Mönchengladbach: Gladbach holt Meyer zurück
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 16.06.2011 - 02:30Mönchengladbach (RP). Der ehemalige Trainer wird beim Fußball-Bundesligisten viertes Präsidiumsmitglied neben Klubchef Rolf Königs und den Vizepräsidenten Siegfried Söllner und Rainer Bonhof.
Es war im Februar, kurz vor der Verpflichtung von Trainer Lucien Favre, als Hans Meyer bei Aunde gesehen wurde. Das ist das Unternehmen, das Borussias Präsident Rolf Königs führt. Es wurde vermutet, dass Meyer wie schon in der Saison 2008/2009 einen Retterjob in Gladbach übernehmen sollte. Doch den bekam Favre und schaffte das Fußball-Wunder, Borussia rettete sich in der Relegation. Meyer indes hatte mit Königs offenbar andere Pläne zu besprechen. Gestern gab der Bundesligist bekannt, dass der 68-Jährige künftig das vierte Präsidiumsmitglied ist neben Königs und den beiden Vizepräsidenten Siegfried Söllner und Rainer Bonhof.
Mit Meyer, dem eigenwilligen Thüringer und Wahl-Nürnberger, hat sich der fünfmalige Meister fraglos sportliche Kompetenz ins Haus geholt. Dass Meyer nebenbei in Gladbach Kultstatus besitzt, kommt erleichternd hinzu. Während seiner ersten Amtszeit (1999 bis März 2003) hatte er Borussia nach dem ersten Abstieg neu aufgestellt und 2001 zurück in die Bundesliga geführt. 2008, als der dritte Abstieg drohte, kam Meyer zurück und rettete Gladbach mit Defensivfußball und zwei Last-Minute-1:0-Siegen. Es sei keine schöne Zeit gewesen, sagt Meyer im Rückblick, jedenfalls nicht so schön wie die ersten dreieinhalb Jahre. Aber doch war es eine Zeit, in der er Borussia wieder gute Dienste erwies.
Nun will der Klub das Know-How des Ex-Trainers erneut nutzen. Eine Rückkehr auf die Bank wird es aber nicht geben. "Ich habe mich bewusst gegen eine nochmalige Trainertätigkeit entschieden", sagt Meyer. Er will sich einbringen, doch auch genug Zeit haben für das Leben jenseits des Fußballs. Borussia hatte schon 2009 um seine Gunst geworben, damals aber sei er noch nicht bereit gewesen, sagt Meyer.
Im Vorfeld der Mitgliederversammlung am 29. Mai, bei der die Ex-Borussen Stefan Effenberg und Horst Köppel die aktuelle Führungsriege stürzen wollten, hatte sich Meyer in einem Interview im "Fohlenecho" klar gegen diese Tendenzen positioniert. Und ist nun selbst das Mehr an sportlicher Kompetenz im Klub, die Effenberg und Köppel gern gewesen wären. "Hans Meyer kennt Borussia und die handelnden Personen aus seiner Zeit als Trainer bei uns und verfügt über einen großen Erfahrungsschatz im Fußball", sagt Bonhof.
Meyer, der 2003 Ehrenmitglied Borussias wurde, ist ganz sicher kein einfacher Diskutant, wenn es um die Sache geht, er hat seine Meinung und wird sie kundtun – doch eben seine Eigenwilligkeit wollen sich die Gladbacher zunutze machen. "Er wird sich bei uns so einbringen, wie wir das von ihm gewohnt sind. Für Borussia ist es gut, ihn an Bord zu haben", sagt Söllner. Während Meyer in seiner zweiten Amtszeit im Abstiegskampf genervt wirkte, gab er sich gestern im Gespräch mit dieser Zeitung entspannt. "Der Job wird mir Spaß machen und ich werde mich voll einbringen, aber er bringt meinen Lebensrhythmus nicht völlig durcheinander", sagte er.
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