Gladbach beendet Höhenflug
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 24.10.2011 - 02:30Nach dem 0:1 in Hoffenheim ist die Borussia auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Es war eine der schwächeren Leistungen in dieser Spielzeit. Mit dem Tabellenplatz kann das Team aber bestens leben.
Sinsheim Lucien Favre ist normalerweise ein netter Mensch. In den Gesprächen nach der offiziellen Pressekonferenz macht er sogar zuweilen Skizzen, um etwas zu erklären. In Sinsheim jedoch, nach dem 0:1 bei 1899 Hoffenheim, sah Borussia Mönchengladbachs Trainer keinen Anlass zu Unterredungen. Auch während der offiziellen Fragerunde wirkte Favre, als wäre er am liebsten nicht da. Er schaute nachdenklich zu Boden, während der Kollege Holger Stanislawski den Sieg seiner Mannschaft erklärte, verschränkte die Arme und zog die Augenbrauen zusammen.
Favre war genervt. Das Spiel seiner Mannschaft hatte ihm nicht gefallen. "Mehr als ein 0:0 konnten wir nicht erreichen. Wir hatten Mühe im Spielaufbau, die Läufe aus der Tiefe haben gefehlt, es gab zu viele Ballverluste", sagte Favre, bevor er sich eilig verabschiedete.
Eines jedoch dürfte Favre gefallen: Die Frage, ob sein Team der erste Bayern-Jäger sei, die wird es erst mal nicht mehr geben. Favre hatte ohnehin stets zur Vernunft gemahnt, auch während des Höhenflugs der ersten sieben Spiele, die 16 Punkte brachten. Sportdirektor Max Eberl konnte nun gleich zwei Bayern-Themen, die in den Tagen vor dem Hoffenheim-Spiel aufgekommen waren, zu den Akten legen. "Wir haben nie gesagt, dass wir Bayern-Jäger sind. Wir haben vor der Saison unsere Ansprüche formuliert, und dabei bleiben wir", sagte er. Und er erteilte jeder Spekulation um einen zeitnahen Wechsel von Marco Reus zum FC Bayern eine Absage. "Die Bayern haben ihr Interesse dementiert, Marco hat bei uns einen Vertrag bis 2015 und fühlt sich wohl bei uns. Das Thema ist durch."
Die Borussen sind auf dem Boden angekommen. Doch genau genommen hatten sie diesen gar nicht unter den Füßen verloren. Tatsächlich haben sie im Borussia-Park nie von eienm Gipfelsturm geredet, sondern sich nur über die vielen Punkte gefreut. "Uns war allen klar, dass wir keinen Durchmarsch machen und Vize-Meister werden", sagte Stürmer Mike Hanke.
Nun sind zehn Spiele vorbei, und es heißt, dass die Tabelle von diesem Zeitpunkt an Aussagekraft habe. Die Borussen logieren im gehobenen Mittelfeld, und somit da, wo man das Team erwarten kann, wenn es optimal läuft. Favre ist dabei, die Mannschaft zu entwickeln. Und er weiß, dass das Zeit braucht. Was ihm nicht gefiel in Hoffenheim, war, dass es spielerisch und taktisch ein Rückschlag war. Favre wirbt für einen ruhigen Spielaufbau und eine geduldige Suche nach Lösungen. Das Resultat war in den vergangenen Wochen reichlich Ballbesitz und viele Torchancen.
In Hoffenheim war davon nichts zu sehen. "Viel Hektik im Spielaufbau", machte Verteidiger Stranzl aus. Er hatte den Kollegen mit einigen Grätscheinlagen vorgemacht, wie man sich in ein Spiel reinkämpfen kann, wenn einem die spielerische Leichtigkeit abgeht. Die Botschaft kam nicht an. "Man muss auch mal anders spielen. Es ist uns aber nicht gelungen, den einfachen Weg zu finden", sagte Eberl. Es wurde deutlich, dass Borussia nur als Team funktioniert. Und das tat sie in Sinsheim nicht. Stranzl wollte nach nun drei sieglosen Spiele am Stück aber nicht gleich eine Krise ausrufen. "Das Verlieren ist auch eine Lernphase. Nach wie vor sind wir auf einem guten Weg. Aus dem Spiel in Hoffenheim müssen wir lernen", sagte er.
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