Mönchengladbach: Gladbach: Mit Reus oben bleiben
VON ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 19.05.2011 - 02:30Mönchengladbach (RP). Borussias wichtigster Angriffs-Spieler hat schon vor den beiden Endspielen gegen den VfL Bochum ein Bekenntnis zum Klub abgegeben. Er will auf jeden Fall in Mönchengladbach bleiben.
Lucien Favre schaut ein wenig irritiert. Nein, Elfmeter habe man noch nicht geübt, sagt der Schweizer auf die Nachfrage eines Journalisten. Es wäre wohl auch ein bisschen früh. Denn heute, wenn Borussia im ersten Relegations-Endspiel auf den VfL Bochum trifft (20.30 Uhr/ARD), fällt sowieso noch keine endgültige Entscheidung. Erst in der kommenden Woche, am Mittwoch, wird sich nach dem Rückspiel zeigen, was der fulminante Schlussspurt der Borussen am Ende wirklich wert war: Klassenerhalt – oder Abstieg?
Was für die meisten Vereine der pure Frust ist, wird in Mönchengladbach als Riesenerfolg verkauft. "Andere Vereine würden sich ärgern, wenn sie Relegation spielen müssen. Nach unserem Saisonverlauf sagen wir aber: Wir haben es geschafft, dass wir in die Relegation dürfen", sagt Sportdirektor Max Eberl. Dementsprechend ist auch die Stimmung rund um den Borussia-Park. Man ist angespannt, aber glücklich – über diese letzte Chance, die sich bietet.
So glücklich sogar, dass sich Marco Reus schon früher als geplant zu einem definitiven "Ja-Wort" für Borussia hinreißen ließ. "Ich bleibe in jedem Fall", sagte Reus, dessen bis 2015 laufender Vertrag laut Eberl keine Ausstiegsklausel oder festgeschriebene Ablösesumme beinhaltet, der "Sport-Bild". Nicht, dass er Ähnliches nicht auch schon vorher kundgetan hätte. Doch ein mögliches Abstiegs-Szenario hatten der 21-Jährige und seine Mannschaftskollegen konsequent ausgeklammert.
Was anfangs nach Zweckoptimismus klang, muss im Nachhinein tatsächlich ein Erfolgsgeheimnis von Favre und den anderen Borussen gewesen sein. Ständig betonte jeder, dass noch an den Klassenerhalt geglaubt würde. Selbst als der Rückstand auf den vorletzten Platz stolze fünf Punkte betrug, hieß es nur: "Wir schaffen das noch." Diese unerschütterliche Zuversicht hat Borussia durch die Endphase der Saison getragen. Und dafür gesorgt, dass die Mannschaft spät, aber vielleicht noch gerade rechtzeitig zu einer echten Einheit zusammengewachsen ist.
"Wir denken nur positiv", beteuert Favre, der nicht vergisst, den Gegner zu loben. "Bochum versucht, das Spiel zu machen, kontert schnell, hat vor allem vorne viel Qualität", sagt der 53-Jährige. "Es wird sehr schwer für uns." Dass es Bochum und nicht Fürth als Gegner geworden ist, ist Favre gleich. Er ist kein Fan des Konjunktivs. "Wir können solche Sachen sowieso nicht beeinflussen", sagt er dann. Deshalb kümmert er sich lieber um die Sachen, die er in eigener Hand hat. Mit Erfolg. Seit seinem Amtsantritt hat Favre die Mannschaft auf ein paar Positionen umgestellt – und hält dieses Aufstellungs-Schema auch weitgehend bei. So konnte in der Schlussphase der Saison endlich etwas wie Eingespieltheit entstehen, konnten Automatismen erarbeitet werden. Borussia hat nun ein Gerüst, in dem auch der Ausfall einzelner Spieler – wie zuletzt Verteidiger Dante – aufgefangen werden kann und nicht in einem Zusammenbruch des kompletten Systems münden.
Ein vorübergehendes Absacken der Leistungskurve, wie in der zweiten Halbzeit in Hamburg zu beobachten, fürchtet die sportliche Leitung nicht. "Der Druck war sehr, sehr groß", sagt Max Eberl. Ständig wurden auf der Anzeigetafel die Ergebnisse eingeblendet. "In der ersten Halbzeit waren wir gerettet, nach dem Ausgleich kurz tot, dann wieder in der Relegation. Das waren viele Emotionen." Zu ähnlichen Einflüssen wird es nicht mehr kommen. "Da gibt es keine anderen Ergebnisse mehr. Nur diese beiden Spiele", sagt Favre. "Das Vertrauen ist da. Es wird ein hartes Stück. Und es kann dauern. Aber wir werden eine Top-Leistung bringen."
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