Mönchengladbach: Gladbach gehen Verteidiger aus
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 19.08.2011 - 02:30Mönchengladbach (RP). Die Borussia muss heute gegen den VfL Wolfsburg nicht nur auf Stürmer Igor de Camargo verzichten, sondern auch auf die Defensivkräfte Roel Brouwers und Martin Stranzl. Coach Lucien Favre muss sein Team umbauen.
Seit Hans Meyer als Trainer in Rente gegangen ist, gehört er zu den Fußballweisen im Lande. Das Wort des Thüringers hat Gewicht, weswegen sich die Mönchengladbacher Borussen, deren Trainer er zweimal war, Meyer ins Präsidium geholt haben. Meyer soll helfen, ein Team zu basteln, das den Klub zum ständigen und sorgenfreien Mitglied der Bundesliga macht. Mit Rainer Bonhof, der im Vorstand des Bundesligisten ebenfalls als sportliche Kompetenz dabei ist, soll Meyer Sportdirektor Max Eberl und Trainer Lucien Favre beratend unterstützen.
Favre bekam nun ein dickes Lob vom früheren Kollegen. "Was er in der Gesamtheit bei Borussia gemacht hat, ist sehr beeindruckend. Als Trainer musst du erkennen, wie du die Qualitäten der Spieler, die dir zur Verfügung stehen, am besten einsetzt. Das macht Lucien in einer sensationellen Art und Weise", sagte Meyer. Wenn die Borussen heute Abend gegen Wolfsburg (20.30 Uhr, Borussia-Park) antreten, muss Favre Meyers These belegen, die ihn als gewieften Tüftler definiert.
Denn heimlich schleicht sich etwas wieder an die Gladbacher heran, das in der Vorsaison ein Grund für das Hinrunden-Debakel war: personeller Aderlass. Dem Trainer fehlen drei wichtige Spieler. Abwehrchef Martin Stranzl und der torgefährlichste Angreifer, Igor de Camargo, sind verletzt, wann sie wieder bereit sind, ist in beiden Fällen offen. Und Stranzls Ersatz Roel Brouwers ist nach der Gelb-Roten Karte gegen Stuttgart gesperrt. Favre muss improvisieren.
Optionen gibt der Kader her. Mittelfeldspieler Havard Nordtveit könnte in die Innenverteidigung rücken – oder Linksverteidiger Filip Daems, den Neuling Oscar Wendt ersetzen könnte. Anstelle Nordtveits könnte Thorben Marx im defensiven Mittelfeld spielen. Es sei denn, Favre hat andere Ideen. Gestern ließ er sein Team im Geheimen proben, wie er sich entschieden hat, verriet er noch nicht.
Auch nicht, was den Angriff angeht. Dort spielte beim 1:1 gegen Stuttgart Raúl Bobadilla für de Camargo, aber nicht gut. Möglich, dass gegen Wolfsburg der junge Australier Mathew Leckie sein Startelf-Debüt geben darf. "Es kann sein, dass er anfängt. Er hat es gegen Stuttgart nach seiner Einwechslung gut gemacht", erklärte Favre. Allerdings könnte er auch Marco Reus in den Angriff beordern und dessen Job auf der rechten Außenbahn anderweitig vergeben. "Ich will aber nicht zu viel ändern", sagte Favre.
Insgesamt hat er seinem Team eine ordentliche Kompaktheit verschrieben, auch wenn das gegen Stuttgart nicht immer klappte. "Wir hatten zu viele Ballverluste, dadurch gab es viele Konter", sagte der Trainer. Wie es richtig gegangen wäre, hat er nach dem Spiel gegen Stuttgart während der Pressekonferenz auf einen Zettel gemalt. Für Wolfsburg wird er neue Ideen entwickelt haben, auch wenn Meyer sagt: "Ich erwarte ein ähnliches Spiel wie gegen Stuttgart."
Dass Meyer im Zusammenhang mit Favre Barcelonas Trainer Pep Guardiola zitierte, mag dem Schweizer geschmeichelt haben. Zumal er Guardiola zustimmen wird: "Meine Stärke ist die Klasse meiner Spieler." Ob die Klasse der Borussen reicht, heute Felix Magaths teures Team zu besiegen, kann allerdings nicht mal der Fußballweise Meyer vorhersagen.
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