Mönchengladbach: Gladbach fehlt der Chef
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 18.04.2011 - 02:30Mönchengladbach (RP). Die Mannschaft hat keine Führungsfigur, die das Team mitreißen könnte. Die Lage im Kampf um den Klassenerhalt wird immer brisanter. Nach der 0:1-Niederlage in Mainz sollen in den vier letzten Spielen drei Siege her.
Sie weigern sich, den Glauben zu verlieren. "Wir sollten positive Gedanken haben, so lange es rechnerisch möglich ist", sagt Mike Hanke, Mönchengladbachs Stürmer. Auch Lucien Favre, der Trainer, versichert, dass sein Glaube daran, dass seine Mannschaft am Ende doch erstklassig bleiben wird, "kein Berufsoptimismus" sei, trotz der 0:1-Niederlage in Mainz, die alle Merkmale hatte, die typisch sind für einen Abstieg: das späte Gegentor durch André Schürrle (87.); die zumindest zweifelhafte Gelb-Rote Karte gegen Hanke (53.), der nicht gegebene Elfmeter für Marco Reus (70.) – und eine erste Halbzeit, in der die Borussen gegen Mainz viel zu wenig Offensivgeist zeigte, als dass es etwas hätte werden können mit einer Führung.
Vielleicht hätte Igor de Camargo eine der beiden Chancen, die Marco Reus verpasste, genutzt. Doch de Camargo ist verletzt, seit Wochen, und wird auch im nächsten Spiel gegen Dortmund fehlen. "Es sind noch vier Spiele und wir brauchen drei Siege Es ist möglich", sagt Lucien Favre, der diesen Satz Woche für Woche gebetsmühlenartig erneuert.
Die Vergangenheit gibt ihm Recht. In der Saison 1997/1998 war es tatsächlich möglich. Nach einem 0:3 gegen den MSV Duisburg beweinten die Borussen den Abstieg, holten dann aber drei Siege in den letzten vier Spielen und machten so die Rettung in Wolfsburg perfekt. Allerdings gab es damals auch einen Stefan Effenberg.
Jemand wie er fehlt den Gladbachern der Jetztzeit. Ein Boss, ein radikaler Anführer, einer, der alle mitreißt. Martin Stranzl, der im Winter verpflichtete Verteidiger, versuchte in Mainz sein Möglichstes, und auch Torwart Marc-André ter Stegen, der 18-Jährige, hielt prächtig.Das aber reichte nicht. Und nun kommen die fröhlichen Dortmunder. So treffen sich am Samstag zwei, bei denen es eigentlich nur noch darum geht, endlich Fakten zu schaffen, ganz unten und ganz oben.
Was Gladbach angeht, weigert sich die Liga irgendwie, den fünfmaligen Meister endgültig zu verstoßen. Wolfsburg und St. Pauli, die beiden einzig Verblieben Konkurrenten im Kampf um den Relegationsrang, trennten sich 2:2. Ein Ergebnis wie gemalt für Borussia – wenn sie denn selbst etwas geholt hätte. Doch es bleibt dabei: Die Konstanz fehlt, um die Serie zu starten, die nötig wäre, um eine Zehn-Punkte-Hinrunde auszugleichen. Das Mainz-Spiel war die x-te Chance, Bewegung rein zu kriegen in die eigene Situation, zum x-ten Mal wurde sie verpasst: wie gegen Stuttgart (2:3), FC St. Pauli (1:3) und gegen Kaiserslautern (0:1).
Im ersten Teil der Saison fehlten wegen Verletzungen wichtige Spieler monatelang, was ein Grund für den Absturz war. Auch dass es im Lauf der Saison einige kuriose Schiedsrichterentscheidungen gab, wie jetzt in Mainz, hat möglicherweise dazu beigetragen, dass Borussia nicht vom Fleck kommt. "Wenn Gladbach den Elfmeter bekommt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es gewinnt", sagte der Mainzer Trainer Thomas Tuchel.
Doch fehlt jenseits der ungünstigen Umstände die Qualität, um die herausragende Rückrunde zu spielen, die nach der katastrophalen Hinrunde nötig wäre. Zudem stören die Heimbilanz (zwölf Punkte) und der Ertrag gegen die, die nun mit unten stehen: Null Punkte gab es gegen St. Pauli, Stuttgart und Kaiserslautern, je einen gegen Wolfsburg und Bremen, besiegt wurde nur Frankfurt. Jetzt kommen nach Dortmund Hannover, Freiburg und Hamburg. Die Abschiedstournee? Lucien Favre: "Wenn ich das Gefühl hätte, dass wir keine Chance mehr haben, würde ich es sagen. Aber wir können es noch schaffen."
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