Mönchengladbach: Gladbach setzt auf Abwehr
VON ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 26.04.2011 - 02:30Mönchengladbach (RP). Beim überraschenden 1:0-Erfolg der Mönchengladbacher über Tabellenführer Borussia Dortmund ließ die Defensive wenig zu. Auf die geschlossene Abwehrarbeit kommt es auch in den nächsten Wochen an.
Für einen Tag waren sie alle Fans des 1. FC Köln. "Wir mussten denen ja die Daumen drücken", sagte Marco Reus stellvertretend für seine Mannschaftskameraden von Borussia Mönchengladbach. Doch auf den rheinischen Rivalen ist zurzeit kein Verlass: Die Domstädter setzten am Sonntag ihren desaströsen Abwärtstrend mit dem 1:4 in Wolfsburg fort – wodurch der am Tag zuvor noch triumphal gefeierte 1:0-Sieg der Borussia gegen den designierten Meister aus Dortmund plötzlich in die Kategorie "Pflicht" gehörte.
Auch wenn der Abstand zum Relegationsplatz, den Wolfsburg belegt, nun weiterhin drei Punkte beträgt – das Wochenende war für Trainer Lucien Favre und seine Schützlinge allemal erfolgreich. Erstmals seit dem 13. Spieltag ist Borussia nicht mehr Tabellenletzter der Bundesliga. "Das ist wichtig für den Kopf", sagte Favre. Und das größte Lob kam wohl vom Gegner. "Borussia hat überhaupt nicht wie ein Absteiger gespielt", stellte BVB-Trainer Jürgen Klopp mit versteinerter Miene anerkennend fest.
Dabei war am Samstag im Borussia-Park eigentlich schon alles auf die große Meisterparty der Dortmunder eingerichtet. Doch was der BVB ablieferte, war zunächst fernab von titelwürdig. Auch weil Gladbach die Partie taktisch hervorragend bestritt: Die Abwehr, mit Aushilfs-Innenverteidiger Roel Brouwers neben dem überragenden Martin Stranzl, ließ wenig zu. Und insgesamt präsentierte sich Borussia so geschlossen, so kompakt, dass sich die Klopp-Mannschaft schwer tat, Lücken im Defensiv-Verbund aufzutun. "Wir wollten hinten keinen reinlassen und vorne einen reinwürgen", so fasste der stark spielende Roman Neustädter die taktische Vorgabe zusammen.
Beides klappte hervorragend – Mo Idrissou luchste dem in der Szene überheblich agierenden Neven Subotic am Strafraum den Ball ab, verlud Torhüter Roman Weidenfeller und versenkte den Ball im kurzen Eck. Nach der Pause rührte Favre dann Stahlbeton an. Viel mehr als Flanken aus dem Halbfeld ließ Borussia gegen die etwas kleiner gewachsenen Dortmunder nicht mehr zu. Die Taktik ging auf – mit dem nötigen Glück und dem erneut starken Torhüter Marc-André ter Stegen.
"Lucien sagt immer, es kommt auf Details an. Und an diesen hat er gearbeitet", sagte Sportdirektor Max Eberl nach der Partie. Gegen Dortmund war diese Feinabstimmung offensichtlich. Favre stellte zum Amtsantritt sein Team von Mann- auf Raumdeckung um, richtet seine Mannschaft aber gleichzeitig offensiver aus als noch unter Vorgänger Michael Frontzeck. Mit Erfolg: Das 1:0 gegen den BVB war Gladbachs vierter Heimsieg unter Favre – und in dieser ganzen Saison.
Borussia hat sich endlich stabilisiert. Die Verpflichtungen von Stranzl und Havard Nordtveit verleihen der Abwehr die nötige Sicherheit im Abstiegskampf. Und unter Druck agiert die Mannschaft erstaunlich gut. "Wir stehen schon so lange da unten", sagt Stranzl. "Uns schockt einfach nichts mehr." Das soll der Vorteil gegenüber den anderen Klubs im Tabellenkeller sein, die sich mit dem Status des Abstiegskandidaten noch nicht so recht abgefunden haben.
Zum Beispiel der 1. FC Köln. Sechs Punkte beträgt noch der Vorsprung des FC auf Gladbach. Sechs Zähler hat Favre seiner Mannschaft aus den verbleibenden drei Spielen in Hannover, gegen Freiburg und in Hamburg verordnet. Ein hartes Restprogramm. Doch was ist schon hart? "Hart war es auch gegen Dortmund", sagte Roman Neustädter. Borussia ist weiter zum Siegen verdammt. Das ist nichts Neues. Neu ist jedoch das Selbstbewusstsein. Und das lässt Mönchengladbach hoffen.
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