Gericht stoppt Van-Gaal-Putsch
zuletzt aktualisiert: 08.02.2012 - 02:30Amsterdam/Düsseldorf (RP) Auf seiner Homepage gibt sich Louis van Gaal optimistisch. "Ich bin dann mal weg ... Bis bald. Es dauert nicht lange!", lässt der ehemalige Trainer des FC Bayern seine Anhänger auf Deutsch wissen. Allzu schnell wird der Holländer nun aber wohl doch kein neues Amt übernehmen. Der Gerichtshof in Amsterdam hat gestern entschieden, dass die Ernennung van Gaals zum Generaldirektor bei Ajax Amsterdam nicht rechtens ist. Auch die Berufung von Martin Sturkenboom zum Direktor sei nicht gültig.
Das Urteil ist ein Triumph für van Gaals Intimfeind Johan Cruyff. Das Fußball-Idol der Niederlande hatte geklagt, weil er sich im Aufsichtsrat von Ajax Amsterdam bei der Verpflichtung van Gaals von den übrigen vier Aufsichtsräten übergangen gefühlt hatte. Der Vize-Weltmeister von 1974 hatte dabei Unterstützung durch die zehn wichtigsten Jugendtrainer des Klubs erhalten.
Tatsächlich glich das Prozedere einem Putsch: Die Aufsichtsräte Edgar Davids, Marjan Olfers, Paul Römer und Vorsitzender Steven ten Have hatten die Ausbootung Cruyffs generalstabsmäßig geplant. Ohne sein Wissen hatte das Quartett van Gaal heimlich in dessen Ferienhaus in Portugal besucht, wohin der 60-Jährige sich nach der Entlassung in München zurückgezogen hatte. Zudem war Cruyff erst am Vormittag über die entscheidende Aufsichtsratssitzung am Nachmittag desselben Tages informiert worden.
Das Amsterdamer Gericht sah als erwiesen an, dass die anderen vier Aufsichtsräte geplant hätten, Cruyffs Einfluss wesentlich einzuschränken. Zudem sei die Terminplanung für die entscheidende Sitzung unzulässig kurzfristig gewesen und die geplanten Ernennungen von van Gaal und Sturkenboom nicht Gegenstand der Tagesordnung gewesen.
Die Anwaltskanzlei von Cruyff und seinen Mitstreitern aus dem Jugendstab verbreitete gestern eine Erklärung zum Urteil. Darin heißt es: "Das ist ein Sieg für den Fußballklub Ajax, weil die Cruyff-Linie jetzt fortgesetzt werden kann. Es ist auch ein Sieg für alle Aufsichtsratsmitglieder in den Niederlanden, weil jetzt deutlich ist, dass sie nicht einfach ins Abseits gestellt werden können."
Am kommenden Freitag wird die Eigentümer-Versammlung von Ajax Amsterdam über die Auswirkungen des Gerichtsurteils beraten: Klar ist, Cruyff hat sich durchgesetzt und will seine Vision von seinem Stammklub Ajax forcieren. "Johan hat wieder einmal einen Wettkampf gewonnen", sagte Daniel Dekker, der Vorsitzende der Fanvereinigung von Ajax. Die große Mehrheit der Anhänger steht hinter dem einstigen Starspieler, der zum Inbegriff des "Voetbal total" im Nachbarland in den 70er Jahren wurde. In der Schlammschlacht um van Gaal hatten aufgebrachte Ajax-Fans zwischenzeitlich eine Tagung des Mitgliederrates mit einer lautstarken Demonstration für Cruyff gestört. Rund 600 Fans riefen vor der Amsterdamer Arena seinen Namen, traten mit Trikots seiner legendären Nummer 14 auf und entzündeten bengalische Feuer.
Laut Ajax-Anwalt Peter Wakkie ist eine Verpflichtung van Gaals nicht endgültig vom Tisch. Falls gewünscht, könne die Prozedur laut Gericht erneut beginnen, diesmal allerdings auf korrekte Art und Weise. Van Gaal ließ ausrichten, dass er vorerst nichts unternehmen wolle. Er bleibe in Portugal. Ohnehin steht er bis Juni noch beim FC Bayern auf der Gehaltsliste und kassiert monatlich rund 200 000 Euro.
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