Gladbach bangt um Reus
VON KARSTEN KELLERMANN UND ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 21.05.2011 - 02:30Der 21-Jährige hat im ersten Relegationsspiel der Borussia gegen Bochum (1:0) einen Muskelfaserriss erlitten. Deshalb ist fraglich, ob er am Mittwoch dabei sein kann. Auch die Absage für die Länderspiele droht.
Mönchenglabdach Marco Reus schaute traurig drein, als er gestern Mittag aus dem Kabinentrakt des Borussia-Parks kam. Eine Diagnose lag zu dem Zeitpunkt noch nicht vor, doch der 21-Jährige ahnte wohl, was kommen würde. Einen Muskelfaserriss hat er sich zugezogen im ersten Relegationsspiel der Mönchengladbacher Borussen gegen den VfL Bochum (1:0). Ob er im Rückspiel dabei sein kann, ist fraglich, die Wahrscheinlichkeit ist nicht eben groß.
Nach fünf Minuten war es passiert. "Da habe ich etwas gemerkt", berichtete Reus. Er hat sich in den vergangenen Wochen so viel Mühe gegeben, die zehnte Gelbe Karte zu verhindern, und nun das: eine Verletzung, die den Geschwindigkeitsfußballer ausbremst. "Es wäre nicht gut, wenn er ausfällt", sagte Trainer Lucien Favre. Denn Reus hat sich als Borussias Lebensversicherung entpuppt, er hat mit seinen zehn Saisontoren und neun Vorlagen viel zum Rettungswunder der Gladbacher beigetragen, das vor der Vollendung steht. Es hätte so gut gepasst: Am Mittwoch feiert Reus mit den anderen Borussen den Verbleib in der Bundesliga, und am Freitag dann, nach einer gemäßigten Feier, hätte er sich aufgemacht zum Nationalteam, für das ihn Bundestrainer Joachim Löw nominierte. Schon zweimal musste Reus Löw für Länderspiele absagen. Nun steht womöglich der dritte Rückzieher an.
Doch noch ist es nicht so weit. Sie werden Marco Reus, den rotblonden Hänfling, in Watte packen, hegen und pflegen, um ihn nur irgendwie spielfit zu machen. Allerdings: Nur wenn Reus wirklich fit ist, kann er seine Stärke einbringen: die unglaubliche Explosivität, die ihn so gefährlich macht. Gegen Bochum spielte er gehemmt und trat daher kaum in Erscheinung.
So war an diesem Abend nicht er der Held der Geschichte, sondern Igor de Camargo, der in der 67. Minute eingewechselt wurde und in der 93. Minute das Siegtor erzielte. Da hatte sich sogar Trainer Favre schon mit dem 0:0 abgefunden. Reus war da bereits nicht mehr auf dem Feld. In der 85. Minute hatte er aufgegeben, zu sehr zwickte es im Oberschenkel. "Ich wollte unbedingt weiterspielen, wollte der Mannschaft helfen", sagte Reus. Nun muss er abwarten. Für einen jungen Fußballer ist das die Hölle. Im wichtigsten und alles entscheidenden Spiel der Saison möglicherweise zu fehlen, das ist eine brutale Vision.
De Camargo, mit sieben Treffern Borussias zweitbester Torschütze, kennt die Situation. Er kam nach einer Knieverletzung erst vor dem letzten Saisonspiel gegen Hamburg zurück. Nun war er der Held des Abends. "Ein Wahnsinnsgefühl" verspürte er noch am Tag nach dem Spiel. Seine Tat war eine günstige Konstellation von Ästhetik, Willenskraft und Glück – und somit symbolisch für das, was in den vergangenen Wochen in Gladbach passierte. Die Borussen haben den Glauben an die Rettung nie aufgegeben – und auch jetzt nicht den Glauben an den Sieg. Sie haben immer weitergearbeitet, mit fußballerischen Mitteln, haben fast trotzig das nötige Glück erzwungen. "Mein Tor war die Belohnung für das Team", sagte de Camargo.
Public Viewing Gemeinsam mit Hauptsponsor Postbank und der Rheinischen Post bietet Borussia Mönchengladbach zum Relegations-Rückspiel am Mittwoch in Bochum ein Public Viewing im Borussia-Park an. Auf der Südtribüne ist Platz für bis zu 10 000 Fans. Der Eintritt ist fei.
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