Mönchengladbach: Gladbach feiert Platz vier
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 19.12.2011 - 02:30Mönchengladbach (RP). Der 1:0-Erfolg über Mainz 05 wird teuer bezahlt. Marco Reus scheidet beim Comeback erneut mit einer Verletzung aus, Torwart Marc-André ter Stegen ist vor dem Pokalspiel gegen Schalke am Mittwoch ebenfalls angeschlagen.
Thomas Tuchel, der Cheftrainer des FSV Mainz 05, ist einer, der immer einen Matchplan hat. Wie sein Drehbuch für das Spiel in Mönchengladbach aussah, ist nicht bekannt. Doch sah er sicher ganz anders aus als das, was sich bei nasskaltem Wetter im Borussia-Park abspielte. 1:0 gewann Gladbach durch ein Tor von Patrick Herrmann. Borussia schloss damit eine tolle Hinrunde mit dem zehnten Sieg ab und überwintert mit 33 Punkten auf Rang vier.
Der Sieg schien allerdings teuer bezahlt. Marco Reus verdrehte sich beim ersten Spiel nach seiner Verletzungspause das Knie. Torwart Marc-André ter Stegen fiel unglücklich auf die schon in Augsburg verletzte Stelle an der Brust. Mannschaftsarzt Stefan Hertl erklärte: "Bei Reus ist das Knie nicht instabil, und ter Stegen hatte natürlich große Schmerzen. Beide werden am Montag untersucht." Es hörte sich jedoch schon ein wenig nach Entwarnung an.
Tuchels Matchplan sah sicherlich vor, Borussias Reus möglichst keine Entfaltungsmöglichkeit zu bescheren. Nach nur fünf Minuten warf der Gladbacher dies indes gekonnt über den Haufen. Ein punktgenauer Pass hinein in den Lauf von Patrick Herrmann, der vor dem Tor ganz cool blieb und mit seinem dritten Saisontreffer das 1:0 besorgte. Für Reus war es der erste Assist der Saison.
Der Tempofußballer, der Ende August 2009 sein erstes Bundesligator gegen Mainz erzielt hatte, war fortan an nahezu jeder gefährlichen Aktion der Borussen in Richtung Mainzer Tor beteiligt. Dies waren zumeist jedoch Konterangriffe, denn die Mainzer hatten mehr Spielanteile – allerdings ohne klare Tormöglichkeiten zu produzieren.
Borussia machte beileibe nicht ihr bestes Heimspiel. Trainer Lucien Favre, der Ballbesitz für die wichtigste Tugend hält, dürfte es nicht gefallen haben, dass es unnötige Ballverluste und zu wenig Ordnung im Spiel seiner Mannschaft gab. Tuchels Taktik ähnelte dem seines Augsburger Kollegen Jos Luhukay. Dessen Team hatte den Gladbachern beim 1:0-Sieg mit einem aggressiven Pressing die Spielfreude genommen.
Aber: In Augsburg fehlte Reus. Und der ist nun mal einer, der den Unterschied ausmachen kann. Ebenso wie Verteidiger Dante. Wenige Minuten nach der Pause sah der Brasilianer seine fünfte Gelbe Karte im Wettbewerb. Er wird somit beim Rückrundenauftakt gegen die Bayern fehlen. Schiedsrichter Peter Gagelmann war auch an der nächsten Aktion in dem wenig erbaulichen Spiel beteiligt. Er schickte Tuchel nach einem Wortgefecht auf die Tribüne.
Die Freunde des taktischen Spiels mögen sich am Geschehen auf dem Rasen erwärmt haben, doch fehlte es allzu sehr an aufregenden Kombinationen. Und wenn es mal schnell ging, kam der letzte Ball nicht an. Nach dem fulminanten Auftakt hatten sich die fast 50 000 Fans im Borussia-Park weit mehr Unterhaltung versprochen.
Der Erfolg in der umkämpften und keineswegs hochklassigen Partie beflügelt trotzdem das Selbstbewusstsein der Borussen. "Es zeugt von Qualität, dass man auch ein solches Spiel gewinnt", sagte Herrmann, "wir haben jetzt 33 Punkte, aber wir dürfen uns darauf nicht ausruhen." Rang vier zum Ende der Hinrunde ist viel mehr, als sich selbst Optimisten ausgemalt hatten. Favre hält den Ball dennoch schön flach. "Es war viel schwerer, als es aussieht. Und wir haben noch viel Arbeit", stellte er fest.
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