Mönchengladbach: Gladbach kämpft im Derby um Reus
VON ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 08.04.2011 - 02:30Mönchengladbach (RP). Im wahrscheinlichen Fall des Abstiegs würde Borussia neben Reus auch Dante verlieren. Noch klammert sich der Tabellenletzte an jeden Strohhalm. Ein Sieg über Köln soll den entscheidenden Schub geben. Es geht deshalb am Sonntag auch um die Zukunft der umworbenen Spieler..
Wenn Borussia Mönchengladbach gegen den 1. FC Köln spielt, herrscht normalerweise schon im Vorfeld der Ausnahmezustand. Das Stadion ist Monate zuvor ausverkauft, die Polizei brütet fieberhaft an Sicherheitskonzepten – und sportlich betonen beide Seiten immer wieder, wie wichtig doch ein Sieg im Derby sei. Normalerweise. Doch wenn am Sonntag Borussia auf den 1. FC trifft, ist nichts wie sonst. Das Stadion ist immer noch nicht ausverkauft. Und sportlich könnte das Ganze auch ein Freundschaftsspiel sein: Die wohl geretteten Kölner treffen auf die wohl schon abgestiegenen Mönchengladbacher.
Ein Muster ohne Wert also? "Auf keinen Fall", sagt Martin Stranzl, Borussias Innenverteidiger. "Wir wollen noch vier Spiele gewinnen, um den Klassenerhalt noch zu schaffen." Der Wunsch des Österreichers ist ein ambitionierter – nur noch sechs Spielrunden stehen in der Bundesliga aus. Wenn das Wunder ausbleibt, muss sich Borussia mit dem Gedanken an die Zweite Liga anfreunden. Und mit dem damit verbundenen Umbruch im Kader. Borussia verfügt über "Kronjuwelen", Spieler, die bei einem Verkauf im Abstiegsfall noch richtig Geld in die Kasse spülen würden. An Marco Reus soll Borussia Dortmund interessiert sein, Verteidiger Dante wird mit Bayern München, dem VfB Stuttgart und spanischen Klubs in Verbindung gebracht. Ein Abgang beider Spieler wäre beim Abstieg wahrscheinlich – und würde im Optimalfall bis zu 15 Millionen Euro einbringen.
Es sind nicht die einzigen Spieler, die Borussia im Abstiegsfall verlassen würden. Auch die Zukunft von Juan Arango (dessen Vertrag nicht für das Unterhaus gültig ist), Logan Bailly (nach etlichen Eskapaden nicht mehr gut gelitten) und Igor de Camargo (beim Abstieg kaum zu halten) ist ungewiss. So taucht wieder der Name Martin Stranzl auf – als möglicher Anführer, der Borussia beim Neuanfang in der Zweiten Liga Struktur verpassen könnte. Seit Stranzl im Abwehrzentrum neben Dante spielt, kassierte Borussia in der Rückrunde nur noch 15 Treffer in elf Spielen – in der Hinrunde waren es noch desaströse 47 Tore.
Das Problem ist: Kein Spieler beteiligt sich an Spekulationen. Einzig Thorben Marx hatte schon angekündigt, mit Borussia das Unternehmen Wiederaufstieg anzupeilen. Die anderen Spieler verweisen ausnahmslos auf die aktuelle sportliche Lage: "Noch sind wir nicht abgestiegen." Und ein Derby, das einzig wahre Derby, stehe auch noch an. "Ich habe das Moskauer Derby gespielt, auch das Münchner", sagt Stranzl. "Natürlich ist Gladbach gegen Köln kein normales Spiel. Wenn wir hier gewinnen, können wir richtig Schub mitnehmen."
Das dachten die Borussen auch nach dem Hinspiel. 4:0 gewann die Mannschaft des damaligen Trainers Michael Frontzeck bei strömendem Regen in der Domstadt. Die Hauptakteure damals: Raul Bobadilla, der zwei Tore erzielte, und Michael Bradley. Borussia verlor das nächste Heimspiel gegen Mainz. Die beiden Besten aus dem Hinspiel-Derby können am Sonntag definitiv nicht auflaufen – beide wurden im Winter ausgeliehen. Bradley kam bei Aston Villa auf stolze 17 Einsatzminuten seit Januar. Beide kehren im Sommer wohl zu Borussia zurück – und verpassen dem Verein damit noch zwei Baustellen mehr. Egal, wie das Derby am Sonntag – und der restliche Saisonverlauf – ausgeht.
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