favre stets, "und jedes Spiel hat seine eigene Geschichte."
Favre macht aus den Gladbachern Projektarbeiter, die Woche für Woche neu beginnen – und doch auf dem aufbauen, was sie erarbeitet haben, seit Favre den Trainerjob übernahm. Damals, nach dem 1:3 beim FC St. Pauli, war es ein verängstigter Haufen, der oft bei Rückschlägen zusammenfiel wie ein Kartenhaus. Am Freitag drehten die Borussen nach dem 0:1 erst richtig auf und spielten sich dann in einem Rausch. Das 4:1 war ein Tor zum Zungeschnalzen, entwickelt aus der Tiefe des Raumes: erst ruhiges Passspiel im Aufbau, dann machte Roman Neustädter das Spiel im richtigen Moment schnell, Arango flankte perfekt, Reus vollendete. Es war ein Hauch von Barcelona oder Arsenal.
"Wir hatten viel Spaß", sagte Raúl Bobadilla, der gegen Wolfsburg ein Tor schoss und eines vorbereitete. Dieses Spaßprinzip hat Favre zu verantworten, doch steht harte Arbeit dahinter. Sein Team hat wieder Fußballer mit Identifikationspotenzial (ter Stegen, Reus), erfahrene Spieler übernehmen Verantwortung (Daems, Arango), Favres Borussia ist taktisch bestens geordnet und so stabil, dass, wie gegen Wolfsburg, der Fehlen dreier wichtiger Spieler (Stranzl, de Camargo, Brouwers) kompensiert werden kann.
Die Borussen, vergangene Saison die "Schießbude" der Liga, haben gegen den FC Bayern, Stuttgart und Wolfsburg nur zwei Gegentore zugelassen. Es wird geschickt verschoben, gedoppelt und gedeckt, es gibt kaum Fouls nahe dem Strafraum. "Wir verteidigen intelligent", sagt Favre. Gegen Wolfsburg spielten die Borussen nach vorn konsequent über die Flügel, "dadurch haben wir das Spiel auseinandergezogen und Räume für die Stürmer geschaffen", sagte Roman Neustädter. So funktionierte das Angriffsspiel prächtig. "Wir hatten uns vorgenommen, torgeil zu sein", sagte Neustädter, der sein bisher bestes Spiel als Borusse machte. "Es war kein Zufallsprodukt", versicherte Mike Hanke.
Favre hat einen Plan. Von Beginn an hat er festgestellt, dass das Team lernwillig ist. Jetzt stellen sich die Erfolge der täglichen, dezidierten Trainingsarbeit ein. Wolfsburg war der bisherige Höhepunkt seiner Arbeit in Gladbach. Sieben Punkte hat Borussia nach drei Spielen, nach der gesamten Hinrunde der Vorsaison waren es zehn.
"Wir haben aus der letzten Saison viel gelernt", sagt Verteidiger Dante. Zum Beispiel, dass viel möglich ist, wenn man das Spiel als Gemeinschaftsprodukt begreift. Da stellen sogar die Stürmer ihren typischen Egoismus vor dem Tor zurück. Wie Bobadilla, der Reus das 1:1 auflegte statt selbst zu schießen. "Er hat mein Vertrauen", sagt Favre über den in der vergangenen Spielzeit allzu undisziplinierten Argentinier. "Es ist wichtig, wenn man das Vertrauen des Trainers hat", sagt Bobadilla. Aus Vertrauen wird Selbstvertrauen – und das hat Favre dem Team gegeben. Und die Spieler vertrauen Favre. Darum kommt seine Botschaft in ihren Köpfen an. Auch die, dass der Start mit sieben Punkten hübsch ist, aber nicht mehr als das. "Wir haben viel Potenzial, müssen aber weiter hart arbeiten", weiß Mike Hanke.
Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



